Autor: Jan von JR on Tour

  • Lykischer Weg – Tag 22: Geyikbayiri – Antalya

    Lykischer Weg – Tag 22: Geyikbayiri – Antalya

    23,5 km; 960 m aufwärts; 1.420 m abwärts

    Heute schreiben wir das erste Kapitel dieser Türkei-Reise zu Ende. Vom Bungalow laufen wie auf der Straße wieder zurück zum Trail. Endlich sehen wir die hübsche Landschaft, in die Geyikbayiri eingebettet ist. Überall erheben sich hübsche Felsriegel. Kein Wunder, dass dies hier ein Paradies für Kletterer ist. Sobald wir auf dem Trail sind, geht es entlang dieser Felsen nach oben. Der Weg ist relativ schwer zu finden, teils ist er schon richtig zugewachsen. Oben angekommen können wir in der Ferne schon Antalya und das Meer sehen.

    Der Weg zieht durch herrliche Landschaft, immer wieder kommen wir an schönen Felsen vorbei. Wir selbst laufen auf einem Felsplateau, das auf der einen Seite steil in einen Canyon abfällt. Von hier oben haben wie schon einen Blick zum Stausee, an dem wie in wenigen Kilometern vorbei laufen werden. Doch auch hier ist der Weg schlecht zu finden. Einmal falsch abgebogen, schon umqueren wir die Felsen auf der falschen Seite und müssen uns wieder den Weg zurück erkämpfen.

    Der Abstieg führt erst durch herrlichen Wald. Aber plötzlich stehen wir vor einer Fläche, die vor kurzem wohl erst gerodet wurde. Hier kommen wir nur mühsam voran. Überall liegen Äste oder Steine. Als wir dann mal gut voran kommen und denken, jetzt wird es einfacher, stehen wir kurz vor Doyran vor einem breiten Fluss. Wir entscheiden uns wieder für zwei Strategien: Hang barfuß und ich mit Schuhen durchs Wasser. Als wir uns der Stadt nähern, fällt uns ein großes Expefitionsmobil auf… mit Heidelberger Kennzeichen.

    Wir weichen kurz vom Trail ab und stärken uns am kleinen Einkaufsmarkt für den letzten Aufstieg. Dieser führt uns zwischen zwei Bergflanken entlang durch herrlichen Kiefernwald. Irgendwann ist auch dieser Anstieg zu Ende. Jetzt wird es leicht, denken wir. Getäuscht! Der Anfang führt angenehm hinab, doch plötzlich wies der Trail steil und führt senkrecht den Berg hinab von Stein zu Stein. Da ist Konzentration gefragt. Unten angekommen sehen wir die letzte Schildkröte, Nummer 21. Auf meinem GPS wird in der Entfernung angezeigt: „caution: read info Likya Yolu 14.03“. Keine Ahnung, vor was hier gewarnt wird. Als wir den Teil erreichen, ahnen wir, was der Grund gewesen sein könnte. Der Weg ist nicht markiert und es geht auf scharfkantigen Felsen und durch stacheliges Gebüsch weiter. Wenn hier einer fällt, ist der Spaß vorbei. Aber wir kommen unbeschadet durch. Auf dem Fahrweg angekommen warten Gräser auf uns, deren Grannen auch teilweise schmerzhaft durch die Schuhe in die Füße bohren. Man könnte meinen, der Trail will uns den Abschied leicht machen.

    Plötzlich stehen wir vor dem idyllischen Kapuz Canyon. Einheimische springen von oben ins Wasser und gerade paddelt jemand auf an SUP auf uns zu. Wir schauen auf die Uhr und sehen, dass der Bus um vier knapp werden könnte. Also ziehen wir die Siebenmeilenstiefel an und geben Gas. Aber was soll nicht zu einfach werden. Ein weiterer Fluss muss durchquert werden und der Originaltrail ist durch einen Zaun versperrt. Also gehen wir auf dem Fahrweg weiter. Pünktlich kommen wir an die Bushaltestelle. Aber der Bus kommt nicht. Wir rufen ein Taxi. Und was kommt gleichzeitig: der Bus und das Taxi. 😜 Zurück in Antalya lassen wir das erste Kapitel ausklingen. Wir kommen zur perfekten Zeit, morgen ist hier Feiertag zur Befreiung der Türkei durch Atatürk. Morgen Abend starten wir dann zu Kapitel 2 nach Kappadokien.

