Autor: Jan von JR on Tour

  • Lykischer Weg – Tag 12: Belören – Incegeris Tepesi Grat

    Lykischer Weg – Tag 12: Belören – Incegeris Tepesi Grat

    17,1 km; 1.510 m aufwärts; 600 m abwärts

    Die Nacht auf unserer einsamen Lichtung war traumhaft. Je mehr Nächte wir draußen verbringen, desto mehr schätzen wir diese Einsamkeit. Am Morgen begegnen uns mehrere Hirten mit ihren Ziegen. Wir wandern zurück in die Dorfmitte und essen erst mal Müsli mit Wasser. Hier bringen sich auch Brunnen, wo wir das letzte Mal bis morgen Wasser auffüllen können. Mit 8 Litern wandern wir los. Der Weg kennt heute fast nur eine Richtung: nach oben.

    Schon am ersten Anstieg merken wir, dass unsere Beine erst warm werden müssen, gut, dass wir gestern etwas auf die Bremse gestiegen sind. Nach den ersten 200 Höhenmetern sehen wir in der Ferne schon unser heutiges Ziel. Aber jetzt geht es erst mal in eine kleine Senke. Unten angekommen hören wir Stimmen. Wenig später beim Gegenanstieg erfahren wir, woher sie kamen. Eine Wandergruppe aus Ankara mit 12-14 Männern ist gerade auch auf dem Weg. Sie sind ganz erstaunt, dass wir sie überholen. Noch einmal geht es ins Tal. Mitten auf ner Wiese stehen Ruinen von Alakilise, einer historischen Kirche.

    Von hier geht es erst mal nur bergauf. Im flacheren Teil kommen wir noch an mehreren Stallungen mit Ziegen und Schafen vorbei. Dann wird der Weg steiler und steiler, meist auf Geröll. Die Wegfindung ist schwierig, Markierungen manchmal schlecht zu finden. Wir sehen immer mehr von der Küste, an der wir vor zwei Tagen entlang gekommen sind. Unterwegs schlüpfen wir noch an einem weiteren Wanderpaar vorbei. Wir machen oft Pause und trinken was. Irgendwann haben wir das steile Stück hinter uns gebracht. Auch die Vegetation hat sich geändert, wir gehen zwischen hohen Nadelbäumen weiter. Vor einer Felswand wechselt der Weg auf einen Fahrweg, eine willkommene Abwechslung. Der Wald ist herrlich, auf dem ganzen Boden blüht es weiß. Bevor es an den Schlussanstieg geht, fällt der Weg noch ein wenig. Auf einer herrlichen Wiese zwischen imposanten Bäumen verweilen wir und genießen.

    Der letzte Anstieg wird noch mal knackig. Auf einmal wird alles kahl und weiß. Das ganze Gestein ist sehr hell und der Bewuchs sehr dürftig, es sieht aus als hätte hier vor nicht allzu ferner Zeit eine Apokalypse stattgefunden. Wir freuen uns, als der Weg leicht fallend nur noch zwei Kilometer ins Ziel führt. Wir finden auch gleich einen Zeltplatz für die Nacht und sind bis jetzt die einzigen. Morgen geht es dann die ganzen Höhenmeter wieder hinab nach Finike. Sobald das Zelt steht, fällt Hang in Sekundenschnelle in komagleichen Schlaf, Kraft für morgen sammeln.

  • Lykischer Weg – Tag 11: Demre – Belören

    Lykischer Weg – Tag 11: Demre – Belören

    12,1 km; 790 m aufwärts; 100 m abwärts

    Heute wird ein kurzer Tag. Die nächsten drei Tage verbringen wir abseits der großen Zivilisation und wollen das auskosten. Außerdem stand heute auch ein wenig Historie auf dem Programm. Beim genialen Frühstück werden wir von einer Katze belästigt, die sich am liebsten was vom Teller geholt hätte. Direkt am großen Platz in Demre steht die historische St.-Nikolaus-Kirche. „Bekannt ist sie vor allem durch die erste Grablege des Heiligen Nikolaus von Myra. Nikolaus war ein orthodoxer Bischof im antiken Myra im 4. Jahrhundert und ist eine der populärsten religiösen Figuren im Christentum, sowohl in der Ost- als auch in der Westkirche.“ (Quelle: Wikipedia)

    Im Anschluss laufen wir Richtung Stadtrand und besuchen die Ruinen von Myra. Bekannte sind diese Ruinen für die zahlreichen in den Felsen gehauenen Gräber und das römische Theater, welches damals Platz für 10-12.000 Zuschauer bot. Nun noch schnell in den Supermarkt und einen Becher Eis und ne Cola vernichten. Jetzt sind weiter startklar.

