Autor: Jan Rumig

  • Warmlaufen zum Leuchtturm von La Revellata

    Warmlaufen zum Leuchtturm von La Revellata

    Wir starten den Tag gemütlich mit Frühstück in einer Bäckerei. Bäckereien sind in jedem Land eine gute Option, die lokalen Gepflogenheiten zu spüren. Denn beim Bäcker ist meistens was los und man kann die Leute einfach mal beobachten. Gut gestärkt machen wir uns auf zu einer kleinen Wanderung zum Warmlaufen.

    Wer mich kennt, der weiß, dass ich die Füße nicht lange stillhalten kann. Aus mehreren Optionen entscheiden wir uns für die Küstenwanderung zum Leuchtturm von La Revellata. Unweit unseres Hotels biegen wir ab auf einen schmalen Wanderpfad, der uns immer oberhalb der fesligen Küste entlangführt. Was liegt da vor der Küste vor Anker? Ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Das erklärt die zahlreichen Busse, die gerade auf dem Weg in den Hafen waren: Touristenmassen verteilen. Wir umwandern den Hügel und können schon das Ziel des heutigen Tages erblicken: der Leuchtturm erhebt sich am anderen Ende der Bucht. Wir lassen den Blick entlang der herrlichen Felsküste schweifen. 

    Gestern haben wir noch vom Strand U Roncu gelesen, den plötzlich idyllisch vor uns liegt. Wir können nicht widerstehen, ziehen die Wanderklamotten aus und lassen unsere Körper ins angenehm kühle nass gleiten. Immer wieder kommen kleine neugierige Fische zu uns. Sogar kleine Krebschen knabbern an Hangs Füßen. Nach dieser Abkühlung geht es beschwingt weiter. Der schmale Pfad des Sentier du Littoral führt uns in leichtem Auf und Ab oberhalb der Küste entlang und bietet immer wieder geniale Blicke über das türkisfarbene Wasser. 

    Am Plage de l’Alga liegen hübsche Segelschiffe in der Bucht. Der Strand wird seinem Namen gerecht, um ins Wasser zu kommen, muss man sich durch kniehohe angeschwemmte Algen kämpfen. Wir passen und nehmen Kurs auf den Leuchtturm. Der Weg wird voller. Entlang zahlreicher schöner kleiner Strände und Buchten nähern wir uns schrittweise immer weiter dem Leuchtturm. Die Sonne macht uns zu schaffen, es ist gut heiß. Doch bald stehen wir vor dem Turm und machen hier am Wendepunkt eine Pause. Heute ist eine herrlich klare Sicht. Wir sehen in der Ferne sogar das Cap Corse, den Finger Korsikas.

    Den Rückweg gehen wir auf dem Fahrweg zurück, ein bisschen Abwechslung. So entdecken wir von oben eine andere herrliche Bucht. Auch hier liegen schon ein paar Segelschiffe. Wir kommen noch mal am Algenstrand vorbei. Aber auch von hier zweigen wir bald wieder ab und verlassen den Küstenweg. So kommen wir schnell auf die Straße, die uns zurück ins Hotel führt.

    Weitere Details zur Tour findest du auf Komoot.

  • Ankunft auf Korsika

    Ankunft auf Korsika


    Mitten in der Nacht geht es für uns los. Unser Flug geht um 7 Uhr von Straßburg. Aber sobald wir in Calvi eine Stunde später aus dem Flieger steigen, sind die Mühen vergessen. Hinter dem Flughafen steigen die Berge steil nach oben. In zwei Tagen werden wir diese besteigen. Heute werden sie die meiste Zeit in Wolken gehüllt bleiben. Mit dem Taxi fahren wir ins Zentrum der Stadt. Wir laden die Rucksäcke im Hotel ab und lassen uns treiben.

    Während wir den ersten Kaffee in einem kleinen Straßencafé genießen, beobachten wir einen Hund, wie er mehrmals genüsslich seinen Hintern an der gegenüberliegenden Mauer reibt. Links rum, dann rechts rum, mal kurz riechen und dann das Ganze von vorne. Auch irgendwie beruhigend. Unser erster Abstecher gilt der Zitadelle. Die Festungsanlage erhebt sich mächtig über den Hafen. Hier wurde angeblich Christoph Kolumbus geboren. Während wir uns in den Gassen immer weiter nach oben bewegen, genießen wir den Ausblick auf den Hafen und die Bergwelt. Irgendwie fühlen wir uns an Nizza erinnert, nur in sehr viel kleinerer Ausführung. Zahlreiche schnuckelige kleine Cafés und Restaurants stecken verführerisch ihre Arme nach uns aus. 

    Sobald wir die Festung verlassen, decken wir uns beim Bäcker mit Nahrung ein und genießen sie mit Blick auf den Hafen. Der sehenswerte Teil Calvis beschränkt sich auf 3-4 hübsche Straßen und Gassen. Direkt an den Hafen grenzt der langgezogene Stadtstrand, der den größten Teil der Bucht umrundet. Im Hafen liegt aktuell die 56m lange Yacht Galaxy eines amerikanischen Videospiel Unternehmers. Diese kann man für 300.000€ die Woche chartern… Schnäppchen. Wir laufen entlang der Schiffe und schauen Fische. 

    Am besten gefällt uns die kleine Gasse oberhalb des Hafens. Dort ist viel Trubel und kleine Bekleidungsläden wechseln sich mit Restaurants und korsischen Spezialitätenläden ab. Gerade die zuletzt genannten Lusttempel des guten Geschmacks lassen uns frohlocken. Sobald man einen dieser Läden betritt, wird man optisch und geruchstechnisch verführt. Salamis und Schinken baumeln von der Decke, Käselaibe liegen in den Kühlregalen und Weinflaschen bilden die Wände. Und das alles ergibt eine Geruchsmischung, die sofort wieder Hunger macht. Was uns am Tag immer wieder begegnet: der Korsenkopf. Das Wahrzeichen Korsikas und das Symbol dessen Unabhängigkeit.

    Am Nachmittag holt uns die Müdigkeit der Nacht ein. Doch der Hunger treibt uns dann wieder in die Gassen, ein favorisiertes Restaurant hatte Hang schon ausgesucht. Wie wir dann aber feststellen müssen: um 18 Uhr braucht man hier gar nicht zu kommen. Die meisten Restaurants machen erst um 19 Uhr auf. Wir entscheiden uns für ein korsisches 3-Gänge-Menü mit Kastanienbier. Ein leckerer Auftakt in den Urlaub. 

