Autor: Jan Rumig

  • Bergwochenende im Alpstein

    Bergwochenende im Alpstein

    Der Alpstein ist immer einen Besuch wert: abseits der Touristenmassen bietet er einsame, aber anspruchsvolle Touren. Die Natur ist einfach herrlich und mit Glück kann man so einige Tiere entdecken. Lasst euch mitnehmen auf zwei spannende Bergtage.

    Von Wasserauen über Mesmer, Meglisalp und Rotsteinpass zur Zwinglipasshütte

    18,7 km; 2.160 m aufwärts; 1.070 m abwärts

    Meine Beine brennen und ich freue mich, wenn wir bald auf der Hütte ankommen. Doch da sehe ich auf den Felsen 30-40 Steinböcke, wie sie so vor sich hin träumen und sich von nichts stören lassen. Sogleich sind meine Beine wie vergessen und ich lasse mich von diesen mächtigen Bergbewohnern in den Bann ziehen. Doch fangen wir von vorne an. Eigentlich wollte ich am Wochenende zu den Gastlosen fahren und dort ein schönes Bergwochenende verbringen. Allerdings sollte es da am Samstag vermehrt gewittern und wir wollten uns das Bergwochenende dadurch nicht verderben lassen. Spontan hatte ich dann gesehen, dass auf der Zwinglipasshütte noch zwei letzte Schlafplätze frei sind. Also nicht lange gezögert und gebucht. Vor 2 Jahren war ich schon mal hier am Säntis unterwegs und war sofort von seiner schroffen Seite begeistert. Hier bieten sich so viele Wanderrouten, dass es mir nicht schwer fiel, eine noch unbekannte Route zu wählen. In meiner Erinnerung hatte ich aber auch abgespeichert, dass die Aufstiege im Alpstein ganz schön fordernd sein können, ob es dieses Mal auch so sein wird?

    Als wir um 9 Uhr am Parkplatz Wasserauen ankommen, ist der Parkplatz schon fast voll. Der Overtourismus in den Bergen kann man hier am Säntis hautnah miterleben. Aber die Organisation ist gut und wir bekommen einen freien Platz zugewiesen. Auf meine Frage, ob wir uns mit der Seilbahn einige hundert Höhenmeter abnehmen sollen, lehnt Hang entschlossen ab. So erklimmen wir zu Fuß den Aufstieg hinauf Richtung Ebenalp. Je höher wir kommen, desto weiter schweift unser Blick über das wellige Appenzellerland. Bald erspähen wir in der Ferne die Wasserfläche des Bodensees. Wir wandern nicht komplett hoch zur Ebenalp, sondern statten dem Instagram Spot schlechthin, dem Äscher Wildkirchli einen Besuch ab. Direkt am Abgrund drückt sich das kleine Berggasthaus direkt an die Felswand. Wir gönnen uns ein Bier aus dem Kiosk und marschieren weiter. Schon von hier haben wir über den Seealpsee hinweg einen herrlichen Blick auf unser Ziel des heutigen Tages, den Gipfel des Altmanns. Schon beim letzten Mal bin ich an diesem Gipfel gescheitert und würde ihn dieses Mal gerne besteigen.

    An der Bergkante entlang wandern wir in leichtem Auf und Ab oberhalb des Tals zum Alp Mesmer. Hier haben wir schon die ersten knapp 1.000 Höhenmeter in den Beinen und wollen uns vor dem nächsten Aufstieg noch mal mit einem kühlen Getränk stärken. Hinter der Alp erhebt sich eine steile Felswand. Von hier unten ist nicht ersichtlich, wie wir diese wandernd bezwingen können. Zuerst laufen wir direkt auf den Säntis zu, bevor wir scharf nach oben Richtung Fels abbiegen. A apropos Säntis: aktuell verkehrt zum Gipfel keine Seilbahn, der Säntis kann also so „leer“ wie nie erlebt werden. Der Weg führt in engen Kurven immer weiter bergan, bis direkt unter die Felswand. Dort beginnt ein schmaler stahlseilversicherter Steig nach oben. Oben an der Ageteplatte angekommen, wandert unser Blick vom einen Tal hinüber ins andere Tal der Meglisalp. Weiter im Hintergrund strahlt der Seealpsee mit seinem herrlichen Blau und Grün. Leider können wir nicht einfach oben bleiben, sondern dürfen einige hundert Meter zur Meglisalp absteigen, bevor der nächste Anstieg beginnt. Durch das saftig grüne Tal steigt der Weg erst langsam dann steiler werden an zum Rotsteinpass. Hier merke ich, dass meine Beine eigentlich schon durch sind für heute. Ich warte jederzeit darauf, dass meine Oberschenkel wieder krampfen, so wie das vor zwei Jahren der Fall war. Doch mit kurzen Pausen erreichen wir die Rotsteinpasshütte und machen hier auf einem Felsen eine kleine Pause. Von hier kenne ich den Weg zur Zwinglipasshütte. Und ich weiß, dass ich auch dieses Mal den Altmann abschreiben kann. Ich würde es zwar irgendwie schaffen, aber so ne schöne Bergtour soll ja kein Kampf sein. 

