Autor: Jan Rumig

  • Cappadocia Trail – Tag 4: Cavusin – Uchisar

    Cappadocia Trail – Tag 4: Cavusin – Uchisar

    8,6 km; 450 m aufwärts; 150 m abwärts

    Wie angekündigt hat es uns heute Morgen noch mal zum Ballon Watching raus getrieben. Um 4:45 klingelte der Wecker und wir haben uns auf den Hügel oberhalb von Cavusin begeben. Es gab zwar leider keinen Sonnenschein, aber dennoch waren die Eindrücke wunderschön. Allerdings würden mich keine 10 Pferde in so ein kommerzielles Angebot bringen. Die Preise schwanken täglich, im Sommer kosten sie bis zu 400€. Dafür steht man dann mit 30 Leuten in so nem Ballon. Da wandere ich doch lieber durch die Gegend und schaue mir diese Ballons von unten an.

    Der eigentliche Plan für heute war, die beiden Etappen des Cappadocia Trails zusammen zu legen. Damit ergäbe sich eine gute Tageswanderung. Von Cavusin sollte es nach Uchisar gehen und dann weiter nach Göreme. Allerdings machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Doch von vorne. Von Cavusin laufen wir durch die Ebene zum Einstieg ins Liebestal. Wisst ihr, warum das Liebestal seinen Namen trägt? Hier befinden sich die höchsten Feenkamine Kappadokiens. Diese ähneln alle übergroßen Penissen. OMG. Hang hatte fast ne Reizüberflutung. 😜 Leicht ansteigend führt das Tal hinauf Richtung Uchisar. Starteten wir noch bei Sonnenschein, begann es ein paar Kilometer weiter zu regnen. Da kam der Felstunnel genau richtig. Wir machten mal wieder Regenpause.

    Nach 30 Minuten ging es weiter. Je höher wir kommen, desto lieblicher werden die Felsen, über leichte Wellen erreichen wir den Talrand. In der Ferne sehen wir Gewitterwolken. Eigentlich wollten wir unterhalb von Uchisar einen kleinen Abstecher ins Taubental machen. Da es aber zu regnen beginnt, begeben wir uns auf direktem Weg in die Stadt. Von oben hat man eine herrliche Sicht auf Göreme und die Berge dahinter, an denen wir gestern entlang wanderten. Uchisar ist der höchste Punkt Kappadokiens. Die Burg der Stadt kann wie in Ortahisar bestiegen werden. Wir lassen es aus. Beim Mittagessen wollen wir den Regen aussitzen. Nun befindet sich das Gewitter direkt über der Stadt. Nach der Pause regnet es weiterhin, das Gewitter ist nicht weiter gezogen. In alle Richtungen ist keine Besserung in Sicht. Somit entscheiden wir schweren Herzens, die letzten Kilometer nach Göreme mit dem Bus zurückzulegen.

    Morgen fahren wir mit dem Bus nach Kayseri und fliegen dann nach Istanbul für das letzte Kapitel Türkei. Konnte ich dich mit der Wanderung auf dem Lykischen Weg oder auf dem Cappadocia Trail inspirieren? Beide Wege sind absolut auf eigene Faust machbar. Du musst diese nicht über irgendwelche Anbieter buchen und kannst somit individuell deine Tage gestalten und noch tiefer in das Land eintauchen. Hast du noch Fragen zu einem der Wege? Dann melde dich gerne und ich helfe dir weiter.

  • Cappadocia Trail – Tag 3: Ortahisar – Cavusin

    Cappadocia Trail – Tag 3: Ortahisar – Cavusin

    16,5 km; 630 m aufwärts; 770 m abwärts

    Heute Morgen klingelte der Wecker um 5 Uhr. Ich wollte mal schauen, ob man auch von Ortahisar die berühmten Heißluftballons sehen kann. Und tatsächlich: in einiger Entfernung erscheinen sie hinter der Stadt. Die kommenden beiden Tage sollen wie ihnen viel näher sein, ich bin gespannt. Von Ortahisar biegen wir gleich ins gleichnamige Tal ab. Wir werden wie gestern wieder von einem Bach begleitet. Das Tal ist schön, aber wenig spektakulär. Wir liefen bei Sonne los, können aber am Horizont eine sehr dunkle Wolkenfront sehen. In einem größeren Bogen kehren wir ans entgegengesetzte Ende von Ortahisar zurück. Dabei passieren wir das beeindruckende in den Fels gehauene Hallac Kloster, das erste bekannte Krankenhaus Kappadokiens aus dem 11. Jahrhundert.