  • Salut, Île de Beauté

    Salut, Île de Beauté

    Sehr bald heißt es wieder Aufbruch zu einem neuen Wanderabenteuer! Schon lange habe ich diesen Weg auf meiner Wunschliste. Jetzt soll es wahr werden. Es geht auf einen der anspruchsvollsten und spektakulärsten Fernwanderwege Europas. Na, ahnst du schon, welcher Weg und welche Insel das Ziel sein wird? Wir werden den GR20 auf Korsika erwandern.

    Korsika wird auch „Gebirge im Meer“ genannt. Der Name stammt daher, dass Korsika die gebirgigste Insel im gesamten Mittelmeer ist und zahlreiche Gipfel über 2.000 Meter besitzt. Und genau über diese Gipfel erstreckt sich der GR20. Auf 16 Etappen wandert man ungefähr 180 km über das Gebirge.

    Einziger Wermutstropfen vorab: Mittlerweile muss man einen Schlafplatz an einer der Hütten vorab reservieren. Hier hat man drei Möglichkeiten: Schlafplatz in der Hütte, ein gestelltes Zelt oder sein eigenes Zelt. Wir haben uns für die Variante mit eigenem Zelt entschieden. Aber dennoch haben wir vorab schon die einzelnen Etappen vorgebucht. Da der GR20 sicherlich kein Geheimtipp mehr ist, ist dieser in den Hauptmonaten sehr überlaufen. Deshalb war es eine ganz schöne Bastelei, bis wir den Zeitraum unserer Wanderung terminiert hatten. Da die Saison Mitte September aber langsam zu Ende geht, habe ich die Hoffnung, dass es dann für uns etwas ruhiger zugeht.

    Wir werden im Norden von Calvi aus starten und fahren dann vom südlichen Ende mit dem Bus in den Norden nach Bastia zurück, um von da dann wieder die Heimreise anzutreten. Falls es die mobile Netzabdeckung erlaubt, werde ich dich wie gewohnt täglich auf mein Abenteuer mitnehmen, ansonsten hole ich das nach der Wanderung nach.

    Warst du selbst schon mal auf Korsika oder bist du sogar schon auf dem GR20 gewandert?

  • Schweizer Gipfeltouren

    Schweizer Gipfeltouren

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    Am Wochenende ging es mal wieder in die Schweiz 🇨🇭! Die letzten Wochenenden, an denen ich dies vorhatte, kam immer die Wettervorhersage dazwischen. Da ich ja schon mehrmals erzählt habe, dass ich oft im Auto schlafe, interessiert dich evtl mein Setup.

    Für mein Auto passt die Matratze perfekt bei umgeklappter Rückbank rein und ich kann mich komplett ausstrecken. Allerdings haben wir bei der ersten Übernachtung festgestellt, dass ohne offene Fenster quälend heiß wird. Daher haben wir uns noch die Netze für die hinteren Fenster bestellt. Somit können wir die Fenster öffnen, ohne von Stechmücken heimgesucht zu werden. Bei Fragen, melde dich gerne bei mir.

    Doch nun zu meinen beiden Traumtouren.

    Große Gastlosen-Tour

    20,1 km; 1.390 m Aufstieg; 1.390 m Abstieg

    Ich wollte dieses Jahr schon an mehreren Wochenenden diese Tour machen, aber immer wenn wir Zeit hatten, spielte die Wettervorhersage nicht mit. Dieses Wochenende war aber strahlender Sonnenschein vorhergesagt. Also 4 Uhr aufstehen und dann gemütlich in die Schweiz fahren. Passend, dass man am Parkplatz der Gastlosen Bergbahn auch einen offiziellen Camping-Parkplatz buchen kann, sogar mit Dusche. Richtiger Luxus heute Abend. 🥰

    Vom Parkplatz geht es erst ein Stück asphaltiert am Fluss entlang. Sobald ich Richtung Wald und Berg abbiege, wird es steil. Aber der Wald ist einfach herrlich, es hat hier scheinbar gut Niederschlag gegeben. Das Moos ist saftig. Und Hang hatte recht, sobald es ordentlich regnet, werden die Pilze aus dem Boden schießen. Ich sehe einige. Mit Hang wüsste ich, welche ich hier gerade vor mir habe. Immer wieder sprudeln kleine Bäche über den Weg. Den restlichen Weg zur Buvette des Sattels lege ich auf dem Fahrweg zurück. 

    Ab hier wird es voller. Ich mache mich auf den Weg hinauf zum Chalet du Soldat. Wie ihr an den Namen merkt, sind wir im französischen Teil der Schweiz gelandet. Im Wald liegen zahlreiche moosbewachsene Felsen, er wirkt verzaubert. Hier treffe ich auf die eigentliche Gastlosen-Tour. Heißt: jetzt wird es richtig voll. Sobald ich das Chalet du Soldat erreiche, weiß ich auch warum. Das Bergpanorama ist hier oben einfach genial. Dazu kommen noch die genialen Felsen der Gastlosen. Nicht umsonst wurde mir diese Tour empfohlen.

    Nun wird es steiler und anspruchsvoller. Aber mit jedem Höhenmeter wird die Sicht noch atemberaubender. Am Wolfs Ort wechsle ich die Bergseite und kann nur noch staunen. Im Hintergrund reihen sich die Berggipfel auf, einige Gletscher kann ich auch erahnen. Das ist der perfekte Ausblick für Kalorienzufuhr. Gut gestärkt beschließe ich, noch den Gipfel der Wandflue in meine Runde einzubauen. Wie soll es anders sein, auch hier entschädigt das Panorama für meine Mühen. Der Aufstieg ist nicht allzu schwer, manchmal darf man aber seine Hände an den Fels nehmen. Ich staune, als mir eine Frau mit ihrer kleinen Tochter entgegenkommt. Die Kleine ist aber gut bei ihr angeseilt. Schön, dass sie so von klein auf die Berge kennenlernen darf. 