  • Lykischer Weg – Tag 21: Hisarcandir – Geyikbayiri

    Lykischer Weg – Tag 21: Hisarcandir – Geyikbayiri

    26,4 km; 1.390 m aufwärts; 1.980 m abwärts

    In der Nacht hatte es zwei mal leicht geregnet. Aber heute Morgen hat man davon nichts mehr gesehen. Allerdings hielten sich die Wolken noch in den umliegenden Bergen. Wir steigen von unserem idyllischen Örtchen ab nach Hisarcandir. Dort mussten wir dann mehrmals den Weg suchen, der kaum auffindbar war, sehr ärgerlich. Das verstärkt den Eindruck, dass dieser Abschnitt nur selten begangen wird. Aber die Bergkulisse ist mit ihren Felsen echt beeindruckend. Unser Abstieg geht weiter und weiter. Vorbei an der historischen Burg kommen wir hinunter zum Stauwerk des Flusses Candir.

    Da nur hinab auch langweilig wäre, beginnt hier der erste von zwei Aufstiegen heute. Und es geht gleich ordentlich nach oben. Sie müden Beine von gestern machen sich bemerkbar. Auch ne Flussüberquerung wartet gleich wieder, es besteht keine Möglichkeit, über Steine zu gehen. Wir beide entscheiden uns für verschiedene Strategien. Ich marschiere einfach durch, das habe ich ja in Neuseeland gelernt. Hang behält lieber trockene Schuhe. Es geht immer weiter aufwärts. Je höher wir kommen, desto mehr sehen wir von diesem herrlichen Tal. Aber es ziehen auch mehr Wolken auf, es könnte später noch regnen.

    Und tatsächlich zieht es bald komplett zu. Erst an den Ruinen von Tipella haben wir den vorläufig höchsten Punkt erreicht. Durch marsähnliche Landschaft wandern wir ins nächste Tal hinab. Nach einer kleinen Pause an einem Bach machen wir uns an den zweiten Aufstieg. So langsam reicht es uns mit den Höhenmetern. Doch die Steigung ist weniger steil als gestern, wir kommen gut voran. Als wir den Karabel-Pass endlich erreichen, befinden wir uns komplett in den Wolken. Die Bäume und die Wolken erzeugen im Zusammenspiel eine mystische Stimmung.

    Für uns heißt es jetzt nur noch Abstieg. Auf ungefähr der Hälfte kommen wir noch an den Ruinen von Trebenna vorbei. Leider bestehen zahlreiche Trails aus rutschigen einteiligen Steinen. Diese werden Hang zwei Mal zum Verhängnis: die Beine rutschen weg und sie landet auf dem Pops oder auf der Seite. Aber alles halb so schlimm. Kurz vor dem Ende beginnt es tatsächlich leicht zu tröpfeln. Am Fluss sitzen wieder türkische Familien und grillen. Wir hatten uns folgenden Plan zurecht gelegt: es gibt zahlreiche Campingplätze mit Restaurants. Gehen wir also dort was essen. Wir steuern den Platz unserer Wahl an: Geschlossen. Also zurück zu dem anderen. Es gibt kein Essen, Bungalows sind ausgebucht. Zelten haben wir jetzt auch keine Lust mehr. Da kommt eine hilfsbereite Türkin, die auch Englisch kann. Sie ruft für uns bei zwei Plätzen an. Der eine hat noch einen Bungalow. Ihr Mann holt sie gleich ab, sie nehmen uns gerne mit. Gesagt, getan. Sie lassen uns an der Straße raus, wir laufen zum Platz: leider vermieten sie nur ab mindestens zwei Nächten. Mist. Aber auch er ruft bei einem anderen Platz an. Bungalow für EINE Nacht und er hat ein Restaurant. Allerdings müssen wir da noch nen Kilometer marschieren. Aber jetzt mit vollem Magen ist alles wieder halb so schlimm. Sowas gehört zum Reisen einfach dazu.

  • Lykischer Weg – Tag 20: Göynük – Hisarcandir

    Lykischer Weg – Tag 20: Göynük – Hisarcandir

    24,9 km; 1.750 m aufwärts; 790 m abwärts

    Was für eine entspannte Nacht. Allerdings ging einer der üblichen Wecker um 5:40, der Hahn in der Nachbarschaft. Nach dem Frühstück geht es noch kurz zum Bäcker und dann wieder zurück Richtung Canyon. Noch im Ort begegnen wir einem Igel. Die restlichen 4 Kilometer zum Canyon kennen wir ja schon von gestern und diese sind auch nicht wirklich spannend. Allerdings genießen wir die Ruhe im Vergleich zu gestern.