    Vorbei an einem Kamelgehege für Safaris steigern wir uns Meskendir-Tal ab. Das Tal ist reich an Zedern und Aprikosenbäumen. Wir durchqueren dabei mehrere lange Tunnel. Das Meskendir-Tal mündet am Ende in das Rosental und das rote Tal. Wir gehen einige Meter ins Rosental hinein bis zu einer Felsenkirche. Inzwischen ist der Himmel über uns tief dunkel. Wir gehen zurück zur Kreuzung und biegen ab ins rote Tal. Natürlich fängt es nach wenigen Metern an zu tröpfeln. Glücklicherweise kommen wir direkt an einen engen Felstunnel und entschließen uns, den Regen auszusitzen. Gute Entscheidung. Es fängt heftiger an zu regnen. Nach einigen Minuten kommt von oben der Kanadier Daniel entgegen. Er ist 6 Monate unterwegs und war gerade in Georgien, Jordanien, Irak etc. In der aktuellen Weltlage spannend. Durch den Regen verwandelt sich der schmale Pfad in einen Bach, der zentimeterhoch in den Tunnel fließt. Als der Regen aufhört, trennen sich unsere Wege wieder. Wir versuchen nicht auszurutschen und wandern weiter. Doch nach wenigen Minuten fängt es wieder an und wir setzen uns unter die Überdachung eines Cafés am Wegesrand. Als die Betreiber kommen, gönnen wir uns Datteln und einen Tee.

    Das rote Tal ist bekannt für seine roten Tuffsteinfelsen. Auch hier geht es durch Tunnel. Wir erklettern sogar eine mehrere Meter hohe Leiter. Am Talende wandern wir nach oben und haben einen herrlichen Blick bis nach Ortahisar und Uçhisar. Im roten Tal haben sich besonders filigrane Felsen ausgebildet. Mit den steilen Felswänden der Berge dahinter ein traumhafter Anblick. Wir umwandern den Talschluss und steigen ins benachbarte Tal ab. So queren wir noch 2 weitere Täler. Immer wieder eröffnen sich neue Blicke in diese Täler mit ihren Kirchen und Feenkamine. Zwei Abstiege sind dabei etwas brenzliger. Beim einen ist es sehr rutschig, aber Seile unterstützen. Beim anderen handelt es sich um eine 2 Meter hohe Felsstufe, in die minimale Tritte gearbeitet sind. Sehr schwer da halt zu finden. Und fallen will man nicht. Aber auch das meistern wir mit Bravour.

    Die wenigen restlichen Kilometer sind ein Klacks. Wir kommen von oben nach Cavusin. Bevor wir in den Ort hinab steigen, erkunden wir noch die Ruinen der Kirche Johannes des Täufers. Der Blick auf den Ort ist von hier oben wundervoll. Morgen früh werden wir dort auch die Ballons schauen gehen. Vorbei an den neun Brüdern, neun Feenkamine, gelangen wir dann final zu unserer Unterkunft.

  • Cappadocia Trail – Tag 2: Mustafapasa – Ortahisar

    Cappadocia Trail – Tag 2: Mustafapasa – Ortahisar

    20,5 km; 740 m aufwärts; 720 m abwärts

    Ganz entspannt starten wir in den Tag. Anders als im Zelt beginnen die Tage aktuell mit einem für unsere Verhältnisse späten Frühstück ab 08:30, auch mal schön. Und tatsächlich hört der Regen auf, als wir die Unterkunft verlassen. Wir holen das Sightseeing in Mustafapasa nach, das gestern dem Regen zum Opfer fiel. Wir gehen dafür auch wieder ein Stück den Weg von gestern zurück, weil ich das eine Motiv noch mal mit der richtigen Kamera einfangen wollte. Als wir an einem Haus vorbei kommen, rennen 6-7 Hunde auf uns zu, die wild bellen. Irgendwann kommt auch die Besitzerin aus dem Haus, die sie dann ein wenig in den Griff bekommt. Die historischen Gebäude Mustafapasas gefallen uns richtig gut. Doch dennoch müssen wir Abschied nehmen. Wir verlassen die Stadt über eine Straße. Schon kurz darauf kündigt ein Schild das nächste Highlight an: das Gomeda-Tal.