    Ich bin an der Kehrtwende meiner Tour angekommen, jetzt geht es wieder Jaun entgegen. Das größte Stück laufe ich die Rückseite der Gastlosen auf unschweren Wegen meist bergab. In einer Wand kann ich Kletterer hängen sehen… Ich bin immer wieder fasziniert, selbst würde es mich eher weniger reizen. Ein Stück vor dem Chalet Grat geht es noch mal durch hübschen Wald und die letzten Meter hinauf auf einem asphaltierten Fahrweg. Mir ist es essenstechnisch noch zu früh, aber die Auswahl liest sich gut. 

    Für mich geht es jetzt meist nur bergab. Ich mache nur noch einen leider unnötigen Abstecher Richtung Bergstation, weil ich dort eine Einkehrmöglichkeit vermutete, die es dann aber nicht gab. Im Wald beobachtet mich kurz ein kleines Nagetier, bis ich aber reagiere ist es schon wieder weg. Sah aus wie ein kleiner Marder oder ähnliches. Irgendwann geht es fast kerzengerade Richtung Talstation runter. Zufrieden komme ich am Stellplatz für die Nacht an. 

    Weitere Details zur Tour findest du bei Komoot.

    Über Giferspitz und Wasserngrat

    26,2 km; 1.510 m Aufstieg; 1.500 m Abstieg

    Allein schon das Fahren über die Schweizer Pässe ist ein Traum. Wohin man auch schaut, überall feinstes Bergpanorama. Auf der Hinfahrt zum Parkplatz der Wasserngratbahn musste ich natürlich auch einen Schweizer Bäcker testen. Gut gestärkt konnte es los gehen. Die meisten Höhenmeter des heutigen Tages warteten direkt am Anfang auf mich. Schon von unten kann ich den Gipfel der Giferspitz sehen. Höhenmeter um Höhenmeter nähere ich mich. 

    Zuerst geht es fast kerzengerade über Kuhweiden, später folgt ein schöner Anstieg über den gerölligen Grat. Heute bin ich den Gletschern, die ich gestern schon erblickte zwei Täler näher gerückt. Auch kurios: in der Schweiz bewachen manchmal Lamas eine Schafherde. Die sind mir um einiges lieber als die Hütehunde. Auf der Giferspitze bin ich ganz alleine, der Rundumblick ist einfach genial.

    Es geht kurz steil bergab, bevor es dann wieder leicht bergauf zum nächsten Gipfel geht, der Lauenenhore. Und tatsächlich komme ich an der von Lamas bewachten Schafherde vorbei, doch die Lamas sehe ich nirgends. Vom Gipfel habe ich einen perfekten Blick auf den Wasserngrat, wegen dem ich eigentlich hier bin. Doch erstmal geht es sehr steil bergab, dank der Stöcke kommen die Knie damit einigermaßen zurecht. Da auf den Wasserngrat auch ne Bergbahn führt, ist der natürlich etwas voller. 

    Entlang schöner Felsformationen führt der schmale Pfad meistens in leichtem Auf und Ab mit herrlichen Aussichten oberhalb des Tals entlang. Nur einmal wird der Aufstieg etwas länger, der Weg führt direkt über die Wandeliflue. Den hätte ich bzw. meine Beine nicht mehr gebraucht. Irgendwann taucht erst das Tal auf, dann schieben sich zwei Hütten in den Blick. Die eine ist exklusiv Mitgliedern des Ski-Clubs vorbehalten, die andere wird sehr rege von den Touristen zum Einkehren genutzt. 

    Ich überlege kurz, ob ich mit der Bahn ins Tal fahre. Da aber in zwei Wochen ein neues Abenteuer auf uns wartet, können meine Beine noch ein wenig Training gebrauchen. Also steige ich die restlichen 600m auch noch ab. Nach zwei super Wanderungen kann morgen die Arbeit wieder beginnen.

    Weitere Details zur Tour findest du bei Komoot.

  • Von Schlucht zu Schlucht bei Wüstenrot

    Von Schlucht zu Schlucht bei Wüstenrot

    16,6 km; 550 m Aufstieg; 540 m Abstieg

    Heute Morgen haben wir es ruhig angehen lassen. Deshalb musste es eine Tour in der Nähe werden. Hier im Schwabenländle gibt es zahlreiche hübsche Schluchten zu erwandern. Die heutige Rundtour verbindet mehrere miteinander. Los geht es am kleinen Wanderparkplatz der Bodenbachschlucht. Kurz nach dem Start biegt der Weg auch direkt in die Schlucht ab. Auf schmalen Pfaden wandert man immer oberhalb der Schlucht entlang. Am oberen Ende der Schlucht kommt man am Parkplatz Seewiese raus. Ich laufe erstmal auf dem Fahrweg weiter. Kurz vor der Kreisstraße wechsle ich auf einen kleinen Pfad, der mich hinauf zum Steinberg führt. 

    Auf breiten Wegen geht es die nächsten Kilometer leicht bergab. Kurz vor Finsterrot verlasse ich den Wald. Auf mehreren Koppeln tummeln sich gemütlich vor sich hin grasende Pferde. Am Dachsbach wechseln wir wieder in Wald und kommen nach ein paar Metern zum Magischen Dreieck. Hier treffen die Gemarkungsgrenzen der Gemeinden Großerlach, Mainhardt und Wüstenrot aufeinander und zugleich die Grenzen der Landkreise Rems-Murr, Schwäbisch Hall und Heilbronn. Teilweise ist das Gras hier hüfthoch, der Regen hat dem Wald gut getan. Das Moos ist endlich mal wieder feucht und es riecht nach Nässe. 

    Der Weg ist nicht wirklich spektakulär, aber sehr abwechslungsreich. Von Wald auf Wiese und wieder Wald. Mal ein Bach, mal eine Schlucht. An Wiedhof vorbei geht es mal steiler runter. In der Senke entdecke ich einen kleinen Tümpel, an dem auf einer Baumwurzel zwei Zwerge platziert wurden. Dank dieser optischen Ablenkung realisiere ich erst spät, dass es sofort wieder steil hoch geht. Wir laufen nun langsam auf Neufürstenhütte zu. An der Haller Straße startet ein idyllischer Wegabschnitt: der Weg führt hier am hübschen Bach Rot entlang. Zahlreiche Stellen direkt am Wasser laden zum Genießen ein.