    Wir wandern weiter stadtauswärts und folgen dem Demre Kanal, der etwas wenig Wasser führt. Wir nähern uns der Mittagszeit und müssen nun noch 700 m aufsteigen. Als wir so die Bergflanke nach oben blicken, können wir kaum glauben, dass es hier für uns nen Weg gibt. Der Aufstieg wird schweißtreibend. Je höher wie kommen, desto schöner wird die Aussicht über die Küste. Obwohl wir Durst haben, sparen wir an Wasser, da wir die drei Tage auf Quellen angewiesen sind. Doch irgendwann kommen wir oben an, fürs erste. Belören ist nur eine kleine Sammlung von Bauernhäusern. Wir gehen kurz in den Ort, super, hier gibt es Wasserhähne. Perfekt. Genüsslich trinken wir und füllen unsere Vorräte. Morgen früh kommen wir hier nochmals vorbei. Wir gehen wieder ein paar Meter zurück und suchen uns einen Lagerplatz für die Nacht. Nach etwas längerer Suche werden wir fündig. Kaum setzen wir uns, kommt Hirte Ibrahim mit seiner Ziegenherde durch. Er teilt mit uns einen Apfel und lässt uns etwas Brot da. Er hatte sich gleich bei Hang vergewissert, ob wir ein Paar sind. Tut mir leid, Ibrahim!

    Den restlichen Nachmittag genießen wir die Ruhe, morgen wird es anstrengend. Fast vergessen: nach einigen Tagen Pause haben wie heute mal wieder den Schildkröten Count auf 14 erhöht.

  • Lykischer Weg – Tag 10: Aperlae – Demre

    Lykischer Weg – Tag 10: Aperlae – Demre

    28,6 km; 760 m aufwärts; 760 m abwärts

    Heute Morgen sind wir bei einer herrlichen Stimmung in unserer Bucht aufgewacht. Allerdings hatten wir einen Bärendurst, den wir mit den spärlichen Wasserresten von gestern „stillten“. Gut, dass wir nur die Landzunge überqueren müssen, um im Boat House Wasser nachkaufen zu können. Unseren Weg kreuzen ganz kleine Frösche, die zum benachbarten Tümpel wollen. Plötzlich steht Joe wieder vor uns. Er hatte einen Teil wegen Knieproblemen übersprungen. Dann folgt die nächsten Kilometer das übliche Spiel: auf Ziegenpfaden (= steinig und zahlreiche Kürvchen) geht es Richtung Kaleücagiz. Schon von weitem haben wir eine geniale Sicht auf die Bucht. Hang fühlt sich ein wenig an Vietnam erinnert. Von dort starten die Boote zu den Kekova Ruinen.

    Deshalb liegen unzählige Boote in der Bucht. Traumhaft. Wir steuern ein geniales Restaurant am Hafen an und lassen uns kulinarisch verwöhnen. Ein anderer Wanderer kommt und erzählt, dass er schon einen Tag von einem Hund auf seiner Wanderung begleitet wird. Hang hätte diesen am liebsten auch mitgenommen. Und auch Joe kommt wieder. Hang ist begeistert von diesem schönen Örtchen. Dennoch entscheiden wir uns, noch bis Demre weiterzuwandern. Ein Stück außerhalb des Ortes zweigt ein Weg ab hinauf zum Simena Burg, die auf einem Berg über dem hellblauen Wasser thront.

    Hang spart sich den Abstecher, ich will aber zumindest kurz nach oben wandern. In den engen Gässchen tummeln sich zahlreiche Touristen. Von hier oben hat man einen herrlichen Ausblick über die Bucht. Immer wieder stehen am Wegesrand kleiner Ruinen. So wechseln sich verträumte Buchten mit Ruinen ab, sehr abwechslungsreich. So kommen wir auch an den Überresten der lykischen Siedlung Istlada vorbei, deren Felsgräber und Sarkophage sich am Hang erstrecken.