    Der gesicherte Steig entlang der Fliswand ist so fordernd, wie ich ihn in der Erinnerung hatte. Auch hier ist der größte Teil stahlseilversichert. Allerdings sind die Felsen schon sehr speckig von den ganzen Wanderern und dadurch sehr rutschig. Runter gehen würde ich hier ungern. Oben angekommen, entscheiden wir uns final gegen den Altmann und beginnen mit dem Abstieg zur Zwinglipasshütte. Hier stoßen wir dann auf die initial beschriebenen Steinböcke. Ich bin mit unserer Entscheidung versöhnt, denn das letzte Mal waren die Steinböcke oben am Altmann und nicht hier unten. Irgendwann reißen wir uns los und legen die letzten Meter zur Hütte zurück. Leider sehen wir nur ein weit entferntes Murmeltier. Ich übernachte zum zweiten Mal auf der Zwinglipasshütte. Nicht nur, weil dies ein schöner Ort ist, sondern weil ich deren Konzept liebe. Die Hütte hat keinen festen Hüttenwart, sondern das Team ist immer für eine Woche vor Ort, bevor es vom nächsten Team abgelöst wird. Außerdem werden am Saisonbeginn alle Waren vom ganzen Verein zu Fuß herauf transportiert. So haben dieses Jahr 140-160 Helfer 9 Tonnen Essen auf die Hütte gebracht. Erst im Spätjahr, wenn die Vorräte zur Neige gehen, wird einmal Nachschub per Hubschrauber angeliefert. Nach dem Abendessen fallen wir beide müde ins Matratzenlager und schlafen begleitet vom Glockenläuten der Kühe ein.

    Details findest du unter meiner Tour auf Komoot.

    Von der Zwinglipasshütte über Fählensee, Widderalp und Seealpsee nach Wasserauen

    18,2 km; 740 m aufwärts; 1.820 m abwärts

    Die Nacht haben wir geschlummert wie ein Murmeltier. Gut gestärkt vom einfachen aber ausreichenden Frühstück machen wir uns auf den Rückweg nach Wasserauen. Durch die Karstlandschaft steigen wir erst leicht an, bevor der Weg abfällt zum Mutschenpass. Unterwegs laufen uns zwei Exemplare einer Rebhuhnart über den Weg. Unter ihrem speziellen Krächzen fliegen sie davon. Am Mutschenpass überlegen wir uns kurz, ob wir noch mal den Mutschen besteigen, aber entscheiden uns dagegen. Für alle Mitleser: der Mutschen lohnt sich aufgrund seiner herrlichen Aussicht hinüber nach Liechtenstein. Unterhalb des Mutschenpasses liegt noch ein ordentlicher Haufen Altschnee. Da wir über diesen Schneeblock absteigen müssen, ist dies ganz schön rutschig. Aber dank der Wanderer sind hier schon gute Stufen in den Schnee getreten. Somit kommen wir heil hinunter. Entlang der beeindruckenden Kreuzberg-Felsen wandern wir schnurstracks auf die Saxer Lücke zu. Begleitet werden wir dabei von dem Blöcken unzähliger Schafe, die im Sommer hier oben ihre Zeit verbringen. Doch nicht nur davon. Plötzlich hören wir ein Schreien und schauen nach oben. Über uns zieht ein mächtiger Greifvogel seine Runden. Die Google-Bildersuche verrät mir später, dass es ein Gänsegeier gewesen sein könnte. Was für ein hübscher Anblick dieses stolzen Vogels. Auch von der Saxer Lücke hat man einen herrlichen Blick ins Rheintal und hinüber nach Liechtenstein.

    Wir marschieren nicht weiter Richtung Hoher Kasten, sondern steigen weiter ab zum Fählensee. Die Serpentinen sind so zahlreich und schmal, dass man aufpassen muss, dass einem nicht schwindlig wird beim hinabgehen. Je weiter wir nach unten kommen, desto mehr öffnet sich das Tal, bis wir den Hohen Kasten am Talanfang sehen können. Im Hintergrund erheben sich die Felsen der Dreifaltigkeit. Vor Jahren wurde über diese Felswände in einem EOFT Film berichtet. Ich kann mich noch gut an den Kletterer erinnern, der sich eine dieser Wände damals erkämpft hat. Wir genießen den Blick über den Fählensee und marschieren weiter. Der Weg führt in ein enges Tal und zieht weiter bergab. Auf halber Höhe zweigen wir ab und wechseln die Richtung. Es geht mal wieder bergan. Unser Zwischenziel die Widderalp. Hoch über dem Tal ermöglicht sie eine schöne Aussicht zurück. Wir gönnen uns ein kühles Getränk. Die Wirtin erzählt uns, dass sie im Sommer von den Bauern angestellt ist und sie zu zweit für 260 Schafe, unzählige Rinder und Milchkühe verantwortlich sind. Morgens machen sie dann Butter, bis irgendwann die Tagesgäste eintreffen. Nicht zu erwähnen die ganzen Arbeiten an den Zäunen, die im Frühjahr aufgestellt und im Herbst abgebaut werden müssen. Außerhalb der Saison packt die Freiburgerin ihre Sachen und bereist die Welt. So ein Lebensentwurf hat einen gewissen Reiz auf mich.

    Anschließend legen wir die letzten Höhenmeter zum Widderalpsattel zurück. Dort oben eröffnet sich der Blick ins Nachbartal und auf den Säntis. Wir steigen wieder ab zur Meglisalp. Eigentlich müsste ich eher schreiben: wir schrauben uns hinab, so eng zieht sich der Weg in Kurven nach unten. Plötzlich ertönt der Warnpfiff eines Murmelis. Und tatsächlich: auf einem großen Felsen sitzen zwei genau oben drauf. Sie haben wohl heute die Aussichtsloge gebucht. Vorbei an der Kapelle „Maria zum Schnee“ beginnen wir den Abstieg Richtung Seealpsee. Am tief blauen Himmel ziehen zahlreiche Gleitschirmflieger ihre Kreise. Zuerst führt der Weg eben auf der Hochfläche entlang. Doch dann wird er immer steiler und führt vorbei an den hübschen Felswänden immer näher an den See heran. Mehrere Male öffnet sich in den Bäumen eine schmale Lücke und wir können einen Ausblick des bunt schimmernden Sees erhaschen. Unten angekommen lässt Hang es sich nicht nehmen und gönnt sich eine kleine Abkühlung im See. Rund herum liegen viele Wandernde oder reine Badegäste am Ufer und genießen das kühle Nass. Bei uns meldet sich der Hunger. So umwandern wir den See bis zum gut besuchten Gasthaus Forelle. Nach einer kleinen Stärkung steigen wir auf der Touristenwanderautobahn steil zum Parkplatz Wasserauen ab. Kurz vor dem Parkplatz können wir noch einen Gleitschirmfliegen beim Landen beobachten. Zufrieden und selig von diesem hübschen Bergwochenende machen wir uns an die Heimfahrt und sind uns sicher, dass wir bald wieder in die Berge gehen.