    Diese Zeit sollte man nutzen, im Anschluss geht es dann wieder hoch bis zum Waldkindergarten. Entlang von Steuobstwiesen und Maisfeldern umrunden wir Neufürstenhütte. Am Waldrand angekommen, biegen wir bald rechts ab. Es heißt noch einmal Abstieg und Aufstieg. Vom Greutfeldweg führt mich der Track erst auf einer Wiese und dann über eine im Wald geschlagene Schneise. Diese würde ich beim Nachwandern auf einem der zahlreichen Wege umgehen. 

    Am Ende wartet noch das Schmankerl der ganzen Tour: die Tobelschlucht mit dem Hohlen Stein. Der schmale Pfad führt mitten durch die Schlucht, vorbei an zahlreichen hübschen Felsen, deren größter der Hohle Stein ist. An mehreren Stellen ist es nach den Regenfällen matschig, hier sollte man aufpassen, dass man nicht im Matsch landet. In der Tobelschlucht ist es auch das erste Mal heute etwas voller, sonst hatte ich meistens den Weg komplett alleine für mich. Kaum habe ich die Tobelschlucht verlassen, gelange ich wieder an die Wegkreuzung zur Bodenbachschlucht.

    Weitere Details dieser Tour findest du bei Komoot.

  • Gipfel sammeln bei Oberstdorf

    Gipfel sammeln bei Oberstdorf

    Wenn die Sehnsucht nach den Bergen zu groß wird, muss man dieser einfach nachgeben. Wir haben am Wochenende zwei wunderhübsche Bergtouren gemacht. Übernachtet haben wir mal wieder im Auto, perfekt für so einen Kurztrip.

    Gratrunde über Entschenkopf und Rubihorn

    17,4 km; 1.540 m Aufstieg; 1.480 m Abstieg

    Uns hat es wieder in die Berge gezogen. Leider auch wieder ein Wochenende mit starker Gewitterneigung, also doch wieder nach Oberstdorf, da habe ich eh noch genug Touren im Tourenvorrat. Das letzte Mal war ich vor einigen Jahren mit den Schneeschuhen am Gaisalpsee. Damals noch mit einem Bekannten, der leider in diesem Jahr durch eine Lawine verstorben ist. Aber im Sommer war ich noch nie hier. 

    Als wir um 8 Uhr auf dem Parkplatz eintreffen, erwischen wir mit Glück einen der letzten Plätze, es wird also voll werden. Gut, dass wir uns für eine weniger begangene Route entschieden haben. Durch den Gaisalptobel laufen wir noch im Pulk den Gaisalpbach entlang. Doch dann biegen wir ab hinauf zum Berggasthof Gaisalpe, während die meisten weiter zum Gaisalpsee laufen. Wir schrauben uns immer weiter nach oben. Mal geht es durch herrlichen Wald, mal im Vergleich zu daheim über noch grüne Wiesen. Wir entdecken sogar zum ersten Mal dieses Jahr wenige große Pilze. Je höher wir kommen, desto schöner werden die Ausblicke.

    Als wir den Anstieg zum Entschenkopf angehen, wird es richtig steil. Immerhin sehen wir zahlreiche Gämsen in der Ferne. Das Panorama vom Entschenkopf ist überragend. Leider herrscht direkt am Gipfel eine Kolonie fliegende Ameisen, weshalb wir ein paar Meter weiter erst die Aussicht genießen konnten. Von nun an bewegen wir uns immer auf dem Grat Richtung Nebelhorn.   Als wir ein zartes Määääh hören, entdecken wir eine kleine Gams, die leider nicht allzu gut aussieht und scheinbar auf der Suche nach ihrer Mutter ist. Leider können wir nicht viel für das Kleine tun. 

    Von oben genießen wir die Sicht auf den unteren Gaisalpsee vor dem Hintergrund des hübschen Rubihorns. Der See selbst ist umgeben von sehr vielen Menschen. Gut, dass wir hier oben sind. Den oberen Gaisalpsee gibt es aktuell fast nicht mehr, nur noch eine kleine Pfütze ist übrig. Es muss eindeutig mal wieder richtig regnen. Kurz bevor wir ihn erreichen, steigen wir wieder ein kleines Stück hinauf auf den Grat.

    Im Auf und Ab nähern wir uns nun dem Rubihorn. Mal ist der Weg gut zu gehen, mehrere Male muss man die Hand an den Fels legen und wenige Male ist es abenteuerlich. Hier wird es gleich voller. Hang hat genug Höhenmeter, ruht sich ein wenig aus, während ich noch kurz zum Rubihorn rauf gehe. Danach beginnt der lange Abstieg. In zahlreichen Serpentinen kommen wir dem unteren Gaisalpsee immer näher. Als wir ihn erreichen, wollen wir auch gleich wieder weg. Viel zu viele Menschen, am Ufer ist ein Gewusel. Uns ist das zu viel. Leider laufen wir am weiteren Abstieg im Gänsemarsch mit den anderen Wanderern hinab. Der Planet brennt auf uns herab und wir wünschen uns sehnlichst ein kühles Weizen. Da kommt die untere Richteralpe genau richtig. Gut erfrischt wandern wir auf dem Fahrweg zurück zum Auto. 

    Und tatsächlich: schon beim Abstieg ziehen dunkle Gewitterwolken über die Berggipfel heran und als wir uns die Pizza später schmecken lassen, kommt ein kleines Gewitter herunter. Leider noch nicht genug, aber am Sonntag soll es auch noch mal gewittern.

    Weitere Details zur Tour findest du bei Komoot.

    Auf den Grünten, Wächter des Allgäus

    13,7 km; 1.050 m Aufstieg; 1.050 m Abstieg

    Immer wenn ich in die Oberstdorfer Bergwelt fahre, lacht er mich an. Der Grünten erhebt sich markant aus der Landschaft. Deshalb hat er sich seinen Spitznamen Wächter des Allgäus erworben. Endlich habe ich es geschafft, ihn zu besteigen. Wir starten am Wanderparkplatz der Starzlachklamm in Winkel. Ich hatte mir diese Tour irgendwoher gezogen. Leider stellte ich etwas zu spät fest, dass der erste Abschnitt leider auf keinem offiziellen Wanderweg erfolgt. Aktuell ist der Weg nicht mehr so leicht machbar, deshalb bitte von Anfang an auf offiziellen Wanderwegen gehen.