    Durch Olivenhaine nehmen wir Kurs auf den Cakil Strand. Diesen Teil müssen wir uns wieder regelrecht erarbeiten. Es geht kaum vorwärts. Aber mit seinen weißen Kieseln ist er ein absoluter Hingucker. Den letzten Ziegenpfad teilen wir uns tatsächlich mit Ziegen, die vor uns her laufen. Wir blicken zurück auf die Buchten und Berge, die wir heute schon abgewandert sind. Schließlich erreichen wir den herrlichen Cayagzi Strand. Von hier sind es nur noch 4 Kilometer in die Stadt, allerdings an einer vielbefahrenen Straße kerzengerade entlang. An dieser treffen sich sehr viele türkische Familien und grillen. Sehr schön, so ins hiesige Leben einzutauchen. Direkt an der Straße liegen die Ruinen von Andriake, der historisch bedeutende Außenhafen der Stadt Myra, deren Überreste wir uns morgen früh anschauen werden.

    Den Abend lassen wir nun gemütlich beim Champions League Spiel FCB gegen PSG ausklingen, ein Vorteil, dass es im öffentlichen türkischen TV ausgestrahlt wird. Die nächsten drei Tage erwartet uns die höchste Bergpassage. Wir sind gespannt.

  • Lykischer Weg – Tag 9: Kas – Aperlae

    Lykischer Weg – Tag 9: Kas – Aperlae

    28,7 km; 1.310 m aufwärts; 1.330 m abwärts

    Kas ist die Stadt der Katzen, es gibt nur wenige Hunde, dafür viel zu viele Katzen. Am Hafen entlang verlassen wir die Stadt. Und schon direkt am Ortsausgang ein perfekter Blick über eine Bucht mit dieser schön blauen Farbe. Wir hatten in der Wohnung keinen gescheiten Kaffee, kommen an einer Strandbar vorbei und bestellen uns einen. Und was kosten beide? 500 türkische Lira. 😳 Das sind umgerechnet 10€. Naja zu spät.

    Auf hübschen Pfaden geht es am Wasser entlang. Und schon wieder eine umwerfende Bucht. Aktuell noch komplett leer, aber schon wie Sardinen mit Liegestühlen bestuhlt. Die Farben das Wassers hammer. Um an diese Bucht zu kommen, dürfen wir mal wieder über Steine kraxeln. Unweit der Bucht stoßen wir auf zwei Herdenhunde, diese sind aber ruhig. Beim nächsten Ausblick denke ich schon an das Fotomotiv, rutsche aus und knalle mit dem Schienbein an den Felsen. Bis abends ist es ganz schön geschwollen, wird schon wieder.

    Wir kommen an den Coban Strand und nehmen ein kleines Bad. Irgendwann kommt eine Wandergruppe vorbei. Eine Bucht jagt die andere. In der Ufakdere Bucht liegt idyllisch ein Segelschiff. Und diese Farben! Als wir den höchsten Punkt nach der Bucht erreichen, sitzt ein junger Mann da und verkauft kühle Getränke. 🥰 Ein paar Minuten später huscht etwas über den Weg und verschwindet im nächsten Busch. Eine Schlange. Ich kann euch aber nicht sagen, was für eine es war. Die nächsten Kilometer geht es mir schönen Blicken immer an der Küste entlang, rechts, links, hoch, runter. Die Minuten vergehen und wir kommen kaum voran, aber bei dieser Natur stört uns das nicht.

    Irgendwann zeigt der Weg ab und steigt nun stetig. Wir kommen an zahlreichen Ziegenherden und deren Stallungen vorbei. So steigen wir auf bis zum Etappenende in Sahil Barak. Doch es ist erst vier und wir hatten uns mal wieder einen schönes Camp ausgesucht. Es geht noch ein Stück weiter hoch. Wir bauen noch einen kleinen Abstecher zur Apollonia Zitadelle ein. Dieser liegt auf einem kleinen Berg abseits des Wegs.