    Dieses Tal gilt noch als Geheimtipp, weil es noch wenig besucht wird. Kurz bevor wir es erreichen, werden wir von 6 Jeeps mit asiatischen Touristen überholt. Das Gute ist, sie steigen nur kurz aus, machen ihre Fotos und den Rest der Zeit haben wir das Tal ganz für uns allein. Gleich zu Beginn befindet sich die Ruine der Alakara-Kirche. Ein Stück später kommen wir noch an einer weiteren Kirche vorbei. Ein kleiner, von Holzbrücken gespickter Bach durchfließt das grüne, dicht bewachsene Tal. Die Felswände sind mit mehrstöckigen, kunstvoll verzierten Taubenschlägen übersät.

    Nach ein paar Kilometern geht das Gomeda-Tal in das nicht weniger reizvolle Üzengi-Tal über. Wir wandern nur ein kleines Stück in dieses Tal hinein. Auch hier erwarten uns wieder monumentale Taubenhäuser. Diese wurden früher von den Einheimischen genutzt um Taubendünger für die Obstplantagen zu sammeln. Am Weg befindet sich auch ein kleines Café. Wir kehren um und biegen dann bald ab Richtung Ibrahimpasa. Plötzlich hören wir ein Bellen. Drei wilde Hunde lagen am Wegesrand. Zwei flüchten sofort verängstigt, der dritte bleibt ruhig liegen.

    In Ibrahimpasa wollen wir eine Kleinigkeit essen. Also steuern wir eines der beiden Restaurants an, Babayan Evi, die Überraschung des Tages. Am Eingang hängt ein Schild, Michelin 2026. Oha, das wird ein Fest. Wir können aus verschiedenen 7-Gänge-Menüs wählen. Und alles für einen sagenhaften Preis, insgesamt zahlen wir 45 €. Und das Essen war mega lecker. Und das Beste: als wir das Restaurant verlassen, scheint die Sonne. Diese taucht das folgende Balkan-Tal in ein noch besseres Licht. Das Tal mündet direkt in unserem Ziel, Ortahisar. Noch bevor wir das Ziel erreichen, fällt die mächtige Burg der Stadt ins Auge. Diese erhebt sich in einem Felsen senkrecht über die Stadt. Unser Hotel befindet sich direkt oberhalb des Balkan-Tals mit einem herrlichen Blick in dieses.

    Nachdem wir das Gepäck im Hotel abgelegt haben, erklimmen wir noch die Burg. Abenteuerlich führen die Treppen außen und innen steil nach oben. Der Blick von oben bietet beste Aussichten in alle Richtungen. Da es unweit noch regnet, entsteht wenig später ein Regenbogen. Diese Momente hier oben machen uns richtig glücklich. Im Anschluss lassen wir uns durch die kleinen Gassen treiben. Am Abend werden wir dann noch mal raus gehen, um die beleuchtete Burg zu bewundern und ne Kleinigkeit zu essen.

  • Podcast „Mein Abenteuer“ über Neuseeland

    Podcast „Mein Abenteuer“ über Neuseeland

    Ich war zu Gast bei Reiner Meutsch in seiner Show „Mein Abenteuer“ auf RPR1 und durfte mit ihm über meine Wanderung auf dem Te Araroa durch Neuseeland reden.

    Beschreibung von RPR1: „In dieser Episode von „Mein Abenteuer“ begrüßt Rainer Meutsch den leidenschaftlichen Wanderer und Informatiker Jan Rumig. Jan hat beeindruckende 3000 Kilometer zu Fuß durch Neuseeland zurückgelegt und teilt seine unvergesslichen Erlebnisse von der Nord- und Südinsel. Dabei kommt auch das Thema „Der Herr der Ringe“ zur Sprache, das Jan zu seiner Reise inspiriert hat. Er erzählt von seiner Durchquerung Deutschlands auf dem Nord-Süd-Trail, den Begegnungen mit freundlichen Einheimischen und den Herausforderungen der Natur. Freut euch auf spannende Geschichten über Abenteuer, persönliche Entdeckungen und die einzigartige Beziehung der Maori zur Natur. Schaltet ein und begleitet uns ans andere Ende der Erde!“

    Reinhören lohnt sich: https://rpr1-mein-abenteuer.podigee.io/403-jan-rumig

    Lasst mich gerne in den Kommentaren eure Meinung wissen!