    Details findest du unter meiner Tour auf Komoot.

    Vor zwei Jahren war ich schon mal im Alpstein unterwegs, damals bin ich über den Säntis gewandert. Details findest du unter folgenden Links:

    Warst du selbst schon mal im Alpstein unterwegs?

  • Aichelberger Traumtour

    Aichelberger Traumtour

    Nachdem ich letztes Wochenende aufgrund einer starken Erkältung nicht wandern gehen konnte, habe ich das aktuelle Wochenende umso mehr herbei gesehnt. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich eine Woche mal nicht raus kann, dann macht sich so eine Unruhe in mir breit, die muss dann immer schleunigst beseitigt werden. Uns zieht es mal wieder in den Schwarzwald. Unsere Hoffnung war, vielleicht den ein oder anderen Pilz zu entdecken. Die Bilder der Aichelberger Traumtour (https://www.schwarzwald-tourismus.info/touren/aichelberger-traumtour-a5e46c4e49) sahen hier sehr vielversprechend aus, über all saftig grünes Moos.

    Los geht es am Parkplatz des Sportplatzes von Aichelberg. Kaum losgelaufen entdeckten wir den Grund, warum unser Tempo auf dieser Wanderung sehr viel niedriger als sonst war. Aichelberg befindet sich ganz in der Nähe des Ortes Enzklösterle. Rund um Enzklösterle kann man auf dem Heidelbeerweg wandern. Und genau diese Heidelbeeren bremsen uns heute aus. An vielen Stellen erheben sich am Wegesrand zahlreiche mannshohe Heidelbeersträucher. Oft sind diese schon abgeerntet, aber wir finden auch noch Büsche, wo die größeren Früchte auf uns warten und so stoppen wir oft, um zu naschen oder für zuhause zu sammeln. 

    An großen Blüten tummeln sich hier noch zahlreiche Schmetterlinge, die leider auch immer seltener werden. Der Weg ist im positiven Sinne wenig aufregend, dafür super entspannend und zeigt die schönste Seite des Schwarzwalds. Herrliche Wälder, kleine Bäche und sehr viel Moos. Allerdings ist das Moos hier aktuell schon super trocken, es wird Zeit, dass es mal wieder gut regnet. Aus diesem Grund entdecken wir auf der ganzen Tour auch nur 1-2 Pilze. 

    Der erste Abschnitt verläuft auf schmalen Pfaden durch diese schönen Mooswälder gesäumt von Heidelbeeren. Wir machen einen kurzen Abstecher zur Pumpstation Kälbermühle. Noch heute sichert die Pumpstation Trinkwasser für 50.000 Einwohner. Im Anschluss folgen wir dem idyllischen Kälberbach hinauf bis zur Kälberbachquelle. Der Weg zieht sich mal nah, mal etwas entfernt immer am schon dahinplätschernden Bach entlang. Der Bach spendet angenehme Frische. An der Kälberbachquelle gibt es mehrere Sitzmöglichkeiten. Außerdem gibt es ein Zwitschern-Häusle, gegen eine Spende kann man sich hier einen Schnaps gönnen. 

    Wir marschieren weiter hinauf zum Fluggelände Hausäcker, wo gerade ein Modellflugzeug in der Luft Pirouetten dreht. Der Weg führt am Ortsrand von Aichelberg entlang bis Gottscheer Brunnen. Hier erinnert eine Tafel an die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus der ehemaligen Sprachinsel Gottschee. Am Schützenhaus vorbei geht es hinab zur Kleinenzquelle. Auch hier wartet ein Zwitscher-Häusle auf Schnapsliebhaber. Wir folgen der Kleinenz hinab bis zum Neubachstüble. Hier wurde früher das Wasser aufgestaut, um Flöße zu transportieren. Heute vertreiben sich drei Jungs den Nachmittag am kühlen Nass.

    Für uns geht es noch mal steil hinauf zurück Richtung Aichelberg. Wir erreichen Aichelberg und durchqueren den Ort entlang der Hauptstraße. Wenige Meter später kommen wir wieder am Auto an. Hast du eine schöne Wanderempfehlung für mich, die ich deiner Meinung nach unbedingt mal wandern muss?

  • Von Baden-Baden zum Geroldsauer Wasserfall

    Von Baden-Baden zum Geroldsauer Wasserfall

    17,2 km; 540 m aufwärts; 540 m abwärts

    Neue Woche, neue Tour. Da machen selbst die tropischen Temperaturen keinen Unterschied. Und geschwitzt wird sowieso. 😜 Aber gerne durfte es etwas mit nem kühlenden Bach sein. Da passt doch eine Tour zum Geroldsauer Wasserfall wie die Faust aufs Auge. Allerdings reizt uns nicht nur die Strecke vom Parkplatz 3 m zum Wasserfall, sondern wir machen eine größere Tour von Baden-Baden aus.

    Schon zu Beginn dürfen wir das angenehme Leben in Baden-Baden kennenlernen. Wir umrunden die Klosterwiese. In der Ferne können wir die Ruine des Schlosses Hohenbaden und den Merkur sehen. Auf schmalen Pfaden verlassen wir die Stadt. Der Wald wird uns die nächsten Kilometer schönen Schatten spenden. In leichtem Auf und Ab bewegen wir uns Richtung Geroldsau. Als ich denke, wir müssten doch auch ein paar Himbeeren finden, kommen wir tatsächlich wenig später an einigen Büschen vorbei. Ich liebe es, die Früchte der Natur zu naschen.

