Auf den Spuren der Lykier durch die Türkei

Letztes Jahr auf meiner Deutschland-Durchwanderung habe ich einen Entschluss gefasst: die nächste längere Wandertour will ich nicht ohne meine Freundin machen, sondern das Abenteuer mit ihr zusammen erleben. Im Frühjahr fingen wir mit der Planung an, welcher Weg es denn werden sollte. Ich hatte mehrere Wege in der engeren Auswahl. Auf dem Sofa meine ich: „Weißt du, was mir diese Woche eingefallen ist? Wie wäre es, wenn wir den Lykischen Weg in der Türkei wandern würden?“ Das Leuchten in den Augen von Hang zeigt mir, dass sie von der Idee begeistert ist. Somit können wir mit der Planung beginnen. 😍 Ein Vorteil ist, dass für die Türkei gar nicht so viel geplant werden muss. Wir wollen nicht nur den Lykischen Weg wandern, sondern auch noch mehr von der Türkei sehen, wenn wir schon mal da sind. Auf dieser Seite möchte ich dir einen Überblick geben, wenn du alle Erlebnisse Tag für Tag nachlesen willst, dann findest du die Tageszusammenfassungen der kompletten Reise hier.

Das Reiseland Türkei

Als deutscher Staatsbürger benötigt man für eine Reise in die Türkei bei einem Aufenthalt von weniger als 90 Tagen kein Visum.

Bezahlt wird in türkischen Lira (aktueller Wechselkurs grob 50 TRY = 1 €), fast überall kann man aber auch mit Karte zahlen. Bis auf den Flug und das erste Hotel haben wir nichts gebucht, sondern alles spontan vor Ort über die gängigen Buchungsportale, da man da einfach bessere Vergleichsmöglichkeiten hat. Wir waren vom mittlerweile doch relativ hohen Preisniveau in der Türkei überrascht. In den letzten Jahren sind die Preise doch sehr, sehr stark angestiegen. Dies merkten wir nicht nur in den Restaurants, sondern auch bei den Preisen der Unterkünften.

Große Strecken im Land haben wir meist mit Fernbussen zurück gelegt. Diese sind sehr billig, zuverlässig und fahren die meisten größeren Städte an. Auf eine Empfehlung hin, haben wir uns immer für Kamil Koç entschieden, die zu Flixbus gehören. Auf unseren Fahrten hatten wir nie ein Problem und alles hat bestens geklappt.

Für mobiles Internet haben wir uns für eine eSIM-Lösung entschieden. Sicherlich kann man am Flughafen vor Ort auch eine SIM-Karte kaufen. Aber für uns schien die digitale Lösung bequemer. Hier haben wir uns für Airalo entschieden. So konnten wir die SIM vorab in Deutschland installieren und aktivieren und sobald wir gelandet waren, hat sich das Smartphone dann einfach mit dem lokalen Netz verbunden. Super einfach!

Zum Schluss noch ein kleines Wort der Vorsicht: manche Einheimische machen gerne übermäßig Profit mit Touristen, gerade in den touristischen Regionen. Dies äußert sich in unterschiedlichen Preisen zwischen Einheimischen und Ausländern oder in total überzogenen Preisen bei Essen. Deshalb immer davor fragen, was das jeweilige kostet, damit man entscheiden kann, ob man bereit ist, den Preis zu zahlen.

Anreise Antalya

Wir flogen direkt nach Antalya. Mit der Straßenbahn kann man sehr billig vom Flughafen ins Stadtzentrum fahren (Haltestelle Ismetpasa). Eine Übernachtung in einem kleinen Hotel in der historischen Altstadt ist lohnenswert. So kannst du direkt vom Hotel aus die hübschen Gassen der Altstadt erkunden. Abends ist hier viel los und in den Pubs und Kneipen ist ordentlich Stimmung. Besonders der Ausblick beim Sonnenuntergang von Karaalioglu Park hat uns gefallen, da wir von da einen perfekten Blick über das Meer auf die Berge hatten, die wir kurz vor der Ankunft in Antalya wieder durchwandern werden. Neben zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie dem Hadrianstor haben wir uns auch ein Hamam in einem der historischen Bäder in der Altstadt gegönnt. Gerade bei Barzahlung kann man hier einige Prozent im Preis sparen. Nach der ersten Nacht fahren wir dann frühmorgens mit dem Bus nach Fethiye, wo wir gegen Mittag ankommen. In Fethiye schauen wir uns die Felsengräber Amyntas an, bevor wir mit einem kleinen Minibus weiter nach Ölüdeniz fahren, wo der Lykische Weg beginnt.