  • Cappadocia Trail – Tag 1: Taskinpasa – Mustafapasa

    Cappadocia Trail – Tag 1: Taskinpasa – Mustafapasa

    19,7 km; 670 m aufwärts; 820 m abwärts

    Gestern haben wir einfach mal die Seele baumeln lassen. Ich wurde beim Barber wieder in Form gebracht und unsere Körper beim Hamam verwöhnt. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang in Antalya nahmen wir den Nachtbus nach Kappadokien. In Nevsehir stiegen wir um auf einen Dolmus nach Ürgüp. Wir gehen erstmal frühstücken. Unser Tischnachbar Mustafa spricht uns auf Deutsch an. Er wohnt schon 56 Jahre bei Karlsruhe. So klein ist die Welt. Nach den be Frühstück ging es dann final mit dem Taxi weiter nach Taskinpasa. Hier beginnt unsere 4-5 tägige Wanderung auf dem Cappadocia Trail. Dieser kann kommerziell gebucht werden, aber ich habe mir die Routen manuell erstellt. Gepäcktransfer oder andere Erleichterungen reizen uns nicht.

    Leider ist die Wettervorhersage für die kommenden Tage nicht die beste. Beim Start war es schon stark bewölkt, aber noch trocken. Kaum steigen wir von Taskinpasa auf, sehen wir Unmengen der bekannten Steinformationen. Uns bleibt der Atem weg. So darf es weiter gehen! Wir umwandern den Felsriegel und sogleich eröffnet sich ein wunderbarer Blick ins Tal dahinter. Oben angekommen genießen wir den Blick ins Tal mit seinen steilen Wänden. In der Mitte des Tals liegt der hübsche See Damsa Baraj. Zeitgleich beginnt es zu tröpfeln, jegliche Helligkeit im Himmel ist verschwunden. Die Tropfen halten vorerst aber nur kurz an.

    Ein wenig oberhalb von Cemil verlassen wir den Fahrweg und tauchen in die Felsenlandschaft ein. Neben unseren Körpern wirken die Felsen so unglaublich mächtig. Später kommt uns eine Reitergruppe entgegen. Wir werden sie gegen Ende noch mal treffen. Höhepunkt war die Felsenstadt Golgoli mit ihren Höhlen und Kirchen. Einfach beeindruckend. Leider findet man nicht sehr viele Infos über diese Stadt. Früher kamen die orthodoxen christlichen Jugendlichen und frisch verheirateten Paare aus Mustafapaşa 15 Tage vor dem Osterfest hierher. Sie zelteten oder wohnten zwei Wochen lang in den Höhlen, um zu feiern, zu musizieren und zu tanzen.

    Bislang blieben wir trocken, aber vom See im Tal ist kaum noch was zu sehen. Weiter gehen weiter und der Weg führt uns natürlich Richtung See. Ich fasse mich kurz. 7 km später kommen wir gut nass in Mustafapasa an. Der Weg war sehr schmierig und matschig. Leider hat der Regen auch verhindert, schöne Bilder des hübschen Ortes zu machen. Das holen wir später oder morgen noch nach. Heute Abend nächtigen wir in einem für die Region typischen Höhlenhotel.

  • Lykischer Weg – Tag 22: Geyikbayiri – Antalya

    Lykischer Weg – Tag 22: Geyikbayiri – Antalya

    23,5 km; 960 m aufwärts; 1.420 m abwärts

    Heute schreiben wir das erste Kapitel dieser Türkei-Reise zu Ende. Vom Bungalow laufen wie auf der Straße wieder zurück zum Trail. Endlich sehen wir die hübsche Landschaft, in die Geyikbayiri eingebettet ist. Überall erheben sich hübsche Felsriegel. Kein Wunder, dass dies hier ein Paradies für Kletterer ist. Sobald wir auf dem Trail sind, geht es entlang dieser Felsen nach oben. Der Weg ist relativ schwer zu finden, teils ist er schon richtig zugewachsen. Oben angekommen können wir in der Ferne schon Antalya und das Meer sehen.

    Der Weg zieht durch herrliche Landschaft, immer wieder kommen wir an schönen Felsen vorbei. Wir selbst laufen auf einem Felsplateau, das auf der einen Seite steil in einen Canyon abfällt. Von hier oben haben wie schon einen Blick zum Stausee, an dem wie in wenigen Kilometern vorbei laufen werden. Doch auch hier ist der Weg schlecht zu finden. Einmal falsch abgebogen, schon umqueren wir die Felsen auf der falschen Seite und müssen uns wieder den Weg zurück erkämpfen.