    Das nächste Stück verläuft zuerst auf einem breiten asphaltierten Forstweg, der bald in Kies übergeht und dann immer steiler und schmaler wird. Die meiste Zeit schraubt sich der Weg durch hübschen Wald. Erst kurz vor dem Grüntenhaus verlassen wir den Wald. Schon können wir den markanten Sendemast des Bayerischen Rundfunks im Hintergrund sehen. Leider ist das Grüntenhaus aktuell wegen Wassermangel geschlossen. Man kann sich aber selbst in einer Getränkekammer bedienen und dann in bar oder per Paypal zahlen. Sehr nett! Nach einem absolut leckeren Holderweizen gehen wir weiter.

    Bald erreichen wir den Sendemast. Um diesen herum geht es mit schönen Ausblicken auf die Nagelfluhkette und den Alpsee weiter zum Jägerdenkmal auf dem Grüntengipfel. Das Bergpanorama und der Blick ins Alpenvorland ist genial. Heute sind die Berggipfel leider etwas diesig verschleiert, es sieht so aus, als könnte es später noch etwas gewittern. Wir gehen bis zum Sendemast auf gleichem Weg zurück, biegen dann aber auf einen anderen Abstieg ab. In endlosen Stufen und Kehren entfernen wir uns vom Gipfel und der Höhe. Beim Abstieg kommen wir an mehreren Alpen vorbei. 

    An der Alpe Topfen wird es voll. Hier kehren die Besucher der Starzlachklamm ein. Diese ist unser nächstes Ziel. Von oben steigen wir steil hinab in die Klamm. Es herrscht reger Gegenverkehr, die meisten kommen von unten. Die Klamm ist nicht ganz so beeindruckend wie die Breitachklamm, aber dennoch einen Besuch wert. Vor allem kann man hier Canyoning buchen. Wir beobachten mehrere Gruppen, wie sie sich in die Pools stürzen. Vom Ende/Einstieg der Klamm laufen wir dann noch gemütlich zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zurück. 

    Weitere Details zur Tour findest du bei Komoot.

  • Weinsichten-Tour

    Weinsichten-Tour

    17,1 km; 330 m Aufstieg; 320 m Abstieg

    Hier im 3B-Land rund um die Städte Bietigheim-Bissingen, Besigheim und Bönnigheim befindet sich eine der bekanntesten Eingebungen Weinregionen Deutschlands. Der regionale Tourismus-Verband hat dazu passende Wanderungen bereit gestellt: https://www.3b-tourismus.de/de/radfahren-und-wandern/wandern/. Der Vorteil für uns: wir müssen nicht weit fahren und können dennoch eine schöne Runde drehen. Die heutige Weinsichten-Tour verspricht herrliche Panoramen.

    Wir beginnen unsere Runde am Bahnhof in Besigheim, ein kleines Stück vom Weg entfernt. Deshalb geht es erst mal ein paar Meter hoch, um auf den eigentlichen Weg zu kommen. Oben angekommen geht es durch die Weinlagen. Immer wieder hat man aus verschiedenen Winkeln schöne Aussichten auf die wunderhübsche Altstadt von Besigheim und die drum herum fließende Enz. Die besten Aussichten hat man von der Weinkanzel und der schönsten Weinsicht. 

    Durch die Ausläufer von Walheim gehen wir hinunter zum Baumbach, dem wir nun bis Erligheim folgen. Mal führt der Weg ein Stück weg vom Bach, mal wandern wir unmittelbar daran entlang. Sonnenblumenfelder leuchten mit ihrem Gelb am Wegesrand. Doch selbst ihnen ist die aktuelle Trockenheit und Wärme zu viel. Vorbei am hübschen Rathaus durchwandern wir Erligheim. An dessen anderem Ende entdecken wir das hübsche Außenlokal Weinzeitplatz, das aber heute leider nicht geöffnet hat. Schade, sieht echt schnuckelig aus.

    Im Anschluss zieht der Weg nun erstmal steil hinauf, wir kommen ordentlich ins Schwitzen. In der Ferne sieht man den Michaelsberg. Oben angekommen steht die Erligheimer Weinkanzel mit herrlichem Blick hinab in die Ebene. Der Weg hält, was der Name verspricht. Im darauf folgenden Waldstück entdecken wir fette Brombeeren. Sonst sind sie dieses Jahr alle relativ klein, aber diese waren genial und lecker. Vorbei an Weinlagen und Streuobstwiesen geht es nach Löchgau. Ziemlich unspektakulär führt der Weg durch den Ort. Von hier geht es noch einen Kilometer weiter, bevor wir dann wieder Richtung Bahnhof abzweigen.

    Den Wegeverlauf findest du auf Komoot.

  • Rodalber Felsenwanderweg

    Rodalber Felsenwanderweg

    46 km; 1.180 m aufwärts; 1.150 m abwärts

    Aktuell beschäftigen mich viele Gedanken. Mit Bewegung in der Natur kann ich oft meine Gedanken ordnen und mich wieder erden. Gestern hatte ich das Bedürfnis, es mal so richtig krachen zu lassen. Einfach mal die Gedanken raus ballern und mich so verausgaben, dass ich gar keine Chance habe, mir Gedanken zu machen. 🙂 

    Perfekt dazu geeignet schien mir der Rodalber Felsenwanderweg. Mit seinen 44-45 km führt der Weg einmal komplett um die Stadt Rodalben und mäandert dabei jedes umliegende Tal ab. Im Jahr 2022 belegte er den 2. Platz bei der Wahl zu Deutschlands schönstem Wanderweg in der Kategorie Mehrtagestouren. Richtig gelesen: Mehrtagestouren. Schon in der Vergangenheit habe ich mehrmals überlegt, diesen Weg auf zwei Tage zu verteilen. Dies kann man am besten mit einer Übernachtung im Hilschberghaus verbinden. Aber auch so kann man jederzeit vom Weg zurück in die Stadt laufen und den Weg am nächsten Tag einfach fortsetzen. Somit bot sich diese Route gestern perfekt an.