    Doch dann trennt sich der Weg und wir biegen ab in den Aufstieg zwischen den Bergen. Die nächsten Stunden laufen wir Meter um Meter nach oben. Viel sehen tun wir hierbei nicht. Zuerst bewegen wir uns an einem hübschen Bach entlang, doch diesen lassen wir bald hinter uns und marschieren durch hübschesten Nadelwald. Der Weg lässt sich gut gehen, es geht meist nicht zu steil aufwärts. Die Nadeln unter den Füßen federn unsere Schritte. Es riecht nach frischen Kiefern. Wir begegnen niemandem. Keine Ahnung, ob diese Etappe einfach wenig begangen wird. Am Rande können wir die Bergflanken erahnen. Nach den ersten 1.000 Höhenmetern flacht der Weg erst mal ab.

    Plötzlich steht ein fressendes Pferd vor uns. Es lässt sich nicht wirklich stören, macht kurz Platz und frisst einfach weiter. Dann ändert sich das Panorama, an den Berggipfeln vorbei können wir Antalya sehen. In zwei Tagen werden wir dort sein. Auch der Weg ändert sich. Die letzten 400 Höhenmeter zum Hidacik Pass gehen sehr steil nach oben. Je höher wir kommen, desto mehr sehen wir von Antalyas Küste und desto beeindruckender werden die Berge. Doch wir spüren die Beine vom langen Anstieg. Unsere Oberschenkel brennen bei jedem Schritt. Jetzt ist Willenskraft gefragt. Irgendwann erreichen wir den Pass. Das Panorama ist traumhaft und wir sind stolz, hier oben zu stehen.

    Es geht noch etwas weiter hinauf bis zu einer kleinen Siedlung. Ein alter Mann sitzt vor seinem Haus, welches auf meiner Karte mit Yusufs Café markiert war. Hang hat Hunger und wir schauen vorbei. Auf Türkisch begrüßt er uns, deutet an, dass wir uns setzen sollen. Ich verstehe, Ekmek (= Brot) und Cai (= Tee). Nach kurzer Zeit bringt er eine große Platte mit Orangen, Bohnensuppe, Salat und Brot. Wir freuen uns. Wir besprechen, dass wir zum Dank 1.000 Lira geben wollen. Aber Yusuf schreibt seine Rechnung auf: 1.800 Lira, fast 40€. 😳

    Gut gestärkt machen wir uns noch ein wenig auf den Weg. Jetzt geht es leicht abwärts Richtung Hisarcandir. Immer wieder erhasche ich Blicke auf die umwerfende Bergwelt um diesen Ort herum. Nach einem guten Stück kommen wir an einen schönen Bach und erblicken einen kleinen Pool. Eh ich mich versah, war Hang zur Abkühlung in diesem kleinen Becken. So motiviert geht es weiter. In ungefähr 5 km wollen wir unser Zelt aufschlagen. Der kleine Bach gräbt sich immer tiefer in eine Schlucht. In diese Schlucht steigen wir auch hinab. Und was sehen wir einen noch schöneren Pool mit hellblauem Wasser. Und der Bach plätschert so schön vor sich hin. Da können wir nicht anders und schlagen an dieser Stelle unser Zelt auf. Ratet mal, wo wir uns heute gewaschen haben!

  • Lykischer Weg – Tag 19: Göynük Yaylasi – Göynük

    Lykischer Weg – Tag 19: Göynük Yaylasi – Göynük

    18,7 km; 690 m aufwärts; 1.510 m abwärts

    Heute kam es etwas anders als geplant, aber wie sagt man: the trail provides. Er bietet einen genau das, was man gerade braucht. Aber der Reihe nach. Auf das Frühstück in der Unterkunft haben wir ja verzichtet, unser Plan war, im 1,5 km entfernten Campingplatz was zu essen. Nach einem kurzen Abstieg stand die erste Flussüberquerung an. Unser Hunger ließ uns zügig voran schreiten. Im Campingplatz angekommen, sagte uns der Besitzer, es gäbe nur Gözleme, türkische Pfannkuchen. Ok, gut, ich mag die. Als ich frage nach dem Essen frage, was es kostet, grübelt er kurz und tippt den Betrag in sein Handy. 1.000 Lira, umgerechnet 19 €. In so abgelegenen Dörfern nutzen sie schamlos aus, dass es keine Alternativen gibt.

    Schon von hier oben deutet sich der Göynük Canyon tief in die Berge einschneidend an. Auf schmalen Pfaden geht es 400 m tief in die Schlucht hinab. Auf beiden Seiten erheben sich schroffe Felswände. Der Fluss umfließt mal große, mal kleine Felsen. Wir springen von einem zum anderen. Bei größeren Lücken zwischen den Felsen helfen aus Ästen gezimmerte Brücken über die Wasserpools hinweg. In manchen dieser kleinen Becken schwimmen Fische. Wir fühlen uns hier so klein und wollen eigentlich gar nicht weiter.