    Die meiste Zeit wandern wir auf dem Panoramaweg, doch von Panorama ist nicht allzuviel zu sehen. Der kleine Panorama-Liebhaber in mir findet das sehr schade. Der Wanderparkplatz für den Wasserfall ist bis auf den letzten Platz voll. Das ist leider bei solchen Spots so, da muss man durch. Wir wandern zuerst oberhalb des Grobbachs zum Bütthof. Hier gönnen wir uns ein kühles Weizen.

    Nun folgt der schönste Abschnitt: zuerst der schöne Wasserfall und danach direkt am idyllischen Grobbach entlang zurück nach Geroldsau. In der Hitze des Tages suchen viele Besucher Kühlung direkt im Bach. Sogar unter dem Wasserfall duschen Menschen. Manchmal kann man echt nur den Kopf schütteln. Sobald wir Geroldsau erreichen, haben wir wieder unsere Ruhe. Auf einsamen Pfaden wandern wir über das Schloss Seelach zurück nach Baden-Baden. Kurz vor dem Erreichen des Autos statten wir der Cistercienserinnen-Abtei Lichtenthal noch einen kleinen Besuch ab.

    GPS-Track: https://www.komoot.com/de-de/tour/3054872818

  • Wanderwochenende im Allgäu

    Wanderwochenende im Allgäu

    Letztes Jahr habe ich das Allgäu mit seiner Mischung aus saftig grünen Bergflanken und schroffen Gipfeln lieb gewonnen. Nach der sonnigen Wettervorhersage hat es uns mal wieder Richtung Oberstdorf gezogen. Und erwartet eine Mischung aus bekannten und unbekannten Wegen.

    Große Runde über die Burglhütte von Balderschwang

    Manche von euch erinnern sich vielleicht noch an meine Etappe des Nord-Süd-Trails über die Nagelfluhkette bei Balderschwang. Damals waren wir von den schmalen Wanderpfaden durch die herrliche Bergwelt sehr begeistert. Hang hatten es vor allem die Pilze angetan. Deshalb wollte sie unbedingt mal wieder ne Runde hier drehen. Nach den regnerischen Tagen in letzter Zeit war endlich mal wieder ein sonniges Wochenende vorhergesagt. Also nichts wie los ins Oberallgäu.

    Unsere Fahrt zum Wanderparkplatz wurde leider von einem Almauftrieb verlangsamt. Im Schritttempo folgen wir der Kuhherde auf 2 km. Noch liegt die Bergwelt komplett von Wolken verhangen. Das ändert sich aber schnell und wir können den ganzen Tag Sonnenschein genießen. Auf dem Fahrweg laufen wir ein gutes Stück Richtung Balderschwang. Am Fluss Bolgenach biegen wir auf einen schönen Weg ab, der uns zur Lappachalpe bringt. Von dort folgen wir unserer geplanten Route. Nach einem Stück müssen wir feststellen, dass der Weg gar nicht mehr existiert. Wir drehen um und gehen einen anderen Weg weiter nach oben.

    Über die untere und obere Galtburstalpe wandern wir hinauf auf den Burstkopf. Vom Anstieg haben wir ein geniales Bergpanorama. Genau deshalb sind wir hier. Es geht auf demselben Weg wieder runter vom Burstkopf und wir marschieren weiter zur Burglhütte. Dort stillen wir unseren Durst und Hunger. Sie liegt inmitten von saftig grünen Almen. Das Läuten der Kuhglocken wirkt beruhigend. Und es sind nicht irgendwelche Kühe, sondern die von heute Morgen. Wir haben den Kuhtreiber auf der Terrasse wiedererkannt und mit ihm gesprochen.

    Gut gestärkt machen wir uns an den Weitermarsch. Es geht gleich wieder hoch zum nächsten Gipfel, den Feuerstätterkopf. Da geht es noch mal ganz schön steil hinauf. Aber von oben genießen wir das herrliche Panorama ins Balderschwanger Tal. Und da wo es hoch geht, geht es auch wieder runter und zwar ebenso steil. Sobald wir die Bäume verlassen, genießen wir den Blick über die Bergwelt Richtung Hohen Ifen. Wir wollen aber noch mal da wandern, wo wir damals entlang kamen. Also geht es für uns weiter hinauf zum Hochschelpen. An das Panorama kann ich mich noch gut erinnern.

    Von hier oben geht es dann in entgegengesetzter Richtung zu damals auf diesem herrlichen Weg zum Gelbhansekopf. Über einen schmalen Pfad, der von den Kühen nicht gerade verbessert wurde, wandern wir hinab zurück zum Wanderparkplatz. Wenige Meter davor kehren wir aber noch in das Restaurant im neuen Hotel Wald&Wiesn ein. Sehr zu empfehlen.

    Breitachklamm-Panorama-Runde

    Gestern verbrachten wir noch einen herrlichen Abend mit Kühen, bevor wir uns dann irgendwo im Auto schlafen legen. Heute Morgen hatte sich dann die Wettervorhersage geändert, es sollte evtl. regnen, aber starke Winde geben. Aber erst mal zu nem Bäcker. Das Navi teilte uns unerwartet mit, dass das Balderschwanger Tal aufgrund eines Radrennens gesperrt sein. Oh nein! Als wir die Hauptstraße erreichen, sieht es aber noch frei aus. Nach ein paar Kilometern ist die Straße aber tatsächlich gesperrt. Als wir näher kommen, winkt uns die Feuerwehr aber durch! „Beeilt euch, wir machen gleich die Straße komplett dich“ Glück gehabt!