    Der Wanderweg verläuft die meiste Zeit auf schmalen Pfaden. Selbst wenn parallel ein Fahrweg verläuft, wurde darauf geachtet, dass Wanderer eine schmalen, schöneren Pfad haben. Breite Wege kreuzt man meist nur zum Überqueren. Der Weg enthält kaum längere Anstiege am Stück, führt aber fast stetig in Wellen auf und ab. Auf der gesamten Länge kommt man an mehr als 20 für den Pfälzerwald typischen Buntsandsteinmassiven vorbei. Manche davon bieten auch eine Höhle oder Gänge, die man erkunden kann. Wasser war unterwegs fast überall Mangelware, nicht verwunderlich in der aktuell sehr trockenen Witterung, fast alle Brunnen unterwegs waren trocken.

    Selbst wenn man nicht übernachtet, bietet sich das Hilschberghaus auf ungefähr der Hälfte der Tour für eine Einkehr an. Von der Terrasse hat man eine schöne Aussicht über die Stadt und die Kuchen waren lecker. 

    Unter vielen überhängenden Felsen stehen Bänke, manchmal sogar mit Tisch, sodass man hier jederzeit eine Pause machen kann. Von den zahlreichen Felsen könnte ich jetzt alle aufzählen, diese findet man jedoch bei einer Internet-Recherche ohne Probleme. Beeindruckend fand ich die Bärenhöhle, die größte natürliche Felsenhöhle der Pfalz. Sogar einen Wasserfall gibt es… allerdings war dieser aktuell auch trocken. Namenstechnisch war ich neugierig, was mich am Karl-May-Felsen erwartet. Scheinbar verdankt der Fels seinen Namen dem Fakt, dass diese Felsriegel an Landschaften aus Winnetou-Filmen erinnert. Passend dazu führt hier auch eine kürzere Winnetour (schönes Wortspiel) entlang. 

    Das mit dem ausbleibenden Wasser war echt ein Problem, je länger der Tag wurde. Am Hirschbrunnen konnte ich zumindest ein wenig Wasser bekommen. Dieses kommt zwar nicht mehr aus den angebrachten Rohren, allerdings gelingt es, vom Bach direkt ein wenig Wasser aufzusammeln. Wenige Kilometer vor dem Ende gab es überraschenderweise nochmals Wasser, was mir dann bis zum Ende gereicht hat. Das letzte Stück haben meine Schienbeine dann aber angefangen zu zicken und ich musste etwas beißen, um die Runde zu Ende zu bringen. Die ersten Krämpfe habe ich aber erst bekommen, als ich nach der Tour ins Auto eingestiegen bin. 

    Der Weg hat mir gefallen, aber persönlich finde ich die Felsmassive in Hauenstein auf dem Schusterpfad noch etwas schöner. Vor allem, weil man viele davon besteigen kann. Aber am besten einfach beide Touren machen, dann muss man sich nicht entscheiden.

  • Waldbrände und weites Wandern

    Waldbrände und weites Wandern

    Heute möchte ich meine Gedanken zu einem brandaktuellen (wie der Name traurigerweise passt) Thema mit euch teilen. Ich würde mich freuen, wenn ihr euch in den Kommentaren dazu rege beteiligt. Denn eure Meinung zu diesem Thema interessiert mich sehr.

    Überall wüten aktuell im Süden Europas heftigste Waldbrände. Feuerwehren und andere Helfer geben alles, um die Brände einzudämmen oder halbwegs unter Kontrolle zu bekommen. Bei den momentan sehr trockenen Bedingungen und heißen Temperaturen ist dies ein fast hoffnungsloses Unterfangen. In einem der Nachrichtenbeiträge habe ich dann zufällig erfahren, dass auch größere Waldbrände in der Türkei wüten. Als ich las, dass unter anderem auch mehrere Herde rund um Antalya betroffen sind, wurde ich neugierig. Bei der Recherche fand ich raus, dass einige Bereiche des lykischen Wegs stark davon betroffen sind. So sind die antiken Ruinen von Olympos gesperrt. Aber auch rund um Kas und Kumluca breiten sich die Flammen aus, sogar einige Häuser sind schon in Mitleidenschaft gezogen. Sofort kamen meine Erinnerungen hoch, wie Hang und ich vor einigen Wochen dort noch zu Fuß unterwegs waren und die herrlichen Bäume genossen haben. Es macht mich sehr traurig, mitzuerleben, wie diese Natur aktuell leidet. Klar, die Natur wird sich irgendwann erholen, aber bis sie wieder so schön aussieht wie zuvor, werden einige Jahre ins Land gehen.

    Als wir uns vor einigen Tagen mit unserem zukünftigen Wanderprojekt auf Korsika beschäftigt haben, gab es auch dort gerade Feuer. 200 Wanderer saßen dort kurzzeitig auf einer Wanderhütte fest, da sie aufgrund der Brände nicht weiterwandern durften. Diese Brände scheinen aber sehr schnell wieder unter Kontrolle gebracht worden zu sein.

    Ja, Feuer treten immer wieder mal in den südlichen Regionen während der Sommermonate auf. Aber so verheerend wie sie momentan vorherrschen, war es schon lange nicht oder evtl. sogar noch nie. Ich möchte hier die aktuelle Situation nicht noch weiter dramatisieren. Dennoch regt mich das aktuelle Brandgeschehen sehr stark zum Nachdenken an. Auch wir Weitwanderer tragen zu dieser Situation bei. Auch wenn wir vor Ort meist nur zu Fuß unterwegs sind oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen, so fliegen wir nicht selten um die halbe Welt, um dort die herrliche Natur zu genießen. Gleichzeitig leisten wir damit unseren Beitrag zu deren nicht unerheblicher Belastung. Damit möchte ich nicht nur auf andere zeigen, sondern auch ich fliege in andere Länder, um dort zu wandern. Mein schlechtes Gewissen darüber nimmt aber immer weiter zu.

    Dies war auch ein nicht unerheblicher Grund, warum ich mich letztes Jahr dazu entschieden habe, meine Wanderung auf dem Nord Süd Trail zu machen und nicht nach Neuseeland gleich wieder weit zu fliegen.

    Wie gehst du selbst mit diesem Konflikt um? Wie rechtfertigst du dies für dich?

    Ich selbst habe mich dazu entschieden, meine Flüge konsequent zu kompensieren. Dies mache ich über Atmosfair, bei Interesse kannst du dich auf deren Homepage informieren: https://www.atmosfair.de/. Mir ist auch klar, dass dies eine Art moderner Ablasshandel ist. Aber ich finde, wenn mit diesem Betrag damit woanders in der Welt ein positiver Beitrag geleistet werden kann, ist dies auch kein Fehler. Darüber hinaus bemühe ich mich, meinen lokalen Fußabdruck möglichst gering zu halten.