    Der Abstieg führt erst durch herrlichen Wald. Aber plötzlich stehen wir vor einer Fläche, die vor kurzem wohl erst gerodet wurde. Hier kommen wir nur mühsam voran. Überall liegen Äste oder Steine. Als wir dann mal gut voran kommen und denken, jetzt wird es einfacher, stehen wir kurz vor Doyran vor einem breiten Fluss. Wir entscheiden uns wieder für zwei Strategien: Hang barfuß und ich mit Schuhen durchs Wasser. Als wir uns der Stadt nähern, fällt uns ein großes Expefitionsmobil auf… mit Heidelberger Kennzeichen.

    Wir weichen kurz vom Trail ab und stärken uns am kleinen Einkaufsmarkt für den letzten Aufstieg. Dieser führt uns zwischen zwei Bergflanken entlang durch herrlichen Kiefernwald. Irgendwann ist auch dieser Anstieg zu Ende. Jetzt wird es leicht, denken wir. Getäuscht! Der Anfang führt angenehm hinab, doch plötzlich wies der Trail steil und führt senkrecht den Berg hinab von Stein zu Stein. Da ist Konzentration gefragt. Unten angekommen sehen wir die letzte Schildkröte, Nummer 21. Auf meinem GPS wird in der Entfernung angezeigt: „caution: read info Likya Yolu 14.03“. Keine Ahnung, vor was hier gewarnt wird. Als wir den Teil erreichen, ahnen wir, was der Grund gewesen sein könnte. Der Weg ist nicht markiert und es geht auf scharfkantigen Felsen und durch stacheliges Gebüsch weiter. Wenn hier einer fällt, ist der Spaß vorbei. Aber wir kommen unbeschadet durch. Auf dem Fahrweg angekommen warten Gräser auf uns, deren Grannen auch teilweise schmerzhaft durch die Schuhe in die Füße bohren. Man könnte meinen, der Trail will uns den Abschied leicht machen.

    Plötzlich stehen wir vor dem idyllischen Kapuz Canyon. Einheimische springen von oben ins Wasser und gerade paddelt jemand auf an SUP auf uns zu. Wir schauen auf die Uhr und sehen, dass der Bus um vier knapp werden könnte. Also ziehen wir die Siebenmeilenstiefel an und geben Gas. Aber was soll nicht zu einfach werden. Ein weiterer Fluss muss durchquert werden und der Originaltrail ist durch einen Zaun versperrt. Also gehen wir auf dem Fahrweg weiter. Pünktlich kommen wir an die Bushaltestelle. Aber der Bus kommt nicht. Wir rufen ein Taxi. Und was kommt gleichzeitig: der Bus und das Taxi. 😜 Zurück in Antalya lassen wir das erste Kapitel ausklingen. Wir kommen zur perfekten Zeit, morgen ist hier Feiertag zur Befreiung der Türkei durch Atatürk. Morgen Abend starten wir dann zu Kapitel 2 nach Kappadokien.

  • Lykischer Weg – Tag 21: Hisarcandir – Geyikbayiri

    Lykischer Weg – Tag 21: Hisarcandir – Geyikbayiri

    26,4 km; 1.390 m aufwärts; 1.980 m abwärts

    In der Nacht hatte es zwei mal leicht geregnet. Aber heute Morgen hat man davon nichts mehr gesehen. Allerdings hielten sich die Wolken noch in den umliegenden Bergen. Wir steigen von unserem idyllischen Örtchen ab nach Hisarcandir. Dort mussten wir dann mehrmals den Weg suchen, der kaum auffindbar war, sehr ärgerlich. Das verstärkt den Eindruck, dass dieser Abschnitt nur selten begangen wird. Aber die Bergkulisse ist mit ihren Felsen echt beeindruckend. Unser Abstieg geht weiter und weiter. Vorbei an der historischen Burg kommen wir hinunter zum Stauwerk des Flusses Candir.

    Da nur hinab auch langweilig wäre, beginnt hier der erste von zwei Aufstiegen heute. Und es geht gleich ordentlich nach oben. Sie müden Beine von gestern machen sich bemerkbar. Auch ne Flussüberquerung wartet gleich wieder, es besteht keine Möglichkeit, über Steine zu gehen. Wir beide entscheiden uns für verschiedene Strategien. Ich marschiere einfach durch, das habe ich ja in Neuseeland gelernt. Hang behält lieber trockene Schuhe. Es geht immer weiter aufwärts. Je höher wir kommen, desto mehr sehen wir von diesem herrlichen Tal. Aber es ziehen auch mehr Wolken auf, es könnte später noch regnen.