    Tatsächlich sind rund um Oberstdorf die Berggipfel unter dunklen Wolken. Das ist uns zu heiß, so fällt die Gipfelrunde über das Rubihorn für dieses Wochenende aus. Gut, dass ich Alternativen hatte. Schon öfter wollte ich mal durch die Breitachklamm. Bis heute hat dies aber leider nie geklappt. Da wir früh dran sind, ist es auch noch super leer. Über 1,3 Kilometer hat sich die Breitach hier in ihr Tal gegraben. 1995 gab es einen Felssturz in der Schlucht, wodurch ein See aufgestaut wurde. Ein Jahr später bricht der Damm und eine bis zu 35 m hohe Welle drückt sich durch die engsten Stellen der Klamm. Dabei wurde der Weg großflächig zerstört. Wir lassen uns von der Gewalt des Wassers in den Bann reißen. Je höher wir kommen, desto enger und tiefer wird die Schlucht. Auch einen kleinen Wasserfall gibt es, der von mehreren Zuflüssen gespeist wird. Nach oben hin wird die Klamm dann wieder weiter. Uns hat sie sehr gut gefallen.

    Wir wandern weiter entlang der Breitach. So erreichen wir die Grenze zu Österreich und betreten das Kleinwalsertal. Wir drehen aber nur eine kurze Schleife, steigen eine Steilstufe nach oben und kommen wieder zurück nach Deutschland. Passenderweise geht es mit dem Weg gleich bergab. Ob es hier Parallelen zum Land gibt?! Auf dem Fahrweg laufen wir nun zurück Richtung Parkplatz. Immer wieder ergeben sich hübsche Panoramen ins Kleinwalsertal. Weithin reckt der Große Widderstein seinen Kopf in den Himmel.

    Wir kommen an zwei Almhütten vorbei. Bei der ersten können wir noch widerstehen. Bei der zweiten, der Alpe Dornbach, kehren wir dann doch kurz ein. Hier hat man nicht nur einen genialen Ausblick, die haben auch einen richtig leckeren Zitronen-Kaiserschmarrn. Die letzten Minuten müssen wir dann nur noch zurück ins Tal rollen. Eine sehr schöne, bildgewaltige Tour.

  • Wanderausflug zum Bodensee

    Wanderausflug zum Bodensee

    Eine Woche sind wir nun schon zurück aus der Türkei. So langsam jucken wieder die Beine, Zeit in der Natur zu verbringen. Deshalb haben wir uns zwei schöne Touren in der Nähe des Bodensees ausgesucht. Die Nacht haben wir dann im Auto geschlafen. Somit lohnen sich auch etwas längere Anfahrten. Details zu den beiden Touren findet ihr unten oder bei Komoot.

    DonauWelle Eichfelsen-Panorama

    Schon lange hatte ich mal vor, in diese Region der Schwäbischen Alb zu fahren, um dort die schönen Touren zu erkunden. Gut, dass wir nach einer Woche Arbeit wieder Sehnsucht nach Natur hatten und ein paar freie Tage anstanden. Also nix wie ab ins Auto und Richtung Sigmaringen. Wir parken auf dem Wanderparkplatz Irndorf und starten von hier unsere Wanderung. Es ist mal wieder schön, hier in Deutschland wandern zu gehen. Gerade weil aktuell alles so saftig grün ist. Gleich zu Beginn kommen wir an den Aussichtspunkt, dem die Tour ihren Namen verdankt. Vom Eichfelsen hat man ein herrliches Panorama über die hier noch wild dahin fließende Donau und den wunderschönen Felsen am Talrand.

    Auf der gegenüberliegenden Seite erhebt sich Burg Wildenstein auf ihrem Felsplateau. Dahin geht es als nächstes. Das heißt aber erst hinab ins Tal der Donau und auf der anderen Seite wieder hinauf. Vorbei am Leibertinger Tobel schrauben wir uns den Hang hinauf. Ganz schön schweißtreibend. In der Burg Wildenstein befindet sich heute eine Jugendherberge und eine nette Burgschänke. Für uns noch ein wenig früh. Also gehen wir noch ein Stück weiter. Am zugehörigen Parkplatz sind gerade Ranger und geben zahlreiche Infos zur Tierwelt. Mit dabei haben sie einen ausgestopften Biber. Krass, welch weiches Fell Biber haben. Hätte ich nicht gedacht. Nebenan ist auch ein Pavillon, der über Luchse informiert, sehr spannend.

    Für uns beginnt jetzt der angenehme Abstieg zum Kloster Beuron. Das Kloster ist weithin bekannt und hat eine lange Tradition. Heute beherbergt es ungefähr 40 Mönche. Wir besichtigen die im Innenraum wunderschön gestaltet Kirche. Anschließend kehren wir auf der anderen Straßenseite im Café Drahtesel ein. Gut gestärkt sind wir bereit für die letzten Kilometer. Vom Tal geht es gemächlich Meter um Meter nach oben. Nach zahlreichen Kurven erreichen wir bei der Burg Spaltfels eine grandiosen Aussichtspunkt über das Tal rund um Beuron.

    Von hier ist es nicht mehr weit zu unserem Ausgangspunkt. Bevor wir am Parkplatz ankommen, gehen wir noch zum Aussichtspunkt Rauher Stein, der noch mal ein geniales Panorama bietet. Mein Fazit: eine herrliche nicht zu anspruchsvolle Tour mit genialen Ausblicken. Danach lohnt sich ein Besuch von Sigmaringen mit seiner hübschen Altstadt.

    Durch die Marienschlucht

    Die Marienschlucht am Bodensee war aufgrund eines Todesfalls nach einem Erdrutsch 10 Jahre lang geschlossen. Seit 2-3 Monaten ist sie nun wieder eröffnet. Als wir davon hörten, wollten wir uns diese sehr gerne anschauen. Da die Schlucht an sich nicht sehr lang ist, habe ich eine kleine Rundtour gebastelt. Diese haben wir uns für heute vorgenommen.