Der Lykische Weg (Likya Yolu)

Länge: 450 – 500 km, je nach Variante

Dauer: 28 Etappen, wir haben 22 Tage benötigt

Verlauf: Fethiye nach Antalya

Beste Wanderzeit: April/Mai oder Oktober

Tagesberichte: Blog

Unsere Etappen: Komoot

Der Lykische Weg ist der erste und heute bekannteste Fernwanderweg der Türkei. Er zählt zu einem der schönsten Wanderwege der Welt. Er bietet eine schöne Mischung aus herrlichen türkisblauen Buchten, historischen Ruinenstätten und Nähe zur türkischen Bevölkerung. Ich habe davor vielmals Warnungen vor aggressiven streunenden Hunden erhalten. Da ich vor Hunden immer großen Respekt habe, hatte ich davor großen Bammel. Und ja, es kam schon mehrmals zu aggressiv bellenden und verteidigenden Hunden, die sich aber mit den Wanderstöcken gut in Schach halten ließen. Davon sollte man sich aber nicht abhalten lassen. Genauso kommt es zu zahlreichen schönen Begegnungen mit friedlichen Hunden, die einen kilometerweit begleiten. Neben Hunden und Katzen kann man aber auch „exotischere“ Tiere entdecken. Wir begegneten 21 Schildkröten, 1 Schlange und 2 Skorpionen, leider waren beide nicht mehr am Leben.

Über den Weg gibt es nicht wirklich viele Bücher oder auch gute Online-Quellen. Wir selbst haben uns mit dem Outdoor Wanderführer aus dem Conrad-Stein-Verlag informiert. Am hilfreichsten waren die GPS-Daten, die Übernachtung- oder Einkehrmöglichkeiten sind teilweise schon wieder nicht mehr aktuell.

An den meisten Etappenzielen gibt es Übernachtungsmöglichkeiten, in den Bergdörfern meist nur eine einfach Pension. Aber wenn man alle Etappen gehen möchte, kommt man um ein eigenes Zelt nicht rum, da es auch Bergetappen gibt, auf denen es keine festen Unterkünfte gibt. Nach den ersten Übernachtungen haben wir uns fürs Wildcampen entschieden. Im Nachhinein waren das die besten Nächte an herrlichen Orten. Wenn man die Plätze gut wählt, ist man abends dann auch komplett allein. Eine perfekte Möglichkeit, so richtig in die Natur einzutauchen.

Für den Likya Yolu muss man nicht unbedingt ein alpinistisch erfahrener Wanderer sein, allerdings ist der Weg alles andere als ein Spaziergang. Wir waren vom Anspruch des Wegs überrascht. Die Wege sind oft schwer zu erkennen und führen gerade bei den Bergetappen über scharfe Felsen und loses Gestein, wo man gerne auch mal ins Rutschen gerät. In den Abschnitten durch Macchia kämpft man sich des öfteren durch hohe, stachelige Büsche. Aber wir lieben solche Herausforderungen und wirklich gefährlich wird der Weg nicht.

Schau dir bei Interesse die kompletten Tagesberichte an, um nachzuerleben, wie unsere Wanderung Schritt für Schritt verlief. Zum Abschluss noch einige visuelle Highlights, um dir einen Eindruck vom Weg zu verschaffen.

Unsere schönsten Übernachtungsplätze

Die Tierwelt

Atemberaubende Buchten

Historische Ruinen

Wer waren die Lykier?

Wenn wir schon durch das historische Lykien wandern, sollten wir auch einen kleinen Blick in die Vergangenheit werfen, oder? 😜 Das antike Lykien erstreckte sich zwischen Fethiye und Antalya, also genau dem kompletten Gebiet, durch den der Lykische Weg verläuft. Die Geschichte der Lykier erstreckt sich über einen Zeitraum von fast zwei Jahrtausenden, beginnend in der späten Bronzezeit bis in die späte römische Antike.