    Und tatsächlich zieht es bald komplett zu. Erst an den Ruinen von Tipella haben wir den vorläufig höchsten Punkt erreicht. Durch marsähnliche Landschaft wandern wir ins nächste Tal hinab. Nach einer kleinen Pause an einem Bach machen wir uns an den zweiten Aufstieg. So langsam reicht es uns mit den Höhenmetern. Doch die Steigung ist weniger steil als gestern, wir kommen gut voran. Als wir den Karabel-Pass endlich erreichen, befinden wir uns komplett in den Wolken. Die Bäume und die Wolken erzeugen im Zusammenspiel eine mystische Stimmung.

    Für uns heißt es jetzt nur noch Abstieg. Auf ungefähr der Hälfte kommen wir noch an den Ruinen von Trebenna vorbei. Leider bestehen zahlreiche Trails aus rutschigen einteiligen Steinen. Diese werden Hang zwei Mal zum Verhängnis: die Beine rutschen weg und sie landet auf dem Pops oder auf der Seite. Aber alles halb so schlimm. Kurz vor dem Ende beginnt es tatsächlich leicht zu tröpfeln. Am Fluss sitzen wieder türkische Familien und grillen. Wir hatten uns folgenden Plan zurecht gelegt: es gibt zahlreiche Campingplätze mit Restaurants. Gehen wir also dort was essen. Wir steuern den Platz unserer Wahl an: Geschlossen. Also zurück zu dem anderen. Es gibt kein Essen, Bungalows sind ausgebucht. Zelten haben wir jetzt auch keine Lust mehr. Da kommt eine hilfsbereite Türkin, die auch Englisch kann. Sie ruft für uns bei zwei Plätzen an. Der eine hat noch einen Bungalow. Ihr Mann holt sie gleich ab, sie nehmen uns gerne mit. Gesagt, getan. Sie lassen uns an der Straße raus, wir laufen zum Platz: leider vermieten sie nur ab mindestens zwei Nächten. Mist. Aber auch er ruft bei einem anderen Platz an. Bungalow für EINE Nacht und er hat ein Restaurant. Allerdings müssen wir da noch nen Kilometer marschieren. Aber jetzt mit vollem Magen ist alles wieder halb so schlimm. Sowas gehört zum Reisen einfach dazu.

  • Lykischer Weg – Tag 20: Göynük – Hisarcandir

    Lykischer Weg – Tag 20: Göynük – Hisarcandir

    24,9 km; 1.750 m aufwärts; 790 m abwärts

    Was für eine entspannte Nacht. Allerdings ging einer der üblichen Wecker um 5:40, der Hahn in der Nachbarschaft. Nach dem Frühstück geht es noch kurz zum Bäcker und dann wieder zurück Richtung Canyon. Noch im Ort begegnen wir einem Igel. Die restlichen 4 Kilometer zum Canyon kennen wir ja schon von gestern und diese sind auch nicht wirklich spannend. Allerdings genießen wir die Ruhe im Vergleich zu gestern.

    Doch dann trennt sich der Weg und wir biegen ab in den Aufstieg zwischen den Bergen. Die nächsten Stunden laufen wir Meter um Meter nach oben. Viel sehen tun wir hierbei nicht. Zuerst bewegen wir uns an einem hübschen Bach entlang, doch diesen lassen wir bald hinter uns und marschieren durch hübschesten Nadelwald. Der Weg lässt sich gut gehen, es geht meist nicht zu steil aufwärts. Die Nadeln unter den Füßen federn unsere Schritte. Es riecht nach frischen Kiefern. Wir begegnen niemandem. Keine Ahnung, ob diese Etappe einfach wenig begangen wird. Am Rande können wir die Bergflanken erahnen. Nach den ersten 1.000 Höhenmetern flacht der Weg erst mal ab.

    Plötzlich steht ein fressendes Pferd vor uns. Es lässt sich nicht wirklich stören, macht kurz Platz und frisst einfach weiter. Dann ändert sich das Panorama, an den Berggipfeln vorbei können wir Antalya sehen. In zwei Tagen werden wir dort sein. Auch der Weg ändert sich. Die letzten 400 Höhenmeter zum Hidacik Pass gehen sehr steil nach oben. Je höher wir kommen, desto mehr sehen wir von Antalyas Küste und desto beeindruckender werden die Berge. Doch wir spüren die Beine vom langen Anstieg. Unsere Oberschenkel brennen bei jedem Schritt. Jetzt ist Willenskraft gefragt. Irgendwann erreichen wir den Pass. Das Panorama ist traumhaft und wir sind stolz, hier oben zu stehen.