    Die Nacht haben wir im Auto geschlafen und nach einem Bäckerbesuch am Morgen sind wir die restlichen Kilometer an den Bodensee gefahren. Geparkt haben wir am Wanderparkplatz Eulenbach oberhalb von Wallhausen. Die ersten Kilometer verlaufen recht unbeeindruckend. Der breite Weg verläuft durch schönen Wald. Immer wieder tangieren wir den Golf-Club Konstanz. Wir laufen durch den Bestattungswald Waldruh. Ich finde die Idee dieser Bestattungswälder sehr schön. Immer wenn ich diese durchschreite, kehrt eine Ruhe in mir ein. Aber sie beschweren mich auch, da ich an Verstorbene denke oder an alle, die mir wichtig sind und die früher oder später nicht mehr da sein werden.

    Nach der Runde durch diesen Wald gelangen wir zu den Hauptgebäuden des Golfplatzes und wenige Meter später zum Wanderparkplatz der Marienschlucht. Das Tagesticket des Parkplatzes kostet aktuell 6 €. Wir hatten nach dem ganzen Hype um die Schlucht ganz schön große Erwartungen. Aber ich bin ehrlich: die Schlucht hat auf ganzer Linie enttäuscht. Es wurde sooo viel Stahl verbaut, dass der natürliche Charakter komplett verloren gegangen ist. Man nimmt nur noch glänzenden Stahl wahr, sieht von der Schlucht selbst aber nicht mehr allzu viel. Sehr schade.

    Der weitere Weg hat uns da um einiges besser gefallen. Der Seegang führt schön am Ufer des Bodensees entlang. Auf meiner Wanderung auf dem Nord-Süd-Trail bin ich schon ein Stück des Seegangs gelaufen. Aber hier verläuft dieser durch idyllische Natur. Schöne Pfade und vorbei an keinen natürlichen Schluchten. Immer wieder hat man schöne Ausblicke über den See und kleine Buchten laden zum Verweilen ein.

    Spontan haben wir auf dem Heimweg dann noch meine Freunde besucht, die mich auf der Deutschland Wanderung auch schon als Trail Angel verwöhnt hatten. Es war auch dieses Mal ein herzliches Wiedersehen. 🥰 Danke euch beiden!

  • Istanbul – Tag 5: Abschied in Kadiköy

    Istanbul – Tag 5: Abschied in Kadiköy

    So langsam bekommen wir Torschlusspanik. Unser Abschied aus der Türkei naht. Was haben wir noch nicht erlebt, was wollen wir unbedingt noch essen? Aber das ist nicht das Schlimmste. Ab Montag wird wieder gearbeitet. Leider. Die fünf Wochen vergingen wie im Flug. Aber wenn ich so Revue passieren lasse, was wir alles erleben konnten, war das echt ne geniale Zeit. Heute Morgen haben wir ein neues Frühstückslokal in der Nähe des Taksim-Platzes ausprobiert. Sehr lecker. Danach sind wir durch eine unserer Lieblingsgassen zum Pier in Karaköy gelaufen, um mit der Fähre wieder nach Asien, heute nach Kadiköy zu fahren. Bei der Überfahrt haben sich sogar Delfine gezeigt. Ich liebe diese Tiere einfach.

    Als wir das Boot verlassen, hören wir am Hafen eine Kapelle spielen. Als wir näher kommen, sehen wir Musikanten in Uniform heftig trommeln. Scheinbar irgendwas historisches. Schöne Stimmung. Kadiköy wurde wie lle Hotspot der asiatischen Seite, geprägt von einer liberalen Atmosphäre, studentischem Leben und einer vielfältigen Kulturszene. Wir landen gleich in den Gassen voller Cafés und kleinen Restaurants. Auch Pubs reihen sich aneinander. Sicherlich ist hier abends gut was los. Wir begeben uns wieder an die Küste und laufen ein Stück direkt am Wasser entlang. Hier haben wir eine freie Sicht aufs Marmarameer. Am Horizont sammeln sich die großen Frachtschiffe vor der Küste Istanbuls.

    Über einen weiten Bogen kehren wir wieder ins Zentrum zurück. Am Fischmarkt essen wir noch mal ein leckeres Fischbrötchen, allerdings kann es nicht ganz mit dem Fisch-Dürüm des ersten Tages mithalten. Das Yeldeğirmeni Viertel wurde mit seinem Murals, Kunstgalerien und nostalgischen Cafés angepriesen. Das schauen wir uns doch auch noch mal aus der Nähe an. Ein Café lädt uns zu einer längeren Pause ein. Einfach verweilen und das Treiben in den Gassen beobachten… bis zum Abendessen ist es noch ne Weile. Wir hatten in den Tagen hier in Istanbul noch gar keine süßen Leckereien. Also kaufen wir ein paar Baklava (oder ähnliches) und Lokum-Rollen und setzen uns in die Sonne am Ufer des Hafens. In der Ferne hören wir den Knall eines Düsenjets. Dieser kreist ewig über Sultanahmet und macht allerlei Flugmanöver.

    Da wir kein interessantes Restaurant in Kadiköy finden, fahren wir zurück nach Karakoy, laufen noch ein finales mal die Einkaufsstraße Richtung Taksim und gehen in ein Iskender Kebap Restaurant, noch so ein Ding, was ich ausprobieren wollte. Zum Abschluss gehen wir noch mal in unser Pub, trinken ein Efes und nehmen Abschied von der Stadt.

  • Istanbul – Tag 4: Üsküdar

    Istanbul – Tag 4: Üsküdar

    Istanbul besteht aus einem europäischen und einem asiatischen Teil. Der Bosporus, als Verbindung zwischen Marmarameer und Schwarzem Meer, bildet die Grenze zwischen den beiden Teilen. Ursprünglich wurde Istanbul nur auf der europäischen Seite angesiedelt. Mit dem osmanischen Reich wurde Istanbul mit Üsküdar und Kadiköy auf die asiatische Seite expandiert, um beide Seiten des Bosporus als wichtige Handelsstraße zu kontrollieren. Bislang waren wir ja nur auf der europäischen Seite Istanbuls. Das wollten wir heute ändern. Aber wir gingen den Tag ganz gemütlich an. Mittlerweile lieben wir Menemen zum Frühstück. Dies ist ein beliebtes Frühstücksgericht in der Türkei und besteht hauptsächlich aus Eiern, Tomaten und grünen Paprikaschoten. Wir lieben es in der Variante mit Sucuk.