    Doch leider ist ein größerer Felsbrocken, auch Berg genannt, im Weg. Auf 2,5 km müssen wir ca. 500 m nach oben steigen. Immer wieder haben wir schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge. Oben angekommen, wissen wir, dass wir fast die komplette Höhe in den Canyon wieder hinab müssen. Auf halber Höhe spricht uns ein Ukrainer an. Er kann kein Englisch, aber wir verstehen ungefähr, dass sie gestern in diesem Unwetter sehr nass wurden, dann seitdem hier zelten, um ihr Zeug zu trocknen. Ob wir Wasser für sie hätten. Ich gebe ihm unsere 1,5 Liter.

    Wieder unten am Grund des Canyons angekommen, beginnt der touristische Teil. Hier kann man Zip Line fahren etc. Das Wasser ist aber dennoch sehr schön. Und zwischendrin laufen Pfauen. Eigentlich wollten wir den Weg direkt hier fortsetzen, bis zum nächsten Sattel sind es 1.500 Höhenmeter Aufstieg. Allerdings haben wir keine Vorräte mehr und die nächsten 2 Tage gibt es nur Wasser. Deshalb wollten wir an einer 2 km entfernten Pension mit Markt einkaufen und wieder zurück kommen. Doch diese Pension gibt es nicht mehr. Heißt für uns, doch noch 2 km weiter in die Stadt Göynük zu laufen. Und damit entscheiden wir auch, heute einen eher kurzen Tag zu machen. Morgen sind es dann nur noch drei Tage bis nach Antalya. Dem Ende blicken wir mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge entgegen.

  • Lykischer Weg – Tag 18: Tahtali Pass – Göynük Yaylasi

    Lykischer Weg – Tag 18: Tahtali Pass – Göynük Yaylasi

    24,7 km; 860 m aufwärts; 1.760 m abwärts

    Kurz nach unserem Lager kommen wir am Abzweig zum Gipfel des Tahtali Dagi vorbei. Aber wir entscheiden uns gegen eine Besteigung. Die Bergpanoramen sind auch hier unten schon genial und wir meinen zu sehen, dass auf der gegenüberliegenden Seite des Berges sehr viele Wolken hängen. Der Abstieg vom Pass verläuft durch atemberaubende Landschaft. Man wähnt sich in anderen Regionen der Welt. Und tatsächlich: sobald wir auf die andere Seite des Berges gelangen, sehen wir eine geschlossene Wolkendecke, die Wolken wabern durch die Bäume. Wir haben uns also richtig entschieden.

    Überall plätschern kleine Bächlein, viel mehr als wir erwartet hätten. An einem der Bäche füllen wir unser Wasser, bevor wir unseren Abstieg fortsetzen. Zurückblickend bieten sich schöne Wolkenspiele. Der Abstieg zieht sich, ganze 1.000 Meter müssen wir hinab. Wir werden meistens vom Plätschern eines Baches begleitet. Dort begegnet uns auch Schildkröte 19. Wir erreichen die ersten Häuser von Yaylakuzdere. Mit einem sich zeigenden Hungergefühl steuern wir das uns bekannte Restaurant an und sehen das Schild: Closed. Mist! Voller Hoffnung begeben wir uns zum Camping Platz und bekommen dort erfreulicherweise ein leckeres Mittagessen.

    Wir starten die nächste offizielle Etappe, die wir heute auch noch gerne beenden würden. Meistens über Forstwege wandern wir nach Gedelme. Der Wald hier oben sieht nicht ganz so gesund aus, größere Flächen sind kahl. In Gedelme kommen wir an einer alten Burgruine vorbei und sind begeistert von riesigen Platanen. Eine davon ist mehr als 2.000 Jahre alt. Im kleinen Markt gönnen wir uns eine Cola und Orangen. Kaum gehen wir weiter hören wir Gewittergrollen. Gerade rechtzeitig entscheiden wir uns zur Umkehr, um uns im Markt unterzustellen. Da kommen wir an einem Haus im Bau vorbei. Der Bauarbeiter Lütfe bittet uns zum Unterstellen in die unterste Etage. Kaum sind wir da, schüttet es für 30 Minuten richtig heftig.