    Als wir danach am höchsten Punkt ankommen, müssen wir nur noch 400 m wieder hinab zum Meer absteigen. Es geht vorbei an gelb blühenden Büschen und hübschen Felsen. So langsam werden wir müde und hungrig. Doch dann kommt endlich das Ziel in Sicht. Wir erreichen unsere Bucht bei der Ruine Aperlae. Hier lassen wir den Abend gemütlich ausklingen. Leider entdecken wir am Strand auch zwei verendete Rochen.

  • Lykischer Weg – Tag 8: Gökceören – Kas

    Lykischer Weg – Tag 8: Gökceören – Kas

    29,6 km; 900 m aufwärts; 1.750 m abwärts

    Gestern Abend saß in der Pension eine internationale Mischung beim Abendessen: ein Inder, der in den Niederlanden wohnt, zwei Niederländer, zwei Russen und zwei Deutsche, eine davon mit vietnamesischen Wurzeln. Wir saßen auf der überdachten Terrasse und es hat bis spät in den Abend geregnet. Bei 5-7 Grad wurde es uns ganz schön kalt.

    Stolz über seine Pension verabschiedet uns Hüseyin bei Sonne. Die Luft ist so klar und rein, es scheint ein herrlicher Tag zu werden. Die Blicke über das Tal machen uns gute Laune. Nach 2 Kilometern fällt mir auf, dass meine Kopfhörer noch auf dem Bett in der Pension liegen. Schade, aber ok, am Abend gibt es für knapp 8€ bessere. Nach dem Tal wechseln wir auf einen Fahrweg immer noch leicht bergab, es läuft. Wir kommen an einen Brunnen und treffen Wolfgang wieder, der das Stück über Gelemis ausgelassen hat und somit vor uns war. Er hat zusammen mit zwei anderen Wanderern gezeltet, sie wurden ordentlich nass.

    Als wir am Tiefpunkt ankommen, queren wir einen kleinen Fluss. Von hier geht es gut machbar 500 m nach oben. Von oben gibt es geniale Weitblicke in die Ferne. Am Horizont hängen noch dunkle Wolken in den immer noch schneebedeckten Bergen, da werden wir wohl in einigen Tagen bei den höchsten Etappen evtl noch Schnee haben. Mal abwarten. Als wir so über die Wiesen wandern, sind wir immer wieder erstaunt über die Farben und Intensität der Blümchen.

    Es geht wieder ein Stück runter und im Gegenanstieg wieder nach oben. Auf dem Kamm befinden sich noch wenige Ruinen der früheren Stadt Phellos. Im 5. Jahrhundert v. Chr. war dies eine der bedeutendsten Städte Lykiens. Das heutige Kas und damalige Antiphellos diente damals nur als Hafen für Phellos. Von hier oben haben wir einen herrlichen Blick über die Hochebene rund um den Ort Cukurbag und schon erste Vorboten der Inseln vor der Küste von Kas. Steil geht es hinab nach Cukurbag. Hier machen wir Mittagspause im süßen Restaurant Kecibas. Die Wirte sind super nett und wir bekommen sogar hausgemachte Limo geschenkt. Auf Schafweiden durchschreiten wir die Hochebene bis an die Steilkante oberhalb von Kas. Der Blick von hier oben über die Stadt und die zahlreichen umliegenden Inseln ist traumhaft. Eine der bisher genialsten Motive, was meint ihr?

    Jetzt geht es in Kurven die letzten 500 m nach unten. Wir haben uns sehr auf die Stadt gefreut. Beim abendlichen Rundgang faszinieren uns die kleinen Gässchen mit ihren bunten Balkonen in der Altstadt. Wir kehren lecker Türkisch ein. Leider schaffen wir es erst nach Sonnenuntergang ins antike Amphitheater. Auch nachts ist dies ein sehr schöner Ort, aber bei Sonnenuntergang soll der Ausblick genial sein. Kleiner Funfact zum Abschied: die direkt Kas vorgelagerte Insel Meis gehört nicht mehr zur Türkei, sondern zu Griechenland.

  • Lykischer Weg – Tag 7: Saribelen – Gökceören

    Lykischer Weg – Tag 7: Saribelen – Gökceören

    13,1 km; 630 m aufwärts; 530 m abwärts

    Heute wird nur ein kurzer Tag werden. Die Landschaft ist herrlich und bietet so viele geniale Übernachtungsplätze, allerdings sind für den Nachmittag Unwetter angekündigt, deswegen planen wir, in der einzigen Pension zu übernachten. Gestern Abend konnten wir unsere Klamotten in der Pension noch in die Waschmaschine werfen. Beim genialen Abendessen haben wir noch Rohan, einen indischen Wanderer kennen gelernt.