    Dann fahren wir das erste Mal mit der Fähre. Vom Hafen in Kabatas setzen wir über nach Üsküdar. Hier spazieren wir entlang einer Strecke aus einen Reiseführer. Ein gutes Stück gehen wir an der Küste entlang. Auch hier folgen die Einheimischen Fell den beliebten Hobby Angeln. Überall hängen Angeln im Wasser. Im Unterschied zur anderen Seite sind hier die Eimer aber alle voll mit kleinen Fischen. Das ufernahe Wasser wird aber von zahlreichen Quallen beherrscht. Wir kommen am historischen Leuchtturm, dem Leanderturm, vorbei. Dieser steht unweit der Küste vorgelagert auf einer kleinen Insel. Wie genießen das Treiben auf der Promenade und knabbern Sonnenblumenkerne, ein weiteres beliebtes Hobby bei Einheimischen. Von hier haben wir auch eine herrliche Sicht auf die Hauptsehenswürdigkeiten wie Topkapi, Hagia Sophia und Blaue Moschee auf der anderen Seite des Bosporus.

    Wir verlassen die Küste und drehen eine größere Runde durch den Stadtteil, sehen aber wenig reizvolles. Erst als wir uns wieder dem Hafen nähern, finden wir 1-2 belebtere Straßen mit unzähligen Restaurants. Hier stoppen wir an einem kleinen Imbiss und essen mal wieder ein Köfte-Brötchen. Abends sollte man Kokorec essen. Das sind gefüllte Schafdärme, aber irgendwie trauen wir uns da nicht ran. Im Anschluss fahren wir zurück na ch Beyoglu. Auf dem Rückweg gehen wir an einem Hamam in der Nähe vorbei. Allerdings haben sie spontan keine weibliche Masseurin für Hang, deshalb fällt ein letzter Besuch im Hamam leider aus. Zum Abendessen sind wir gezielt zu einem Ocakbasi: ein traditionelles, einzigartiges Gastronomiekonzept der türkischen Grillkultur. KI hat uns ein gutes und preiswertes Restaurant empfohlen. Das Fleisch war einfach köstlich. Dazu haben wir einen Salgam getrunken, fermentierter Steckrübensaft. Ehrlich gesagt war das nicht unser Favorit. Zum Abschluss sind wir noch mal in unser Pub gegangen. Langsam blasen wir hier Trübsal, morgen steht unser letzter ganzer Tag in der Türkei an.

  • Instanbul – Tag 3: Topkapi-Palast

    Instanbul – Tag 3: Topkapi-Palast

    In Beyoglu gibt es echt unzählige sympathische kleine Restaurants und Läden, das gefällt uns unglaublich gut. So haben wir heute Morgen in einem italienischen Café gefrühstückt, eine willkommene Abwechslung. Und zumindest der Kaffee war perfekt. Die wartete unsere letzte geplante große Sehenswürdigkeit auf uns, der Topkapi Palast. Als wir vor dem Eingangstor ankommen, steht schon eine gute Menschentraube davor. Um 9:30 hätte er eigentlich schon eine halbe Stunde offen sein sollen. Wir erfahren, dass erst um 10:30 geöffnet wird. Hmpf, na gut. Drinnen dann noch mal an der Kasse anstehen. Man kann zwar ein Ticket vorher online kaufen, aber dann wäre der Harem nicht inkludiert. Aber irgendwann kommen auch wir rein.

    Der Topkapi-Palast war jahrhundertelang das Wohn- und Regierungszentrum der osmanischen Sultane. Er wurde ab 1459 errichtet. Heute zählt der Palast zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Nehmt euch für einen Besuch unbedingt Zeit. Um es vorweg zu nehmen: wir kamen kurz vor vier Uhr wieder raus. Man muss auch im Palast immer mal wieder anstehen. Die Touristenmassen kann man nicht immer ganz vermeiden. Es gibt verschiedene Bereiche, die man sich nach und nach anschauen kann.

    Wir beginnen unseren Besuch im Küchenquartier. Hier findet man viel Geschirr und Utensilien, vielfach aus China. Dann steuern wir den Harem an: Das prunkvolle, private Wohnquartier des Sultans, seiner Familie und der Konkubinen. Auch die Wohnquartiere der Eunuchen befanden sich hier. Ein riesiger Abschnitt. Weiter geht es mit den heiligen Reliquien, eine Ausstellung historisch und religiös bedeutender Artefakte, darunter Besitztümer des Propheten Mohammed. Unter anderem sollen hier auch Fußabdrücke von diesem ausgestellt sein. Ebenso das Schwert Davids, das er im Kampf gegen Goliath getragen haben soll. Immer wieder kreuzen wir einen der vier riesigen Innenhöfe mit ihren hübschen Pavillons. Von diesen hat man herrliche Ausblicke auf das goldene Horn und den Bosporus. Abschließend bewundern wir die kaiserliche Schatzkammer, Heimat weltberühmter Schätze wie dem diamantbesetzten Topkapi-Dolch und dem legendären Löffelmacher-Diamanten. Kurz bevor wie den Palast verlassen, biegen wir noch ins Uhrenmuseum ab. Mit enthalten im Ticket ist auch die Hagia Irene, die älteste byzantinische Kirche Istanbuls. Sie wurde nie in eine Moschee umgewandelt. Danach heißt es aber wirklich Feierabend. Wir sind hungrig.