    Aber jetzt genug von mir, lass mich von dir hören. Ich freue mich auf den Austausch!

  • Bergwochenende im Alpstein

    Bergwochenende im Alpstein

    Der Alpstein ist immer einen Besuch wert: abseits der Touristenmassen bietet er einsame, aber anspruchsvolle Touren. Die Natur ist einfach herrlich und mit Glück kann man so einige Tiere entdecken. Lasst euch mitnehmen auf zwei spannende Bergtage.

    Von Wasserauen über Mesmer, Meglisalp und Rotsteinpass zur Zwinglipasshütte

    18,7 km; 2.160 m aufwärts; 1.070 m abwärts

    Meine Beine brennen und ich freue mich, wenn wir bald auf der Hütte ankommen. Doch da sehe ich auf den Felsen 30-40 Steinböcke, wie sie so vor sich hin träumen und sich von nichts stören lassen. Sogleich sind meine Beine wie vergessen und ich lasse mich von diesen mächtigen Bergbewohnern in den Bann ziehen. Doch fangen wir von vorne an. Eigentlich wollte ich am Wochenende zu den Gastlosen fahren und dort ein schönes Bergwochenende verbringen. Allerdings sollte es da am Samstag vermehrt gewittern und wir wollten uns das Bergwochenende dadurch nicht verderben lassen. Spontan hatte ich dann gesehen, dass auf der Zwinglipasshütte noch zwei letzte Schlafplätze frei sind. Also nicht lange gezögert und gebucht. Vor 2 Jahren war ich schon mal hier am Säntis unterwegs und war sofort von seiner schroffen Seite begeistert. Hier bieten sich so viele Wanderrouten, dass es mir nicht schwer fiel, eine noch unbekannte Route zu wählen. In meiner Erinnerung hatte ich aber auch abgespeichert, dass die Aufstiege im Alpstein ganz schön fordernd sein können, ob es dieses Mal auch so sein wird?

    Als wir um 9 Uhr am Parkplatz Wasserauen ankommen, ist der Parkplatz schon fast voll. Der Overtourismus in den Bergen kann man hier am Säntis hautnah miterleben. Aber die Organisation ist gut und wir bekommen einen freien Platz zugewiesen. Auf meine Frage, ob wir uns mit der Seilbahn einige hundert Höhenmeter abnehmen sollen, lehnt Hang entschlossen ab. So erklimmen wir zu Fuß den Aufstieg hinauf Richtung Ebenalp. Je höher wir kommen, desto weiter schweift unser Blick über das wellige Appenzellerland. Bald erspähen wir in der Ferne die Wasserfläche des Bodensees. Wir wandern nicht komplett hoch zur Ebenalp, sondern statten dem Instagram Spot schlechthin, dem Äscher Wildkirchli einen Besuch ab. Direkt am Abgrund drückt sich das kleine Berggasthaus direkt an die Felswand. Wir gönnen uns ein Bier aus dem Kiosk und marschieren weiter. Schon von hier haben wir über den Seealpsee hinweg einen herrlichen Blick auf unser Ziel des heutigen Tages, den Gipfel des Altmanns. Schon beim letzten Mal bin ich an diesem Gipfel gescheitert und würde ihn dieses Mal gerne besteigen.

    An der Bergkante entlang wandern wir in leichtem Auf und Ab oberhalb des Tals zum Alp Mesmer. Hier haben wir schon die ersten knapp 1.000 Höhenmeter in den Beinen und wollen uns vor dem nächsten Aufstieg noch mal mit einem kühlen Getränk stärken. Hinter der Alp erhebt sich eine steile Felswand. Von hier unten ist nicht ersichtlich, wie wir diese wandernd bezwingen können. Zuerst laufen wir direkt auf den Säntis zu, bevor wir scharf nach oben Richtung Fels abbiegen. A apropos Säntis: aktuell verkehrt zum Gipfel keine Seilbahn, der Säntis kann also so „leer“ wie nie erlebt werden. Der Weg führt in engen Kurven immer weiter bergan, bis direkt unter die Felswand. Dort beginnt ein schmaler stahlseilversicherter Steig nach oben. Oben an der Ageteplatte angekommen, wandert unser Blick vom einen Tal hinüber ins andere Tal der Meglisalp. Weiter im Hintergrund strahlt der Seealpsee mit seinem herrlichen Blau und Grün. Leider können wir nicht einfach oben bleiben, sondern dürfen einige hundert Meter zur Meglisalp absteigen, bevor der nächste Anstieg beginnt. Durch das saftig grüne Tal steigt der Weg erst langsam dann steiler werden an zum Rotsteinpass. Hier merke ich, dass meine Beine eigentlich schon durch sind für heute. Ich warte jederzeit darauf, dass meine Oberschenkel wieder krampfen, so wie das vor zwei Jahren der Fall war. Doch mit kurzen Pausen erreichen wir die Rotsteinpasshütte und machen hier auf einem Felsen eine kleine Pause. Von hier kenne ich den Weg zur Zwinglipasshütte. Und ich weiß, dass ich auch dieses Mal den Altmann abschreiben kann. Ich würde es zwar irgendwie schaffen, aber so ne schöne Bergtour soll ja kein Kampf sein. 

    Der gesicherte Steig entlang der Fliswand ist so fordernd, wie ich ihn in der Erinnerung hatte. Auch hier ist der größte Teil stahlseilversichert. Allerdings sind die Felsen schon sehr speckig von den ganzen Wanderern und dadurch sehr rutschig. Runter gehen würde ich hier ungern. Oben angekommen, entscheiden wir uns final gegen den Altmann und beginnen mit dem Abstieg zur Zwinglipasshütte. Hier stoßen wir dann auf die initial beschriebenen Steinböcke. Ich bin mit unserer Entscheidung versöhnt, denn das letzte Mal waren die Steinböcke oben am Altmann und nicht hier unten. Irgendwann reißen wir uns los und legen die letzten Meter zur Hütte zurück. Leider sehen wir nur ein weit entferntes Murmeltier. Ich übernachte zum zweiten Mal auf der Zwinglipasshütte. Nicht nur, weil dies ein schöner Ort ist, sondern weil ich deren Konzept liebe. Die Hütte hat keinen festen Hüttenwart, sondern das Team ist immer für eine Woche vor Ort, bevor es vom nächsten Team abgelöst wird. Außerdem werden am Saisonbeginn alle Waren vom ganzen Verein zu Fuß herauf transportiert. So haben dieses Jahr 140-160 Helfer 9 Tonnen Essen auf die Hütte gebracht. Erst im Spätjahr, wenn die Vorräte zur Neige gehen, wird einmal Nachschub per Hubschrauber angeliefert. Nach dem Abendessen fallen wir beide müde ins Matratzenlager und schlafen begleitet vom Glockenläuten der Kühe ein.