    Da uns nur ein kurzer Tag erwartet, starten wir recht spät. Obwohl wir auf Regen vorbereitet waren, haben wir den Regenschutz nie gebraucht. 🙏 Gleich am Anfang zieht der Weg an und es geht ein gutes Stock nach oben. Irgendwann tauchen wir mal wieder in eine neue Landschaft ein. Überall stechen große weiße Felsen aus der Landschaft hervor. Ein wunderbares Stück Natur. In leichtem Auf und Ab geht es unter diesen Felsen entlang.

    Irgendwann kommen wie auf einen Fahrweg und haben einen schönen Blick zurück ins Tal von Saribelen. Der Weg bringt uns an der Bergflanke zurück an die Küste und steigt immer weiter an, wir kratzen an der 1.000 m Linie. Mehrmals ergibt sich ein traumhafter Blick hinunter auf die Küste vor Kalkan und zu unseren Übernachtungsplatz vor 2 Tagen. Wir steigen wieder ein paar Meter an und kommen wieder auf saftige, blühende Wiesen. Unterhalb eines schönen Felsens wohnt Hüseyin mit seinen Ziegen. Er wurde schon im Wanderführer angekündigt. Die Ziegen sind im Stall, daher sind die vier Hunde ganz entspannt. Seine Frau Seyme lädt uns auf einen Tee ein. Auf den Tischen liegen Alben mit vielen Fotos der Wanderer, die schon bei ihnen übernachtet haben. Für uns ist es noch etwas früh. Wir lassen einen kleinen Obolus da und gehen weiter.

    Es ist unglaublich, wie weiß und gelb die Wiesen hier sind, alle paar Meter würden wir gerne unser Zelt aufschlagen. Von weitem sehen wir eine Ziehenherde. Zu unserer Erleichterung ist nur ein Hirte, aber kein Hund dabei. Ein paar Minuten darauf, sehen wir schon die ersten Häuser unseres Zielortes. Immer wieder taucht die Sonne auf und wir können gar nicht glauben, dass es noch ein Unwetter geben soll. Als wir ins Dorf absteigen, versperrt plötzlich ein Pferd den Weg. Es wurde zum Grasen hier angebunden und steht wohl am liebsten auf dem Pfad. Aber besser als auf dem Flur. 😜 (für alle, die das Lied noch kennen)

    Kurz darauf kommen wir an der Unterkunft an. Und tatsächlich, später gibt es Hagel und Starkregen. Also alles richtig gemacht.

  • Lykischer Weg – Tag 6: irgendwo am Meer – Saribelen

    Lykischer Weg – Tag 6: irgendwo am Meer – Saribelen

    25,9 km; 1.530 m aufwärts; 790 m abwärts

    Heute Nacht hat es angefangen zu regnen, also schnell raus und die draußen liegenden Klamotten in Sicherheit gebracht. Allerdings hat es nur drei Tropfen gegeben. Das Frühstück war genial, wir hatten uns fürs Müsli extra Milch gekauft, lecker. Es ging mit geilen Aussichten weiter die Küste entlang. In der Ferne können wir schon Kalkan erblicken.

    Doch es sollte noch ne Weile dauern, bis wir die Stadt erreichen. Ein Highlight ist definitiv der Firnaz Strand. Stellt euch eine Bucht vor, darin ankert ein Segelboot und am Ufer entlang ist das Wasser hellblau. Im Hintergrund sieht man die kleinen Inseln. Habt ihr‘s im Kopf? Dann gleicht es mit meinem Bild ab. Wir umrunden diese Bucht auf anspruchsvollen Pfaden durch die Macchia. Auch Schildkröte #12 sehen wir. Wir kommen noch mal am Aquädukt von gestern vorbei.