    Als wir wieder auf die Straße kommen, ist alles voller Menschen, scheinbar fährt gerade die Tram nicht und jeder ist zu Fuß unterwegs. In einem Imbiss nehmen wir ein Dürüm-Menü. Nach der ganzen Kultur hatten wir richtig Heißhunger. Durch den Park unterhalb des Topkapi Palastes spazieren wir hinunter Richtung goldenes Horn. Im Park tummeln sich nicht nur Einheimische sondern auch zahlreiche Papageien. 🦜 Unten am Wasser ist die Hölle los. Unser Ziel: der Sonnenuntergang von der Galatabrücke. Mit einem Efes und dieser herrlichen Stimmung geht Tag 3 zu Ende.

  • Istanbul – Tag 2: Moscheen und Basare

    Istanbul – Tag 2: Moscheen und Basare

    Der heutige Tag beginnt mit einer Fahrt durch die Stadt. Für alle öffentlichen Verkehrsmittel bietet sich die Istanbulkart an, die man einmal erwirbt und dann mit Geldbeträgen aufladen kann. Mit Bus und Bahn fahren wir in den Stadtteil Sultanahmet. Wer sich in Istanbul auskennt, ahnt es vielleicht schon, wir besuchen die Hagia Sophia. Diese ist eines der bedeutendsten architektonischen Meisterwerke der Welt. In ihrer 1.500 Jahre alten Historie war sie früher Kirche, dann Moschee, zwischenzeitlich Museum und wird seit 2020 wieder als Moschee benutzt. Im Innenraum verschmelzen christliche Mosaike harmonisch mit riesigen osmanischen Medaillons, die arabische Inschriften tragen. Leider wird dieses Bauwerk aktuell restauriert, weshalb es großflächig eingerüstet ist.

    Direkt nebenan befindet sich eine weitere imposante Moschee, die blaue Moschee. Ihren weltbekannten Spitznamen verdankt sie den mehr als 21.000 blau-weißen Kacheln, die die Innenwände und Kuppeln im oberen Teil verzieren. Als eine der wenigen Moscheen weltweit besitzt diese 6 Minarette. Von den Moscheen schalten wir nun um auf Basare. Zeitgleich mit der blauen Moschee wurde direkt unterhalb der Arasta Basar gebaut. Noch heute gilt dieser als Geheimtipp. Wir probieren einige Tees und kaufen Granatapfeltee. Über das Hippodrom und weitere Moscheen erreichen wir den Großen Basar. Dieser ist einer der größten und ältesten überdachten Basare der Welt. Er bildet sich aus 60 Gassen mit 4.000 Geschäften. Hier findet man alles was Kleidung angeht. Nach einer kleinen Stärkung spazieren wir weiter zum Ägyptischen Basar. Dieser bietet hauptsächlich Gewürze und regionale Süßigkeiten. Hunderte Aromen steigen einem hier in die Nase. Ein Fest für die Sinne.

    Das alles macht müde und wir kehren für wenige Stunden in unsere Wohnung zurück. Bevor wir zum letzten Programmpunkt des Tages noch mal nach Sultanahmet fahren, ändern wir den Speiseplan und gehen nepalesisch essen. Die Momos sind eine willkommene Abwechslung. Die letzte Sehenswürdigkeit heute ist die Basilika Zisterne, auch der versunkene Palast genannt. Sie ist der größte und beeindruckendste antike unterirdische Wasserspeicher in Istanbul. 336 Marmorsäulen tragen das Gewölbe. Abends gibt es ein Abendprogramm mit spezieller Illumination. Genau das wollen wir uns ansehen. Schon beeindruckend schön anzusehen. Sobald wir das Gebäude verlassen, ist es dunkel und die blaue Moschee ist wunderschön illuminiert.

  • Istanbul: Beyoglu und Karaköy

    Istanbul: Beyoglu und Karaköy

    Gerade endet unser erster voller Tag in Istanbul. Gestern Abend sind wir spät in unserer Wohnung angekommen, die wir bis Ende der Woche gebucht haben. So ohne wandern kann man einfach mal in den Tag rein leben, auch schön. Nach dem Aufwachen begeben wir uns zu Fuß auf den Weg Richtung Frühstück. Zu Beginn müssen wir uns erst mal in der Stadt zurecht finden. Wir steuern einen sehr gut bewerteten Börek Laden an. Wir testen gleich alle möglichen Varianten: süß, Käse, Spinat und Fleisch. Am Ende sind wir ganz schön voll. Danach lassen wir uns einfach fast planlos durch die Stadt treiben. Von der großen Einkaufsstraße nahe des Taksim Platzes spazieren wir mal links, mal rechts in die Gassen und Sträßchen und erobern so die Stadtteile Beyoglu und Karaköy. Wir entdecken Kirchen, zahlreiche kleine Cafés und Geschäfte mit süßen Leckereien.

    Erstes Ziel ist der Galataturm. Von oben hat man einen herrlichen Panoramablick über das goldene Horn, den Bosporus und die historische Halbinsel mit ihren zahlreichen Moscheen. Im Anschluss gehen wir ans Wasser hinunter. Dort fliegen unzähligen Möwen und es riecht überall verführerisch nach Fisch. Wir kommen an einem kleinen Fischmarkt vorbei und können den Fischen nicht widerstehen. Wir gönnen uns Sardellen und einen sagenhaften Fischdürüm.

    Den Nachmittag verbringen wir rund um den Taksimplatz mit seiner beeindruckenden Moschee. In einem Café versuchen wir eine Wasserpfeife, hier Hookah genannt. Die Recherche nach den Streetfood-Buden am Taksim hatte ergeben, dass man unbedingt Nasse Burger essen muss. Diese kleinen Burger werden in einer knoblauchlastigen Sauce getunkt und warmgehalten, weshalb sie eben nass sind. Aber extrem lecker. Den Abschluss des Tages verbringen wir nochmals an der Wasserkante und beobachten das wilde Treiben auf dem Bosporus. Wir sind gespannt, was die kommenden Tage noch so bringen.

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