Die damals unabhängigen Städte schlossen sich zum Lykischen Bund zusammen. Schon damals zeichnete sich dieser durch ein demokratisches System aus, welches mitunter Vorbild für die amerikanische Verfassung sein soll. Bekannte Zentren des Lykischen Bundes waren Letoon, Patara, Olympos und Myra, deren Ruinen man entlang des Weges definitiv besuchen sollten. So kann man sich ein wenig in das damalige Leben hineinversetzen.

Berühmt waren die Lykier für ihren Totenkult, dem wir die beeindruckenden Felsengräber verdanken, die z.B. noch in Myra zu bewundern sind.

In zahlreichen Konflikten widersetzten sich die Lykier den Großmächten, so kämpften sie im 6. Jahrhundert vor Christus gegen die Perser. Laut der Mythologie kämpften sie sogar an der Seite Trojas.

Zahlreiche spannende Einblicke kannst du in diesem Artikel nachlesen: https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/lykien-das-versandete-reich/

Cappadocia Trail

Länge: 70 km

Dauer: 4-5 Tage

Verlauf: Taskinpasa nach Göreme

Beste Wanderzeit: April/Mai oder September/Oktober

Tagesberichte: Blog

Unsere Etappen: Komoot

Der Cappadocia Trail ist nicht mit dem Lykischen Weg zu vergleichen. Für uns war dieser Weg absolutes Genusswandern. Während wir an der Küste jeden Tag gegen 7 aufgestanden sind, gab es hier meist erst um frühestens 9 Uhr Frühstück. Anstatt 7-8 Stunden wandern, waren es hier meist gemütliche 4-5 Stunden. Umso mehr Zeit hast du, um die unglaubliche Natur Kappadokiens auf dich wirken zu lassen. Von Antalya sind wir wieder mit dem Flixbus über Nacht nach Nevsehir gefahren. Der Nachtbus war für uns perfekt. Von Nevsehir sind wir dann mit dem Minibus nach Ürgüp und von dort per Taxi an den Start der Wanderung nach Taskinpasa.

Den Trail kann man auch kommerziell buchen. Hier bekommt man die Hotels vorgebucht, bei Wunsch das Gepäck transportiert etc. Allerdings geht meiner Meinung nach damit auch ein wenig Abenteuer verloren. Du kannst den Trail aber easy selbstorganisiert tun, so hast du die Wahl, welches Hotel du buchst oder ob du evtl. auch im Zelt schläfst. Und sparst nebenbei noch sehr viel Geld.

Wenn du die Natur Kappadokiens siehst, wirst du begeistert sein. Mit seinen Tuffsteinlandschaften und Höhlenstädten zählt Kappadokien nicht unbegründet zum UNESCO Weltnatur- und Weltkulturerbe. Solche Landschaften findet man weltweit kaum ein zweites Mal. Immer wieder kommst du an ganzen unterirdischen Städten vorbei und entdeckst herrliche Täler wie das Gomeda-Tal, das rote Tal und das Liebestal. Das Beste: trotz der Bekanntheit dieser Region waren wir an den meisten Orten oft kilometerlang alleine. Nur an den Hotspots ist mehr los. Am Ende jeder Etappe warten idyllische Felsenhotels auf dich.

Einen kleinen Geheimtipp habe ich für dich: normalerweise tangierst du Ibrahimpasa nur. Aber es lohnt sich ein kulinarischer Abstecher. Das Restaurant Babayan Evi wurde 2026 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Und eines der absolut leckeren Menüs bekommst du hier für aktuell noch unter 20 €.

In den letzten Etappenorten kannst du ein weiteres Highlight der Region erleben. Jeden Morgen starten hier 100-150 Heißluftballons. Von Cavusin, Uchisar und Göreme kann man diese perfekt von unten aus der Ferne und Nähe bewundern. Wenn du Tipps zu guten Aussichtspunkten haben willst, dann melde dich gerne bei mir. Für uns war der Anblick von unten traumhaft. Man kann aber auch eine Fahrt in einem dieser Ballons buchen. Diese kosten mittlerweile aber zur Hochsaison bis zu 400 €. Unabhängig vom Preis sprachen für uns aber zu viele Argumente dagegen. Das musst du für dich selbst entscheiden.