    Danach wird es richtig spannend. Der Abstieg wird steil und führt über Felsen kerzengerade oberhalb der Küste nach unten. Nicht mehr ganz wandern, aber so kleine Kraxeleien sind unser Ding. So geht es weiter die Küste entlang, bis wir am Stadtrand von Kalkan das Villenviertel erreichen. Dort wartet der letzte Anstieg eine megasteile Straße hoch. Als wir so durch die Stadt laufen, gehen wir in ein sympathisch aussehendes Restaurant: Pide und Adana Dürüm waren der Hammer. Zum Abschied schenkt uns der Chef noch zwei Flaschen Wasser. 🥰

    Im Supermarkt decken wir uns wieder mit Müsli und Instant Nudeln ein (ok, zusätzlich auch noch unnötige Kalorien in Form von Süßigkeiten). Wir haben entschieden, dass wir auch noch Etappe 8 gehen, um 12 wollen wir noch nicht aufhören. Leider fängt es ziemlich bald an zu tröpfeln. Später wechselt es dann auch noch in stärkeren Regen. Von Meereshöhe steigen wir bis auf 800 m am Stück. Aber der Weg ist gut zu gehen und wir kommen gut voran. Nur der Regen kühlt uns ein wenig aus. Oben angekommen, steigen wir ins idyllische Dorf Bezirgan ab. Hier herrscht noch traditionelles Landleben, sehr schön. Nun müssen wir final noch 150 Meter über einen Hügel, um nach Saribelen zu gelangen. Dort gönnen wir uns in der Mozaik Pension nach drei Tagen mal wieder ne warme Dusche. Wie geil sich das anfühlt.

  • Lykischer Weg – Tag 5: Akbel – irgendwo am Meer

    Lykischer Weg – Tag 5: Akbel – irgendwo am Meer

    28 km; 870 m aufwärts; 1.160 m abwärts

    Wir legen uns gestern Abend schlafen, plötzlich höre ich Steine rutschen und neben dem Zelt schnüffelt es im Wechsel mit Knurren. Schon vorher habe ich ein Rudel Hunde über den Berg laufen sehen. Hab das einfach nur „die machen nix“ und schläft ein. Ihre Ruhe hätte ich mal gerne.

    Wir erleben den nächsten Morgen! Nach dem Müsli laufen wir die restlichen 2 Kilometer nach Akbel und gönnen uns noch ein kleines Frühstück. Dann nehmen weiter die Etappe nach Gelemis in Angriff. Noch in Akbel begegnet uns ein aggressiver Köter. Fängt ja gut an. Außerhalb der Stadt geht der Weg in schöne Macchia über. Von hier oben haben wir Fernblicke über die gesamte Ebene bis zurück in das Gebirge, wo wir vor zwei Tagen abgestiegen sind.

    Wir erreichen das riesige Delikkemer Aquädukt. Hier gibt es wieder den ersten genialen Blick auf die Küste und ziemlich viele Camp Spots, leider zu früh. Nach einem herrlichen Gebiet voller Olivenbäume entdecken wir unseren ersten Skorpion, leider tot. Aber immerhin. Wenig später höre ich eine Schafherde. Als ich die ersten Schafe sehe, sage ich Hang, dass wir stehen bleiben, bis die Herde komplett weg ist. Da springt aber schon der Herdenschutzhund vor uns und fletscht die Zähne. Aber der Hirte kommt bald und nimmt ihn zu sich.

    Der restliche Weg nach Gelemis verläuft weiter durch Macchia. Hier endet die offizielle 6. Etappe. Es ist aber erst 13 Uhr. Zuvor habe ich an einen Strand einen schönen Camp Spot gesehen. Also essen wie üppig zu Mittag, kaufen uns noch nen Ring Sucuk für abends und marschieren weiter. Ein kleines Stück später passieren wir eine Zahlstation. Der Grund: die Ruinen von Patara und der gleichnamige Strand. Aktuellen Eintritt: 15€ pro Person. Das ist ein Wort.

    Patara war eine der wichtigsten Städte und der bedeutendste Hafen Lykiens. Von den drei Ruinenstädten bisher ist sie die größte und uns hat sie auch am besten gefallen. Kurz vor dem langen Sandstrand geht es für uns immer höher. Wir können von oben den kompletten Strand einsehen bis zu den Pydnai Ruinen und haben auch einen guten Blick auf Patara. Aber sobald wir den Pass überschreiten sehen wir das geile Meer auf der anderen Seite, da bleibt einem die Spucke weg. Vor der Küste liegen zwei kleine Inseln und ich weiß, dass wie genau gegenüber einer dieser Inseln schlafen werden. Aber dafür müssen wir noch einmal hinab zur Küste und dann über einen weiteren Berg.