    Es geht noch etwas weiter hinauf bis zu einer kleinen Siedlung. Ein alter Mann sitzt vor seinem Haus, welches auf meiner Karte mit Yusufs Café markiert war. Hang hat Hunger und wir schauen vorbei. Auf Türkisch begrüßt er uns, deutet an, dass wir uns setzen sollen. Ich verstehe, Ekmek (= Brot) und Cai (= Tee). Nach kurzer Zeit bringt er eine große Platte mit Orangen, Bohnensuppe, Salat und Brot. Wir freuen uns. Wir besprechen, dass wir zum Dank 1.000 Lira geben wollen. Aber Yusuf schreibt seine Rechnung auf: 1.800 Lira, fast 40€. 😳

    Gut gestärkt machen wir uns noch ein wenig auf den Weg. Jetzt geht es leicht abwärts Richtung Hisarcandir. Immer wieder erhasche ich Blicke auf die umwerfende Bergwelt um diesen Ort herum. Nach einem guten Stück kommen wir an einen schönen Bach und erblicken einen kleinen Pool. Eh ich mich versah, war Hang zur Abkühlung in diesem kleinen Becken. So motiviert geht es weiter. In ungefähr 5 km wollen wir unser Zelt aufschlagen. Der kleine Bach gräbt sich immer tiefer in eine Schlucht. In diese Schlucht steigen wir auch hinab. Und was sehen wir einen noch schöneren Pool mit hellblauem Wasser. Und der Bach plätschert so schön vor sich hin. Da können wir nicht anders und schlagen an dieser Stelle unser Zelt auf. Ratet mal, wo wir uns heute gewaschen haben!

  • Lykischer Weg – Tag 19: Göynük Yaylasi – Göynük

    Lykischer Weg – Tag 19: Göynük Yaylasi – Göynük

    18,7 km; 690 m aufwärts; 1.510 m abwärts

    Heute kam es etwas anders als geplant, aber wie sagt man: the trail provides. Er bietet einen genau das, was man gerade braucht. Aber der Reihe nach. Auf das Frühstück in der Unterkunft haben wir ja verzichtet, unser Plan war, im 1,5 km entfernten Campingplatz was zu essen. Nach einem kurzen Abstieg stand die erste Flussüberquerung an. Unser Hunger ließ uns zügig voran schreiten. Im Campingplatz angekommen, sagte uns der Besitzer, es gäbe nur Gözleme, türkische Pfannkuchen. Ok, gut, ich mag die. Als ich frage nach dem Essen frage, was es kostet, grübelt er kurz und tippt den Betrag in sein Handy. 1.000 Lira, umgerechnet 19 €. In so abgelegenen Dörfern nutzen sie schamlos aus, dass es keine Alternativen gibt.

    Schon von hier oben deutet sich der Göynük Canyon tief in die Berge einschneidend an. Auf schmalen Pfaden geht es 400 m tief in die Schlucht hinab. Auf beiden Seiten erheben sich schroffe Felswände. Der Fluss umfließt mal große, mal kleine Felsen. Wir springen von einem zum anderen. Bei größeren Lücken zwischen den Felsen helfen aus Ästen gezimmerte Brücken über die Wasserpools hinweg. In manchen dieser kleinen Becken schwimmen Fische. Wir fühlen uns hier so klein und wollen eigentlich gar nicht weiter.

    Doch leider ist ein größerer Felsbrocken, auch Berg genannt, im Weg. Auf 2,5 km müssen wir ca. 500 m nach oben steigen. Immer wieder haben wir schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge. Oben angekommen, wissen wir, dass wir fast die komplette Höhe in den Canyon wieder hinab müssen. Auf halber Höhe spricht uns ein Ukrainer an. Er kann kein Englisch, aber wir verstehen ungefähr, dass sie gestern in diesem Unwetter sehr nass wurden, dann seitdem hier zelten, um ihr Zeug zu trocknen. Ob wir Wasser für sie hätten. Ich gebe ihm unsere 1,5 Liter.