Die Natur Kappadokiens

Die berühmten Heißluftballons

Istanbul

Von Göreme nehmen wir mal wieder den Fernbus nach Kayseri und fliegen von da dann zu unserem letzten Türkei-Kapitel nach Istanbul. Istanbul ist die größte Stadt der Türkei mit rund 16 Millionen Einwohnern. Weltweit ist es die einzige Stadt, die sich über zwei Kontinente erstreckt, Asien und Europa. Wir haben uns für eine Woche eine kleine Wohnung im Stadtteil Beyoglu gemietet und ganz in der Nähe des Taksim-Platzes gewohnt. Von hier aus konnten wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß alles problemlos erreichen. Für den öffentlichen Verkehr bietet sich der Erwerb einer Istanbulcard an, die man an vielen Haltestellen an Automaten kaufen und immer wieder mit Geld aufladen kann.

In Istanbul nehmen wir noch mal einen weiteren Gang zurück und entspannen bei Spaziergängen in den unterschiedlichen Vierteln, um einen möglichst breiten Eindruck der Vielfalt Istanbuls zu bekommen. In den Tagesberichten findest du alle Details.

Kulinarisch gibt es in dieser Weltmetropole einiges zu entdecken. Von Köfte, über Menemen bis hin zu neuen Genüssen ist alles dabei. Selbst nach mehreren Wochen im Land kennen wir noch nicht alles. Vor allem der Streetfood wie Balik Ekmek (Fischbrötchen) oder Islak Burger (nasse Burger) ist rund um den Taksim-Platz oder in den kleinen Häfen richtig lecker. Nur an eine Spezialität haben wir uns nicht heran getraut: Kokorec, von Lammdärmen umwickelte und gegrillte Innereien. Hier konnten wir uns nicht überwinden.

Natürlich ließen wir uns die bekanntesten Sehenswürdigkeiten Istanbuls nicht entgehen. So besuchten wir den Galata Turm mit seiner grandiosen Rundumsicht, die Hagia Sophia, die blaue Moschee, die Basilika Zisterne und natürlich den Topkapipalast. Es gibt unzählige Pässe, die man erwerben kann, um bei reger Nutzung der Sehenswürdigkeiten Geld zu sparen. Allerdings sind nicht immer alle Highlights enthalten, weswegen sich ein Pass nicht wirklich gelohnt hätte. Aber auch wenn man einfach so durch die Straßen der Stadtteile flaniert, findet man immer was zu entdecken. Und natürlich darf man das Gewusel in den Basaren nicht auslassen. Gerade der Große Basar und der Ägyptische Basar laden Stöbern ein.

Doch leider endet jede Reise mal und so sagen wir nach fünf ereignisreichen Wochen auf Wiedersehen!

Eindrücke aus Istanbul

Fazit

In meiner Kindheit war ich schon öfter mal in der Türkei im Urlaub, allerdings waren wir damals immer in irgendwelchen All-inclusive-Anlagen. Somit haben wir leider vom Land, der Natur und den Leuten nicht viel mitbekommen. Deshalb war es umso schöner, das alles auf dieser Reise in mehreren Facetten kennen zu lernen und wirklich zu erleben. Alle drei Abschnitte waren auf ihre eigene Weise anders und genial. In dieser Zusammenstellung und auch wieder ohne wirklich konkrete Vorplanung würde ich diese Reise jedem empfehlen. Der Lykische Weg, als Hauptgrund unseres Besuches, war schon lange auf meiner Liste. Meine Erwartungen wurden absolut erfüllt, mit seinen diversen Aspekten ist er sehr abwechslungsreich und wird nie eintönig.

Du erinnerst dich vielleicht, diese Reise war ein erstes gemeinsames, größere Abenteuer mit Hang. Viele werden sich nun eventuell fragen, ob diese Generalprobe erfolgreich war. Ich bin froh, dass ich auch diese Frage überschwänglich positiv beantworten kann. Nicht nur privat, auch mehrere Wochen stinkend können wir uns immer noch riechen. Jetzt haben wir gemeinsam noch mehr Lust, bald wieder längere Zeit, hoffentlich auch mehrere Monate am Stück loszuziehen und eine andere Region unserer hübschen Welt zu erkunden. Die Reise war also in jeglicher Hinsicht ein voller Erfolg! 🎉

Du willst selbst einen der Wege laufen oder hast noch andere konkrete Fragen oder Feedback? Dann melde dich gerne! Ich freue mich, von dir zu hören.

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