    Nach dem Regen dampft die ganze Natur, wir laufen gefühlt in einem Dampfbad. Dazu passend geht es nach dem Ort gleich wieder nach oben. Als ob dies nicht genug ist, streifen wir von allen Büschen das Wasser ab. Oben angekommen bin ich patschnass. Mittlerweile laufen wir wieder in den Wolken. Doch bevor wir Göynük Yaylasi erreichen, kommt wieder die Sonne raus. Im Wald sind teilweise zahlreiche Wände abgerutscht, da wurde viel mit Maschinen gearbeitet. Sobald wir aus dem Wald treten, haben wir herrliche Panoramen. Das letzte Stück vor dem Zielort wandern wir durch eine schöne Felsenlandschaft. Nach 2 Nächten im Zelt, übernachten wir in der einzigen Herberge im Ort. Da aber das Essen in den Rezensionen zerrissen wurde, nehmen wir nur die Übernachtung und weichen auf Instant Nudeln aus.

  • Lykischer Weg – Tag 17: Cirali Chimaera – Tahtali Pass

    Lykischer Weg – Tag 17: Cirali Chimaera – Tahtali Pass

    19,93 km; 1.874 m aufwärts; 457 m abwärts

    Gestern Abend saßen wir noch in illustrer Runde an den ewigen Flammen und unterhielten uns über den Sinn des Reisens. Vera und Thomas verbringen seit letztem Sommer ein Sabbatical und hatten so einiges zu erzählen. Am Morgen verabschieden wir uns, aber wir werden uns sicherlich nach unserer Rückkehr nochmals treffen.

    Gleich zu Beginn steigen wir fleißig ab. Von Josephine haben wir erfahren, dass wir einen Fluss queren müssen. Von Ufer zu Ufer ist ein Seil gespannt, das uns ein wenig Halt gibt. Nach 2 km kommen wir nach Ulupinar und frühstücken erst mal lecker. Ulupinar ist für seine Forellenrestaurants bekannt. So schwimmen unter unseren Tischen die Forellen, die bald von Gästen verspeist werden. Schon von hier sehen wir unser wahrscheinliches Ziel des Tages, den Pass unterhalb des Tahtali Dagi. Der Berg ist eine richtige Schönheit.

    Von Ulupinar nach Beycik passiert nicht viel, wir haben immer den Gipfel im Blick. Je höher wir kommen, desto beeindruckender wird der Blick zurück ins Tal. Inzwischen haben wir unsere 18. Schildkröte gesehen. In Beycik angekommen, steuern wir den kleinen Shop ab und erfrischen uns an ner süßen Limo. Nach den 800 Höhenmetern bis hier, warten nochmal 1.000 auf uns, aber das wollen wir packen. Erstes Etappenziel ist das letzte Café vor dem finalen Aufstieg. Dort kehren wir noch mal richtig ein, damit wir was Gescheites im Magen haben. Allerdings muss ich mein Essen gegen die diebischen Katzen verteidigen.

    Gut gestärkt wartet der letzte Teil auf uns: 700 Meter auf etwas mehr als 2 Kilometer. Aber Schritt für Schritt, Meter um Meter erklimmen wir den Berg. Mittlerweile ist es etwas zugezogen, die Wolken ziehen durch die Bäume. Der Wald ist wunderschön, teilweise stehen hier mächtige Exemplare. Irgendwann nähern wir uns dem Pass und in einer Senke wartet der perfekte Spot auf uns. Als wir ankommen, rastet gerade noch eine russische Wandergruppe, die aber erfreulicherweise weiter gehen will. Wir haben den Platz alleine für uns. Morgen früh entscheiden wir, ob wir den Gipfel des Tahtali Dagi noch einbauen oder ihn liegen lassen. Er soll sehr stark kommerziell vermarktet sein und eine Seilbahn führt von der anderen Seite nach oben, was den Reiz für uns etwas reduziert.

  • Lykischer Weg – Tag 16: Adrasan – Cirali Chimaera

    Lykischer Weg – Tag 16: Adrasan – Cirali Chimaera

    21,3 km; 1.260 m aufwärts; 930 m abwärts

    Das Frühstück war heute Morgen überraschend gut. Es wurde in Büffetform serviert, so konnten wir uns richtig satt essen. Dementsprechend gut gelaunt starten wir auf den Weg. Gleich zu Beginn wartet die erste Herausforderung: wir müssen einen Fluss furten. Auf großen Steinen sollten wir trocken drüber kommen. Hang kommt bis zu Stein 4 und zack rutscht sie aus und landet im Wasser. Ungewollte Erfrischung.