    Details findest du unter meiner Tour auf Komoot.

    Von der Zwinglipasshütte über Fählensee, Widderalp und Seealpsee nach Wasserauen

    18,2 km; 740 m aufwärts; 1.820 m abwärts

    Die Nacht haben wir geschlummert wie ein Murmeltier. Gut gestärkt vom einfachen aber ausreichenden Frühstück machen wir uns auf den Rückweg nach Wasserauen. Durch die Karstlandschaft steigen wir erst leicht an, bevor der Weg abfällt zum Mutschenpass. Unterwegs laufen uns zwei Exemplare einer Rebhuhnart über den Weg. Unter ihrem speziellen Krächzen fliegen sie davon. Am Mutschenpass überlegen wir uns kurz, ob wir noch mal den Mutschen besteigen, aber entscheiden uns dagegen. Für alle Mitleser: der Mutschen lohnt sich aufgrund seiner herrlichen Aussicht hinüber nach Liechtenstein. Unterhalb des Mutschenpasses liegt noch ein ordentlicher Haufen Altschnee. Da wir über diesen Schneeblock absteigen müssen, ist dies ganz schön rutschig. Aber dank der Wanderer sind hier schon gute Stufen in den Schnee getreten. Somit kommen wir heil hinunter. Entlang der beeindruckenden Kreuzberg-Felsen wandern wir schnurstracks auf die Saxer Lücke zu. Begleitet werden wir dabei von dem Blöcken unzähliger Schafe, die im Sommer hier oben ihre Zeit verbringen. Doch nicht nur davon. Plötzlich hören wir ein Schreien und schauen nach oben. Über uns zieht ein mächtiger Greifvogel seine Runden. Die Google-Bildersuche verrät mir später, dass es ein Gänsegeier gewesen sein könnte. Was für ein hübscher Anblick dieses stolzen Vogels. Auch von der Saxer Lücke hat man einen herrlichen Blick ins Rheintal und hinüber nach Liechtenstein.

    Wir marschieren nicht weiter Richtung Hoher Kasten, sondern steigen weiter ab zum Fählensee. Die Serpentinen sind so zahlreich und schmal, dass man aufpassen muss, dass einem nicht schwindlig wird beim hinabgehen. Je weiter wir nach unten kommen, desto mehr öffnet sich das Tal, bis wir den Hohen Kasten am Talanfang sehen können. Im Hintergrund erheben sich die Felsen der Dreifaltigkeit. Vor Jahren wurde über diese Felswände in einem EOFT Film berichtet. Ich kann mich noch gut an den Kletterer erinnern, der sich eine dieser Wände damals erkämpft hat. Wir genießen den Blick über den Fählensee und marschieren weiter. Der Weg führt in ein enges Tal und zieht weiter bergab. Auf halber Höhe zweigen wir ab und wechseln die Richtung. Es geht mal wieder bergan. Unser Zwischenziel die Widderalp. Hoch über dem Tal ermöglicht sie eine schöne Aussicht zurück. Wir gönnen uns ein kühles Getränk. Die Wirtin erzählt uns, dass sie im Sommer von den Bauern angestellt ist und sie zu zweit für 260 Schafe, unzählige Rinder und Milchkühe verantwortlich sind. Morgens machen sie dann Butter, bis irgendwann die Tagesgäste eintreffen. Nicht zu erwähnen die ganzen Arbeiten an den Zäunen, die im Frühjahr aufgestellt und im Herbst abgebaut werden müssen. Außerhalb der Saison packt die Freiburgerin ihre Sachen und bereist die Welt. So ein Lebensentwurf hat einen gewissen Reiz auf mich.

    Anschließend legen wir die letzten Höhenmeter zum Widderalpsattel zurück. Dort oben eröffnet sich der Blick ins Nachbartal und auf den Säntis. Wir steigen wieder ab zur Meglisalp. Eigentlich müsste ich eher schreiben: wir schrauben uns hinab, so eng zieht sich der Weg in Kurven nach unten. Plötzlich ertönt der Warnpfiff eines Murmelis. Und tatsächlich: auf einem großen Felsen sitzen zwei genau oben drauf. Sie haben wohl heute die Aussichtsloge gebucht. Vorbei an der Kapelle „Maria zum Schnee“ beginnen wir den Abstieg Richtung Seealpsee. Am tief blauen Himmel ziehen zahlreiche Gleitschirmflieger ihre Kreise. Zuerst führt der Weg eben auf der Hochfläche entlang. Doch dann wird er immer steiler und führt vorbei an den hübschen Felswänden immer näher an den See heran. Mehrere Male öffnet sich in den Bäumen eine schmale Lücke und wir können einen Ausblick des bunt schimmernden Sees erhaschen. Unten angekommen lässt Hang es sich nicht nehmen und gönnt sich eine kleine Abkühlung im See. Rund herum liegen viele Wandernde oder reine Badegäste am Ufer und genießen das kühle Nass. Bei uns meldet sich der Hunger. So umwandern wir den See bis zum gut besuchten Gasthaus Forelle. Nach einer kleinen Stärkung steigen wir auf der Touristenwanderautobahn steil zum Parkplatz Wasserauen ab. Kurz vor dem Parkplatz können wir noch einen Gleitschirmfliegen beim Landen beobachten. Zufrieden und selig von diesem hübschen Bergwochenende machen wir uns an die Heimfahrt und sind uns sicher, dass wir bald wieder in die Berge gehen.

    Details findest du unter meiner Tour auf Komoot.

    Vor zwei Jahren war ich schon mal im Alpstein unterwegs, damals bin ich über den Säntis gewandert. Details findest du unter folgenden Links:

    Warst du selbst schon mal im Alpstein unterwegs?

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