    An unserem Camp Spot angekommen, sehe ich schon ein Auto stehen. Alles wir ankommen, lernen wir Serkan kennen, der hier mit seiner russischen Freundin eine romantische Nacht verbringen will. Per Übersetzer weist er uns darauf hin, dass sie lieber ungestört wären und zeigt uns näher am Strand einen schönen Spot zum Schlafen. Hang springt noch ne Runde ins Meer, während ich das Zelt aufbaue. Beim Abendessen entsteht sogar noch ein Regenbogen, kann es schöner sein?

  • Lykischer Weg – Tag 4: Kumluova – Akbel

    Lykischer Weg – Tag 4: Kumluova – Akbel

    25,2 km; 1.070 m aufwärts; 740 m abwärts

    Wir waren die einzigen Gäste im Hotel, der Laden brummt. Nach dem leckeren Frühstück sind wir noch kurz beim Bäcker vorbei, Gebäck für zwischendurch holen.

    Der heutige Treff fing genauso an, wie der gestrige aufgehört hat: Kilometer auf Asphalt durch Gewächshaus-Siedlungen und zahlreiche Hunde. Wir kommen an einem privaten Haus vorbei, vor dem eine rote Maulbeere wächst. Hang liebt sie und will sie pflücken. Der Bewohner sieht das und ermuntert sie dazu. Gleichzeitig gibt er uns noch Früchte von einem anderen Baum. So lieb.

    Wir überschreiten den Fluss Esen Cayi und kommen nach Kinik. Oberhalb liegen die Ruinen von Xanthos, die zusammen mit den Letoon Ruinen ein Unesco Weltkulturerbe bilden. Uns persönlich haben die Ruinen gestern aber besser gefallen. Aber wir erhöhen den Schildkröten Count auf 11. Leider geht es auf Straßen weiter bis nach Cavdir. Außerhalb der Stadt am Friedhof machen wir Mittagspause. Ab da wird der Weg genial.

    Meist wandern wir durch Macchia. Immer wieder haben wir freie Blicke auf die Ebene mit den abertausenden Gewächshäusern. Zuerst folgen wir lange Zeit einem römischen Aquädukt. In einem Olivenhain treffen wir einen alten Herrn. Er fragt, ob wir Deutsche sind und gibt uns beiden dann die Hand. Aus dem Aquädukt wird ein kanalisierter Bewässerungskanal. Wunderschön. Weiter oben ist er über den Kanal getreten und das Weiterkommen wird abenteuerlich. Dort lernen wir Wolfgang aus München kennen, der auch den Weg läuft. Wir trennen uns aber gleich wieder.

    Nach Üzümlü geht der Weg noch zwei Mal steil bergauf. In der Ferne können wir schon das Ziel sehen. Doch davor fällt der Weg noch einmal in ein Flusstal. Als wir unten ankommen, ist dieser so hoch, dass wir trockenen Fußes nicht auf die andere Seite kommen, also Schuhe und Socken aus und durch. Mittlerweile haben wir uns entschieden, heute wild zu zelten. Passend dazu liegt am Ende des Anstiegs ein schöner Spot. Perfekte Aussicht garantiert. Wir sind zufrieden, schlagen das Zelt auf und gehen dann noch mal zurück zum Fluss zum Waschen und Wasser filtern. Die Instant Nudeln schmecken zur Abwechslung mal richtig gut!

  • Lykischer Weg – Tag 3: Bel – Kumluova

    Lykischer Weg – Tag 3: Bel – Kumluova

    25,5 km; 780 m aufwärts; 1.390 m abwärts

    Ich glaube, ich bin ein Kamel. Jetzt habe ich heute sicherlich 5 Liter Wasser getrunken und musste nicht einmal aufs Klo. Kommt alles wieder aus den Poren raus. Unseren Schildkröten-Count haben wir inzwischen auf 6 erhöht. Die Viecher laufen dir hier einfach so über den Weg.