    Der Weg beginnt flach und wir haben immer wieder Ausblicke über das grüne Tal mit den Bergen im Hintergrund. Wir wechseln an einen Bach und folgen seinem Plätschern ein gutes Stück. Plötzlich stehen wir vor einem Felsen, durch den nur ein kleiner Durchgang hindurch führt. Gut, dass wir die letzten Wochen angenommen haben. Durch hübschen Wald geht es leicht bergauf weiter. Als der Weg eine 90 Grad Biegung Richtung Berg. Auf der Karte sehe ich: jetzt wird es ernst. Wir wandern ein schönes Tal hinein, immer gut bergan. Aber es geht besser voran als gedacht, der Weg lässt sich einfach gehen. Oben angekommen, haben wir mehrere geniale Panoramen hinab in die Ebene.

    Am Pass auf knapp 700 Metern machen wir kurz Pause und anschließend an den Abstieg. Der schmale, holprige Pfad schlägt Haken wie ein Kaninchen auf der Flucht. Rechts, links, rechts, links. Das geht immer so weiter. Wir haben nicht das Gefühl, voran zu kommen. Aber der Wald ist ein Traum. Scheinbar hat es hier vor einiger Zeit mal gebrannt, mittlerweile ist aber alles dicht zugewuchert. Kurz vor dem Ende des Abstiegs kommen immer mehr hübsche Bergflanken in den Blick. Sie kündigen das Tal an. Wenig später stehen wir vor den Ruinen von Olympos. Die ursprüngliche Wegführung ist nicht mehr möglich. Somit erkundigen wir zuerst die Ruinen auf unserer Seite des Flusses. An geeigneter Stelle queren wir den Fluss und stehen mitten in den Ruinen. Wir nehmen uns die Zeit, in Ruhe die Ruinen zu erkunden. Der Name Olympos leitet sich von dem Berg ab, an dessen Fuß die Stadt einst lag. Heute heißt der Berg Tahtali Dagi, den wir evtl. in den kommenden Tagen spontan besteigen werden.

    Die Ruinen grenzen direkt an den langen Strand von Cirali. Wir nutzen die Chance und verwöhnen unsere Mägen mit einem reichlichen Mittagessen. Heute war Markt in Cirali. Als wir so darüber schlendern, können wir bei den Wassermelonen nicht widerstehen und kaufen uns noch ein großes Stück. Andere beenden hier die Etappe, wir haben aber ein anderes Ziel: die ewigen Flammen in 5 km Entfernung. Hier tritt ein Gasgemisch aus dem Berg aus, welches an der Luft Feuer fängt. Am Tag ist dieses Naturgeschehen schon schön. Wir wollen sie aber heute Abend bei Dunkelheit sehen. Deswegen steigen wir auf den dahinter liegenden Grat auf und errichten dort unser Lager. Beim Anstieg begegnen wir einer Wanderführerin, die sich freut, dass wir den kompletten Weg gehen wollen. Sie besteht auf einen Selfie mit uns. Als wir oben ankommen, wartet schon eine andere deutsche Wandererin. Sie spricht uns an und kennt meine Wanderberichte von Komoot. So schließt sich ein Kreis.

  • Lykischer Weg – Tag 15: Karaöz – Adrasan

    Lykischer Weg – Tag 15: Karaöz – Adrasan

    22,9 km; 1.090 m aufwärts; 1.100 m abwärts

    Wir haben uns sehr gefreut, als gestern dann unsere Grillnachbarn endlich gegangen sind. Doch wenige Minuten später kamen dann plötzlich aus dem Nichts fünf Autos und haben laut Musik gehört und geraucht. Doch eine halbe Stunde später war auch das überstanden. Am Morgen war die Stille über dem Meer einfach genial. Hang hat gleich mal die Chance genutzt, ein wenig Yoga zu machen.

    Der Weg führt zu Beginn durch den herrlichen Kiefernwald weiter. Die Ausblicke zurück nach Karaöz sind wunderschön. Wir kommen an einem kleinen Campingplatz vorbei und gelangen schließlich zur idyllischen Pirate Bay. Gut, dass wir gestern nicht bis hierher gewandert sind, es stehen schon einige Zelte da. Hang lässt es sich nicht nehmen, im klaren Wasser eine kleine Erfrischung zu nehmen. Außerdem beobachten wir ein Eichhörnchen beim Essen. Am Strand kommt kurz ein wild streunender Hund zu uns, der uns dann erstmal ein paar Meter begleitet.

    An der Pirate Bay gibt es zahlreiche Campingplätze. Unvorstellbar, wie es hier ist, wenn die im Sommer voll sind. An einem kehren wir zum Frühstück ein, Toast und Menemen… wer das nicht kennt, muss es mal testen, genial. Plötzlich steht Rohan wieder vor uns, haben ihn schon einige Tage nicht mehr gesehen. Kaum verlassen wir den Platz, begleitet uns der Hund. Wir denken, nach ein paar Metern ist der wieder weg. Wir sollten uns täuschen. An zahlreichen Buchten vorbei steigen wir langsam auf zum Gelidonya Leuchtturm.

    Danach zieht der Weg an, es geht in der Hitze steil bergauf und wer kommt mit? Der Hund. Machmal ist er nicht mehr zu sehen, liegt aber plötzlich nach einer halben Stunde wieder an einer Stelle vor uns. Der Blick von oben über Leuchtturm und die vorgelagerten kleinen Inseln ist ein beliebtes Motiv. Oben angekommen reicht der Blick weit die Küste entlang. Der Weg fällt wieder hinab gen Küste, bevor es später noch einmal steil hinauf geht. Ich schwitze wie ein 🐷.

    Beim Aufstieg dringt super laute Musik zu uns. Woher sie kommt? Von einem Partyschiff, welches eine Bucht unter uns ansteuert. Genau unser Ding. Irgendwann kommen wir oben am Pass an und wer liegt da? Unser Hund. Allerdings bleibt er da erst mal bei anderen Wanderern, die ihn mit Wasser versorgen. Wir müssen jetzt nur noch nach Adrasan absteigen. Am Ortseingang machen wir unsere Unterkunft klar. Der Ort wirkt irgendwie noch nicht bereit, überall wird gebaut und renoviert für die Touristen im Sommer. Am Strand stehen mindestens 20 Boote, die die Touristen dann zu irgendwelchen Inseln fahren.

    Wir freuen uns auf die warme Dusche. Später im Restaurant stellen wir fest, dass wir nur noch schwer satt zu bekommen sind. Deshalb steuern wir danach noch den Supermarkt an, um unser Kaloriendefizit zu reduzieren. Ob wir den Hund morgen noch mal sehen?

  • Lykischer Weg – Tag 14: Finike – Karaöz

    Lykischer Weg – Tag 14: Finike – Karaöz

    31,7 km; 520 m aufwärts; 490 m abwärts

    Gestern Nachmittag haben wir uns noch gemütlich Finike angesehen. Ein schöner Ort. Als wir auf dem Weg zum Abendessen waren, sind wir von Muammer in perfektem Englisch angesprochen worden. Es wurde ein spannendes Gespräch und er lud uns zu Tee in seinem Shop ein. Aus einem wurden mehrere Tee, es kam noch sein deutscher Freund Roland dazu und am Ende haben wir für Hang noch ein schönes Armband gekauft. Außerdem haben wir gelernt, dass die gelben Früchte, die wir immer essen, Mispeln sind, auf Türkisch Mushmula. Zum Abschied haben wir dann von Roland noch ein Mohnbrot geschenkt bekommen, verdammt lecker. Spät abends war dann Party in der Stadt, da Galatasaray die Meisterschaft gewonnen hat.

    Der heutige Tag wird scheinbar von vielen übersprungen, da es die meiste Zeit am Strand und auf Straße entlang geht. Für mich waren die Kilometer am Strand eine Erinnerung an Neuseeland. Dort bin ich nicht nur einmal ein großes Stück am Strand entlang gelaufen. Leider gab es keine Muscheln zu entdecken. Wir bevorzugten das Laufen auf dem Strand gegenüber der Straße, später mussten wir aber ein langes Stück direkt an der zweispurigen Straße gehen, das war zermürbend.

    Bei Kumluca verlassen wir diese Straße und wandern dann wieder entlang von riesigen Gewächshäusern. Wir kommen an Melonen, Auberginen, Paprika und Tomaten vorbei. An einen kleinen Markt machen wir Pause und essen das Mohnbrot. Der Nachbar kommt mit dem Roller und lädt uns in sein Gewächshaus ein und schenkt uns mehrere Paprika. Kurz darauf wechseln wir in einen schönen Kiefernwald. Wir erinnern uns, dass Sonntag ist, hier treffen sich und grillen viele türkische Familien. Vom Wald geht es noch mal ein Stück an den Strand. Jetzt sind wir den Bergen, die heute Morgen noch in weiter Ferne waren, ziemlich nah.

    Den restlichen Weg wandern wir zwar wieder auf Straße, aber die Ausblicke auf das türkisblaue Meer und die hübschen Felsen b sind genial und wir freuen uns auf die kommenden Tage. Kurz vor unserem Ziel führt der Weg noch an zwei Buchten entlang. Hier ist zwar einiges los, aber an einen kleinen Teil sind wir alleine und springen kurz zur Erfrischung ins Wasser. Leider sehen wir dabei auch, dass ganz viele minikleine Plastikstücke im Wasser schwimmen. In den Waldstücken am Strand ist kein Platz unbelegt, hier wird überall gegrillt. Am Zielort angekommen stärken wir uns noch im Restaurant. Anschließend wandern wir dann aber noch in einen Kiefernwald weiter, wo wie das Zelt aufschlagen. Leider müssen wir uns den Platz zu Beginn auch mit grillenden Einheimischen teilen. Aber dennoch einer der schönsten Spots bisher.

  • Lykischer Weg – Tag 13: Incegeris Tepesi Grat – Finike

    Lykischer Weg – Tag 13: Incegeris Tepesi Grat – Finike

    18,4 km; 240 m aufwärts; 1.830 m abwärts

    Es gibt nichts Schöneres, als morgens in der frischen Luft vor dem Zelt zu sitzen und in Ruhe das Müsli mit Wasser zu löffeln. Da macht es auch nichts, wenn es keine Milch gibt. Von den 8 Litern gestern, sind heute Morgen noch knapp 3 Liter übrig, das muss reichen. Aber der Weg führt ja auch fast nur abwärts.

    Gleich zu Beginn haben wir perfekte Aussicht auf Finike, leider liegt ein wenig Dunst über der Stadt. Das Waldstück ist wunderschön. Schon gestern ist uns aufgefallen, dass hier vor einiger Zeit scheinbar ein Bike oder Motocross-Rennen stattgefunden hat. Der Weg ist teilweise sehr kaputt und tief eingefurcht. Nach einiger Zeit erreichen wir eine Siedlung von einfachen selbstgebauten Hirtenhütten. Allerdings sind diese aktuell scheinbar noch nicht bewohnt. Ein sehr einfaches, zurückgezogenes Leben in den Bergen.

    Sobald wir das Dorf verlassen, begegnen wir einem Wanderer. Ich vermute, der gehört zur Ankara-Wandergruppe von gestern. Der Wald wechselt wieder, wir stehen in einem Kiefernwald mit imposanten Bäumen, die allerdings aktuell auch gerade teilweise umgemacht werden. Zusätzlich befindet sich hier ein Parcours zum Motocrossen direkt im Wald. Wenig später wird meine Vermutung bestätigt, wir holen wieder die Wandergruppe aus Ankara ein. Keine Ahnung, wo die heute Nacht geschlafen haben, bei uns kamen sie nicht vorbei.

    An einem Hügel kommen wir an Überresten von Belos vorbei. Von hier oben haben wir einen herrlichen Blick zurück auf Demre und das Tal, von dem aus wir vor drei Tagen unseren Aufstieg begonnen haben. Langsam geht unser Wasser zu Ende, wir hoffen, dass die erste bekannte Quelle Wasser führt. Leider ist dies mal wieder eine gemauerte Quelle, in die man einen Eimer hinab lässt. Die lassen wir aus. Ein gutes Stück wandern wir auf Straße. Da können wir ein wenig Tempo machen. Rund 2 km vor Finike zweigt der Weg noch mal ab und führt Richtung Meer. Es geht wieder unwegsamer durch die Macchia. Plötzlich stehen wir in einem trockenen Bachbett. So weit richtig. Hier war der Weg aber unsauber markiert. Ich führe uns aus dem Bachbett wieder empor und stelle kurz darauf fest, dass der Weg ein wenig unter uns verlaufen würde. Wir suchen ein wenig nach Orientierung, bevor wir uns entscheiden, dass wir dahin zurück gehen, wo wir den Bach verlassen haben. Aber wir fanden dann glücklicherweise einen anderen Zugang. Wieder auf dem Pfad kommen wir gut voran. Plötzlich endet der Trail und führt auf eine relativ neue Schotterpiste, die in den Felsen gehauen wurde. Scheinbar wurde dabei auch die Fortsetzung des Trampelpfads verdeckt, wir übersehen ihn. Wir entscheiden uns dann einfach auf dem Schotterweg zu bleiben. Von oben haben wir eine perfekte Aussicht über Finike und den langen Strand davor, den wir morgen komplett entlang laufen. Nun folgen wir der Straße nur noch bergab in die Stadt in das ausgesuchte Hotel. Perfekt zur Mittagszeit kommen wir an einem Restaurant vorbei und schlagen uns erstmal die Wampe voll. Ich habe euch mal auf eine Bitte hin ein aktuelles Bild meines Schienbeins angefügt, dass ich mir kurz nach Kas ordentlich am Felsen angeschlagen habe.

    Eigentlich wollten wir dann heute Nachmittag unsere geschundenen Körper im Hamam verwöhnen lassen, aber samstags nehmen die nur Frauen. Ich hätte da kein Problem mit. 😜

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