    Wieder unten am Grund des Canyons angekommen, beginnt der touristische Teil. Hier kann man Zip Line fahren etc. Das Wasser ist aber dennoch sehr schön. Und zwischendrin laufen Pfauen. Eigentlich wollten wir den Weg direkt hier fortsetzen, bis zum nächsten Sattel sind es 1.500 Höhenmeter Aufstieg. Allerdings haben wir keine Vorräte mehr und die nächsten 2 Tage gibt es nur Wasser. Deshalb wollten wir an einer 2 km entfernten Pension mit Markt einkaufen und wieder zurück kommen. Doch diese Pension gibt es nicht mehr. Heißt für uns, doch noch 2 km weiter in die Stadt Göynük zu laufen. Und damit entscheiden wir auch, heute einen eher kurzen Tag zu machen. Morgen sind es dann nur noch drei Tage bis nach Antalya. Dem Ende blicken wir mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge entgegen.

  • Lykischer Weg – Tag 18: Tahtali Pass – Göynük Yaylasi

    Lykischer Weg – Tag 18: Tahtali Pass – Göynük Yaylasi

    24,7 km; 860 m aufwärts; 1.760 m abwärts

    Kurz nach unserem Lager kommen wir am Abzweig zum Gipfel des Tahtali Dagi vorbei. Aber wir entscheiden uns gegen eine Besteigung. Die Bergpanoramen sind auch hier unten schon genial und wir meinen zu sehen, dass auf der gegenüberliegenden Seite des Berges sehr viele Wolken hängen. Der Abstieg vom Pass verläuft durch atemberaubende Landschaft. Man wähnt sich in anderen Regionen der Welt. Und tatsächlich: sobald wir auf die andere Seite des Berges gelangen, sehen wir eine geschlossene Wolkendecke, die Wolken wabern durch die Bäume. Wir haben uns also richtig entschieden.

    Überall plätschern kleine Bächlein, viel mehr als wir erwartet hätten. An einem der Bäche füllen wir unser Wasser, bevor wir unseren Abstieg fortsetzen. Zurückblickend bieten sich schöne Wolkenspiele. Der Abstieg zieht sich, ganze 1.000 Meter müssen wir hinab. Wir werden meistens vom Plätschern eines Baches begleitet. Dort begegnet uns auch Schildkröte 19. Wir erreichen die ersten Häuser von Yaylakuzdere. Mit einem sich zeigenden Hungergefühl steuern wir das uns bekannte Restaurant an und sehen das Schild: Closed. Mist! Voller Hoffnung begeben wir uns zum Camping Platz und bekommen dort erfreulicherweise ein leckeres Mittagessen.

    Wir starten die nächste offizielle Etappe, die wir heute auch noch gerne beenden würden. Meistens über Forstwege wandern wir nach Gedelme. Der Wald hier oben sieht nicht ganz so gesund aus, größere Flächen sind kahl. In Gedelme kommen wir an einer alten Burgruine vorbei und sind begeistert von riesigen Platanen. Eine davon ist mehr als 2.000 Jahre alt. Im kleinen Markt gönnen wir uns eine Cola und Orangen. Kaum gehen wir weiter hören wir Gewittergrollen. Gerade rechtzeitig entscheiden wir uns zur Umkehr, um uns im Markt unterzustellen. Da kommen wir an einem Haus im Bau vorbei. Der Bauarbeiter Lütfe bittet uns zum Unterstellen in die unterste Etage. Kaum sind wir da, schüttet es für 30 Minuten richtig heftig.

    Nach dem Regen dampft die ganze Natur, wir laufen gefühlt in einem Dampfbad. Dazu passend geht es nach dem Ort gleich wieder nach oben. Als ob dies nicht genug ist, streifen wir von allen Büschen das Wasser ab. Oben angekommen bin ich patschnass. Mittlerweile laufen wir wieder in den Wolken. Doch bevor wir Göynük Yaylasi erreichen, kommt wieder die Sonne raus. Im Wald sind teilweise zahlreiche Wände abgerutscht, da wurde viel mit Maschinen gearbeitet. Sobald wir aus dem Wald treten, haben wir herrliche Panoramen. Das letzte Stück vor dem Zielort wandern wir durch eine schöne Felsenlandschaft. Nach 2 Nächten im Zelt, übernachten wir in der einzigen Herberge im Ort. Da aber das Essen in den Rezensionen zerrissen wurde, nehmen wir nur die Übernachtung und weichen auf Instant Nudeln aus.

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