    Am Morgen verlassen wir unser Zieglein, im Laufe des Tages haben wir uns auf den Namen Willy geeinigt. Leider müssen wir feststellen, dass hier in der Türkei kaum vor 8 Frühstück gebracht wird. So kommen wir immer relativ spät los. Die Beschreibung des Tages las sich so einfach, es geht ja fast nur runter. Na dann. Es kommt mal wieder anders als gedacht bzw. erhofft.

    Gleich zu Beginn geht es auf neuer Wegführung erstmal hinauf bis wir den Abgrund zur Küste erreichen. Ich gebe zu, der Anblick ist schon sehr stark. Aber der Pfad ist schwierig zu gehen, man muss auf jeden Schritt aufpassen. Sobald der Abstieg beginnt können wir einen Blick ins Tal erhaschen und sehen schon unser Ziel für heute. Der anschließende Wald ist mega hübsch, hier begegnet uns Schildkröte #2. Gleich danach beginnt auch der lange Abstieg bis kurz oberhalb der Küste. In ewigen Kehren über Stock und Stein geht es abwärts. Minute um Minute verstreicht, ohne dass die Kilometer weniger werden. Doch irgendwann kommen wir dann doch unten an.

    Noch ein letztes Mal müssen wir 200 Höhenmeter überwinden. Inzwischen brennt der Planet runter und wir steigen in der prallen Sonne auf. Das Wasser ist mittlerweile in meinen Körper geflossen. Da kommt die Quelle genau richtig. Also filtere ich gleich mal 4 Liter, das Wasser schmeckt nicht ganz so geil, aber ich vertraue auf meinen Filter. Beim folgenden Abstieg eröffnet sich der Blick über die Ebene Richtung Kumluova und den ewig langen Strand von Patara. Nach Kumluova reiht sich ein Gewächshaus ans andere, hier wachsen Millionen Tomaten.

    Und noch was fällt in unser Blickfeld: die Ruinen von Pydnai, die Überreste einer gut erhaltenen hellenistischen Festung. Die Anlage diente ursprünglich dem Schutz eines Hafens vor Piraten und sicherte die Straße von der Küste nach Xanthos ab. Unser Weg führt direkt durch das Gelände. Allerdings muss man dazu durch einen flachen Durchgang, durch den ich mit Rucksack fast krabbeln muss.

    Um zum Strand zu kommen, muss man über eine Brücke, deren Löcher mit einfachen darauf gelegten Bretter abgedeckt sind. In Deutschland wäre so eine Brücke zehn Jahre gesperrt, aber die Reparatur nie fertig gestellt werden. Wir verspüren ein kleines Hüngerlein und würden gerne was essen. Doch das Restaurant ist leider nicht mehr existent. Gut, dass kurz vor der Brücke ein Schild an einem Haus stand. Wir gehen zurück und werden von Selvan mit ihren Eltern empfangen. Ein super leckeres Essen mit einer herzlichen Begegnung.

    Der Rest des Wegs verläuft wenig spektakulär. Der Wanderführer hatte sogar empfohlen, die 10 km mit dem Bus zu überspringen. Aber nix da. Zuerst führt der Weg entlang des Sumpfgebiets. Hier können wir zahlreiche Vögel beobachten und die weiteren Schildkröten #3-6. Teilweise ist der Weg hier aber auch überschwemmt, da müssen wir aufpassen, damit wir keine nassen Füße bekommen. Die restlichen Kilometer verlaufen auf Straße entlang der Gewächshäuser. Wenig spannend. Allerdings sorgen bei mir die teilweise freilaufenden Hunde für Adrenalin. Laut bellend kommen sie auf uns zu. Hang ist meist entspannt, ich bekomme schon fast ein feuchtes Höschen.

    Zum Schluss erreichen wir die Ruinen von Letoon, das zentrale religiöse Heiligtum des Lykischen Bundes. Das Heiligtum war der Göttin Leto sowie ihren Kindern Artemis und Apollon gewidmet. Gut erhalten sind heute noch Teile der drei Tempel und ein hellenistisches Theater. Nach dem Besuch der Anlage wandern wir zum einzigen Hotel im ganzen Ort. Im aktuellen Wanderführer wurde es noch mit 54€ angepriesen. Mittlerweile zahlt man aber schon 75€. Weiterlaufen wollten wir aber auch nicht mehr.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner