Autor: Jan Rumig

  • Lykischer Weg – Tag 7: Saribelen – Gökceören

    Lykischer Weg – Tag 7: Saribelen – Gökceören

    13,1 km; 630 m aufwärts; 530 m abwärts

    Heute wird nur ein kurzer Tag werden. Die Landschaft ist herrlich und bietet so viele geniale Übernachtungsplätze, allerdings sind für den Nachmittag Unwetter angekündigt, deswegen planen wir, in der einzigen Pension zu übernachten. Gestern Abend konnten wir unsere Klamotten in der Pension noch in die Waschmaschine werfen. Beim genialen Abendessen haben wir noch Rohan, einen indischen Wanderer kennen gelernt.

    Da uns nur ein kurzer Tag erwartet, starten wir recht spät. Obwohl wir auf Regen vorbereitet waren, haben wir den Regenschutz nie gebraucht. 🙏 Gleich am Anfang zieht der Weg an und es geht ein gutes Stock nach oben. Irgendwann tauchen wir mal wieder in eine neue Landschaft ein. Überall stechen große weiße Felsen aus der Landschaft hervor. Ein wunderbares Stück Natur. In leichtem Auf und Ab geht es unter diesen Felsen entlang.

    Irgendwann kommen wie auf einen Fahrweg und haben einen schönen Blick zurück ins Tal von Saribelen. Der Weg bringt uns an der Bergflanke zurück an die Küste und steigt immer weiter an, wir kratzen an der 1.000 m Linie. Mehrmals ergibt sich ein traumhafter Blick hinunter auf die Küste vor Kalkan und zu unseren Übernachtungsplatz vor 2 Tagen. Wir steigen wieder ein paar Meter an und kommen wieder auf saftige, blühende Wiesen. Unterhalb eines schönen Felsens wohnt Hüseyin mit seinen Ziegen. Er wurde schon im Wanderführer angekündigt. Die Ziegen sind im Stall, daher sind die vier Hunde ganz entspannt. Seine Frau Seyme lädt uns auf einen Tee ein. Auf den Tischen liegen Alben mit vielen Fotos der Wanderer, die schon bei ihnen übernachtet haben. Für uns ist es noch etwas früh. Wir lassen einen kleinen Obolus da und gehen weiter.

    Es ist unglaublich, wie weiß und gelb die Wiesen hier sind, alle paar Meter würden wir gerne unser Zelt aufschlagen. Von weitem sehen wir eine Ziehenherde. Zu unserer Erleichterung ist nur ein Hirte, aber kein Hund dabei. Ein paar Minuten darauf, sehen wir schon die ersten Häuser unseres Zielortes. Immer wieder taucht die Sonne auf und wir können gar nicht glauben, dass es noch ein Unwetter geben soll. Als wir ins Dorf absteigen, versperrt plötzlich ein Pferd den Weg. Es wurde zum Grasen hier angebunden und steht wohl am liebsten auf dem Pfad. Aber besser als auf dem Flur. 😜 (für alle, die das Lied noch kennen)

    Kurz darauf kommen wir an der Unterkunft an. Und tatsächlich, später gibt es Hagel und Starkregen. Also alles richtig gemacht.

  • Lykischer Weg – Tag 6: irgendwo am Meer – Saribelen

    Lykischer Weg – Tag 6: irgendwo am Meer – Saribelen

    25,9 km; 1.530 m aufwärts; 790 m abwärts

    Heute Nacht hat es angefangen zu regnen, also schnell raus und die draußen liegenden Klamotten in Sicherheit gebracht. Allerdings hat es nur drei Tropfen gegeben. Das Frühstück war genial, wir hatten uns fürs Müsli extra Milch gekauft, lecker. Es ging mit geilen Aussichten weiter die Küste entlang. In der Ferne können wir schon Kalkan erblicken.

    Doch es sollte noch ne Weile dauern, bis wir die Stadt erreichen. Ein Highlight ist definitiv der Firnaz Strand. Stellt euch eine Bucht vor, darin ankert ein Segelboot und am Ufer entlang ist das Wasser hellblau. Im Hintergrund sieht man die kleinen Inseln. Habt ihr‘s im Kopf? Dann gleicht es mit meinem Bild ab. Wir umrunden diese Bucht auf anspruchsvollen Pfaden durch die Macchia. Auch Schildkröte #12 sehen wir. Wir kommen noch mal am Aquädukt von gestern vorbei.

    Danach wird es richtig spannend. Der Abstieg wird steil und führt über Felsen kerzengerade oberhalb der Küste nach unten. Nicht mehr ganz wandern, aber so kleine Kraxeleien sind unser Ding. So geht es weiter die Küste entlang, bis wir am Stadtrand von Kalkan das Villenviertel erreichen. Dort wartet der letzte Anstieg eine megasteile Straße hoch. Als wir so durch die Stadt laufen, gehen wir in ein sympathisch aussehendes Restaurant: Pide und Adana Dürüm waren der Hammer. Zum Abschied schenkt uns der Chef noch zwei Flaschen Wasser. 🥰

    Im Supermarkt decken wir uns wieder mit Müsli und Instant Nudeln ein (ok, zusätzlich auch noch unnötige Kalorien in Form von Süßigkeiten). Wir haben entschieden, dass wir auch noch Etappe 8 gehen, um 12 wollen wir noch nicht aufhören. Leider fängt es ziemlich bald an zu tröpfeln. Später wechselt es dann auch noch in stärkeren Regen. Von Meereshöhe steigen wir bis auf 800 m am Stück. Aber der Weg ist gut zu gehen und wir kommen gut voran. Nur der Regen kühlt uns ein wenig aus. Oben angekommen, steigen wir ins idyllische Dorf Bezirgan ab. Hier herrscht noch traditionelles Landleben, sehr schön. Nun müssen wir final noch 150 Meter über einen Hügel, um nach Saribelen zu gelangen. Dort gönnen wir uns in der Mozaik Pension nach drei Tagen mal wieder ne warme Dusche. Wie geil sich das anfühlt.

  • Lykischer Weg – Tag 5: Akbel – irgendwo am Meer

    Lykischer Weg – Tag 5: Akbel – irgendwo am Meer

    28 km; 870 m aufwärts; 1.160 m abwärts

    Wir legen uns gestern Abend schlafen, plötzlich höre ich Steine rutschen und neben dem Zelt schnüffelt es im Wechsel mit Knurren. Schon vorher habe ich ein Rudel Hunde über den Berg laufen sehen. Hab das einfach nur „die machen nix“ und schläft ein. Ihre Ruhe hätte ich mal gerne.

    Wir erleben den nächsten Morgen! Nach dem Müsli laufen wir die restlichen 2 Kilometer nach Akbel und gönnen uns noch ein kleines Frühstück. Dann nehmen weiter die Etappe nach Gelemis in Angriff. Noch in Akbel begegnet uns ein aggressiver Köter. Fängt ja gut an. Außerhalb der Stadt geht der Weg in schöne Macchia über. Von hier oben haben wir Fernblicke über die gesamte Ebene bis zurück in das Gebirge, wo wir vor zwei Tagen abgestiegen sind.

    Wir erreichen das riesige Delikkemer Aquädukt. Hier gibt es wieder den ersten genialen Blick auf die Küste und ziemlich viele Camp Spots, leider zu früh. Nach einem herrlichen Gebiet voller Olivenbäume entdecken wir unseren ersten Skorpion, leider tot. Aber immerhin. Wenig später höre ich eine Schafherde. Als ich die ersten Schafe sehe, sage ich Hang, dass wir stehen bleiben, bis die Herde komplett weg ist. Da springt aber schon der Herdenschutzhund vor uns und fletscht die Zähne. Aber der Hirte kommt bald und nimmt ihn zu sich.

    Der restliche Weg nach Gelemis verläuft weiter durch Macchia. Hier endet die offizielle 6. Etappe. Es ist aber erst 13 Uhr. Zuvor habe ich an einen Strand einen schönen Camp Spot gesehen. Also essen wie üppig zu Mittag, kaufen uns noch nen Ring Sucuk für abends und marschieren weiter. Ein kleines Stück später passieren wir eine Zahlstation. Der Grund: die Ruinen von Patara und der gleichnamige Strand. Aktuellen Eintritt: 15€ pro Person. Das ist ein Wort.

    Patara war eine der wichtigsten Städte und der bedeutendste Hafen Lykiens. Von den drei Ruinenstädten bisher ist sie die größte und uns hat sie auch am besten gefallen. Kurz vor dem langen Sandstrand geht es für uns immer höher. Wir können von oben den kompletten Strand einsehen bis zu den Pydnai Ruinen und haben auch einen guten Blick auf Patara. Aber sobald wir den Pass überschreiten sehen wir das geile Meer auf der anderen Seite, da bleibt einem die Spucke weg. Vor der Küste liegen zwei kleine Inseln und ich weiß, dass wie genau gegenüber einer dieser Inseln schlafen werden. Aber dafür müssen wir noch einmal hinab zur Küste und dann über einen weiteren Berg.

    An unserem Camp Spot angekommen, sehe ich schon ein Auto stehen. Alles wir ankommen, lernen wir Serkan kennen, der hier mit seiner russischen Freundin eine romantische Nacht verbringen will. Per Übersetzer weist er uns darauf hin, dass sie lieber ungestört wären und zeigt uns näher am Strand einen schönen Spot zum Schlafen. Hang springt noch ne Runde ins Meer, während ich das Zelt aufbaue. Beim Abendessen entsteht sogar noch ein Regenbogen, kann es schöner sein?

  • Lykischer Weg – Tag 4: Kumluova – Akbel

    Lykischer Weg – Tag 4: Kumluova – Akbel

    25,2 km; 1.070 m aufwärts; 740 m abwärts

    Wir waren die einzigen Gäste im Hotel, der Laden brummt. Nach dem leckeren Frühstück sind wir noch kurz beim Bäcker vorbei, Gebäck für zwischendurch holen.

    Der heutige Treff fing genauso an, wie der gestrige aufgehört hat: Kilometer auf Asphalt durch Gewächshaus-Siedlungen und zahlreiche Hunde. Wir kommen an einem privaten Haus vorbei, vor dem eine rote Maulbeere wächst. Hang liebt sie und will sie pflücken. Der Bewohner sieht das und ermuntert sie dazu. Gleichzeitig gibt er uns noch Früchte von einem anderen Baum. So lieb.

    Wir überschreiten den Fluss Esen Cayi und kommen nach Kinik. Oberhalb liegen die Ruinen von Xanthos, die zusammen mit den Letoon Ruinen ein Unesco Weltkulturerbe bilden. Uns persönlich haben die Ruinen gestern aber besser gefallen. Aber wir erhöhen den Schildkröten Count auf 11. Leider geht es auf Straßen weiter bis nach Cavdir. Außerhalb der Stadt am Friedhof machen wir Mittagspause. Ab da wird der Weg genial.

    Meist wandern wir durch Macchia. Immer wieder haben wir freie Blicke auf die Ebene mit den abertausenden Gewächshäusern. Zuerst folgen wir lange Zeit einem römischen Aquädukt. In einem Olivenhain treffen wir einen alten Herrn. Er fragt, ob wir Deutsche sind und gibt uns beiden dann die Hand. Aus dem Aquädukt wird ein kanalisierter Bewässerungskanal. Wunderschön. Weiter oben ist er über den Kanal getreten und das Weiterkommen wird abenteuerlich. Dort lernen wir Wolfgang aus München kennen, der auch den Weg läuft. Wir trennen uns aber gleich wieder.

    Nach Üzümlü geht der Weg noch zwei Mal steil bergauf. In der Ferne können wir schon das Ziel sehen. Doch davor fällt der Weg noch einmal in ein Flusstal. Als wir unten ankommen, ist dieser so hoch, dass wir trockenen Fußes nicht auf die andere Seite kommen, also Schuhe und Socken aus und durch. Mittlerweile haben wir uns entschieden, heute wild zu zelten. Passend dazu liegt am Ende des Anstiegs ein schöner Spot. Perfekte Aussicht garantiert. Wir sind zufrieden, schlagen das Zelt auf und gehen dann noch mal zurück zum Fluss zum Waschen und Wasser filtern. Die Instant Nudeln schmecken zur Abwechslung mal richtig gut!

  • Lykischer Weg – Tag 3: Bel – Kumluova

    Lykischer Weg – Tag 3: Bel – Kumluova

    25,5 km; 780 m aufwärts; 1.390 m abwärts

    Ich glaube, ich bin ein Kamel. Jetzt habe ich heute sicherlich 5 Liter Wasser getrunken und musste nicht einmal aufs Klo. Kommt alles wieder aus den Poren raus. Unseren Schildkröten-Count haben wir inzwischen auf 6 erhöht. Die Viecher laufen dir hier einfach so über den Weg.

    Am Morgen verlassen wir unser Zieglein, im Laufe des Tages haben wir uns auf den Namen Willy geeinigt. Leider müssen wir feststellen, dass hier in der Türkei kaum vor 8 Frühstück gebracht wird. So kommen wir immer relativ spät los. Die Beschreibung des Tages las sich so einfach, es geht ja fast nur runter. Na dann. Es kommt mal wieder anders als gedacht bzw. erhofft.

    Gleich zu Beginn geht es auf neuer Wegführung erstmal hinauf bis wir den Abgrund zur Küste erreichen. Ich gebe zu, der Anblick ist schon sehr stark. Aber der Pfad ist schwierig zu gehen, man muss auf jeden Schritt aufpassen. Sobald der Abstieg beginnt können wir einen Blick ins Tal erhaschen und sehen schon unser Ziel für heute. Der anschließende Wald ist mega hübsch, hier begegnet uns Schildkröte #2. Gleich danach beginnt auch der lange Abstieg bis kurz oberhalb der Küste. In ewigen Kehren über Stock und Stein geht es abwärts. Minute um Minute verstreicht, ohne dass die Kilometer weniger werden. Doch irgendwann kommen wir dann doch unten an.

    Noch ein letztes Mal müssen wir 200 Höhenmeter überwinden. Inzwischen brennt der Planet runter und wir steigen in der prallen Sonne auf. Das Wasser ist mittlerweile in meinen Körper geflossen. Da kommt die Quelle genau richtig. Also filtere ich gleich mal 4 Liter, das Wasser schmeckt nicht ganz so geil, aber ich vertraue auf meinen Filter. Beim folgenden Abstieg eröffnet sich der Blick über die Ebene Richtung Kumluova und den ewig langen Strand von Patara. Nach Kumluova reiht sich ein Gewächshaus ans andere, hier wachsen Millionen Tomaten.

    Und noch was fällt in unser Blickfeld: die Ruinen von Pydnai, die Überreste einer gut erhaltenen hellenistischen Festung. Die Anlage diente ursprünglich dem Schutz eines Hafens vor Piraten und sicherte die Straße von der Küste nach Xanthos ab. Unser Weg führt direkt durch das Gelände. Allerdings muss man dazu durch einen flachen Durchgang, durch den ich mit Rucksack fast krabbeln muss.

    Um zum Strand zu kommen, muss man über eine Brücke, deren Löcher mit einfachen darauf gelegten Bretter abgedeckt sind. In Deutschland wäre so eine Brücke zehn Jahre gesperrt, aber die Reparatur nie fertig gestellt werden. Wir verspüren ein kleines Hüngerlein und würden gerne was essen. Doch das Restaurant ist leider nicht mehr existent. Gut, dass kurz vor der Brücke ein Schild an einem Haus stand. Wir gehen zurück und werden von Selvan mit ihren Eltern empfangen. Ein super leckeres Essen mit einer herzlichen Begegnung.

    Der Rest des Wegs verläuft wenig spektakulär. Der Wanderführer hatte sogar empfohlen, die 10 km mit dem Bus zu überspringen. Aber nix da. Zuerst führt der Weg entlang des Sumpfgebiets. Hier können wir zahlreiche Vögel beobachten und die weiteren Schildkröten #3-6. Teilweise ist der Weg hier aber auch überschwemmt, da müssen wir aufpassen, damit wir keine nassen Füße bekommen. Die restlichen Kilometer verlaufen auf Straße entlang der Gewächshäuser. Wenig spannend. Allerdings sorgen bei mir die teilweise freilaufenden Hunde für Adrenalin. Laut bellend kommen sie auf uns zu. Hang ist meist entspannt, ich bekomme schon fast ein feuchtes Höschen.

    Zum Schluss erreichen wir die Ruinen von Letoon, das zentrale religiöse Heiligtum des Lykischen Bundes. Das Heiligtum war der Göttin Leto sowie ihren Kindern Artemis und Apollon gewidmet. Gut erhalten sind heute noch Teile der drei Tempel und ein hellenistisches Theater. Nach dem Besuch der Anlage wandern wir zum einzigen Hotel im ganzen Ort. Im aktuellen Wanderführer wurde es noch mit 54€ angepriesen. Mittlerweile zahlt man aber schon 75€. Weiterlaufen wollten wir aber auch nicht mehr.

  • Lykischer Weg – Tag 2: Kabak – Bel

    Lykischer Weg – Tag 2: Kabak – Bel

    21,5 km; 1.350 hm aufwärts; 940 hm abwärts

    Gestern hatten wir uns auf eine entspannte Nacht gefreut. Und was machen wir die halbe Nacht? Stechmücken jagen. 😜 Aber hilft ja nichts.

    Heute Morgen haben wir dann den Tag mit einem herrlichen Frühstück mit Ausblick auf die Küste begonnen. Wir lernen Joe kennen, der auch den ganzen Weg gehen möchte. Vielleicht sehen wir uns noch mal, wer weiß. Sobald wir Kabak verlassen, zieht der Weg an. Mehrmals sind wir froh, dass wir gestern nach der Hälfte aufgehört haben. Diesen Anstieg hätten wir nicht mehr geschafft. Es ergeben sich herrliche Blicke hinein in die Schlucht und hinunter auf den Strand von Kabak. Der Weg steigt weiter und weiter. Schon um zehn ist es unglaublich warm. Ich schwitze wie ein Schwein. 😊

    Kurz vor Alinca kommen wir auf eine grüne Lichtung und was sehen wir? Eine Schildkröte. Die futtert sich gemütlich durch die Wiese. Fehlt auf unserer Liste nur noch ein Skorpion. Vielleicht sehen wir den in den kommenden Tagen auch noch. Oben in Alinca angekommen, gönnen wir uns ne kalte Cola. Dann geht es wieder mit Küstenblick hinab. Von oben haben wir geniale Blicke auf das blaue Wasser. Wie wir so dahin laufen, rutschen uns jeweils unter dem Körper die Beine weg und jeder von uns landet mal auf seinem Hintern.

    Bald kommen wir an einer osmanischen Zisterne vorbei. Über Jahrhunderte dienten diese als lebenswichtige Wasserspeicher für Hirten und Wanderer. Noch zweimal zieht der Weg heute richtig nach oben an und das in der prallen Sonne. In den zahlreichen Olivenhainen spenden die Bäume kühlenden Schatten. Direkt am Ortseingang von Yediburunlar kehren wir in ein kleines Lokal ein und stärken uns.

    Noch einmal heißt es für heute absteigen und wieder hinauf. Dieses Mal werden wir von zahlreichen Ziegen begleitet, die von den wenig nährreichen Büschen knabbern. Wir passieren ein mächtiges lykisches Grab. Am Ende des Anstiegs liegt Bel. Wir bleiben heute Nacht auf dem Campingplatz Nasuh. Nina, eine Ukrainerin, die seit 2003 in der Türkei lebt, zeigt uns alles. Aber der absolute Star ist ein 2 Wochen altes Zieglein, welches keine Mutter mehr hat und seitdem im Camp lebt und aufgezogen wird. So süß!

  • Lykischer Weg – Tag 1: Ovacik – Kabak

    Lykischer Weg – Tag 1: Ovacik – Kabak

    22,9 km; 1.090 m aufwärts; 1.220 m abwärts

    Der Inhaber unseres Hotels, Giovanni, hat uns heute Morgen ein köstliches Frühstück serviert. Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg zum Startpunkt des Lykischen Wegs. Weithin sichtbar erhebt sich die mächtige Moschee über die Hauptstraße. Am Start empfängt uns ein großes Tor mit der Aufschrift Likya Yolu, hier sind wir wohl richtig. Gut, dass gerade ein paar Camper in der Nähe sind, das Foto ist gesichert. An der Flanke des Babadag geht der Weg gleich ordentlich nach oben. Je weiter wir steigen desto mehr sehen wir von der herrlichen blauen Lagune von Ölüdeniz. Wir kommen aber auch gleich richtig zum Schwitzen. An einem Aussichtspunkt über der Bucht werden frische Säfte zum Verkauf angeboten. Das werden wir heute noch öfter erleben.

    Sobald wir den höchsten Punkt erreichen, stehen da schöne halbvollendete stattliche Häuser mit der besten Aussicht. Mittlerweile tummeln sich darin Ziegen. Eine größere Herde kreuzt daraufhin auch unseren Weg. Vorbei an mehreren Cafés geht es abwärts. Der Weg geht in hübschen Wald über. Leider müssen wir den Weg kurz verlassen, da ein Imker gerade seine unzähligen Bienenvölker versorgt und uns zuruft, dass es zu gefährlich sei.

    Im nächsten Ort rasten wir in einem Café, bevor der finale Abstieg nach Hisar folgt. Hier ist das Etappenziel der offiziellen ersten Etappe. Wir kehren lecker ein. Ich bin gespannt, an welchem Tag Hang keine Köfte mehr essen will. Wir sind noch fit und wollen noch ein Stück weiter gehen. Zuerst machen wir einen Abstecher ins Schmetterlingstal. Dazu müssten wir aber auf Meereshöhe absteigen. Also verstecken wir die Rucksäcke im Gebüsch und beginnen den Abstieg. Wir werden von einem Seil und einer ziemlich großen Steilstufe überrascht. Nach der ersten Kletterei entscheiden wir, dass es uns den zeitlichen Mehrbedarf nicht wert ist und wir machen uns an den Wiederaufstieg hinauf zum Likya Yolu.

    Wieder zurück auf dem Original geht es gleich weiter durch hübschen Wald bergan. Oben machen wir Bekanntschaft mit der heimischen Tierwelt. Zuerst fliegt eine riesige Heuschrecke vorbei, wenig später rollen zwei Mistkäfer ein Stück Kot durch die Gegend. Bald haben wir einen schönen Blick zurück bis zur Bucht bei Ölüdeniz, da haben wir doch schon ein gutes Stück zurück gelegt. Durch hübschen Kiefernwald steigen wir ab nach Kabak. Bevor es nun wieder steil ansteigen würde, entscheiden wir uns für das Ende des ersten Tages. Wir brauchen nur noch einen Platz für die Nacht. Zufällig bekommen wir eine neue Unterkunft mit herrlichem Blick über die Küste bei Kabak. Hier lassen wir den Abend mit leckerem Essen ausklingen. Noch abschließend zum Thema Essen: wir sind etwas überrascht über das Preisniveau in dieser ländlichen Gegend. Aber wir lassen die Kulinarik natürlich dennoch nicht zu kurz kommen.

  • Auf nach Fethiye

    Auf nach Fethiye

    Früh am Morgen geht es los! Der Bus wurde um eine Stunde auf 8 Uhr vorverlegt. Wir laufen wieder an die Haltestelle von gestern, Ismetpasa und nehmen eine Minute später die Straßenbahn Richtung Busbahnhof. Ein Mann hört uns beim Reden zu und spricht uns an: „Höre ich deutsch?“. Wir kommen ins Gespräch und er erzählt uns, dass er früher in Deutschland gearbeitet hat. Jetzt, in seiner Rentenzeit ist er wieder öfter für längere Zeit in seiner Heimat. Am Busbahnhof verschlingen wir das vom Hotel gerichtete Lunchpaket.

    Pünktlich geht es mit dem Kamil Koc, Kooperationspartner von FlixBus Richtung Fethiye. Sobald wir die Außenbezirke von Antalya verlassen, stiegt die Straße langsam an. Bis gut zur Hälfte der Strecke werden wir hinauf fahren, bevor es dann die zweite Hälfte abwärts geht hinunter zur Küste. Neben der Strecke erheben bis zu 2.700 m hohe Berge, einige von ihnen sind noch gut mit Schnee bedeckt. Wir schauen mal, ob wir unterwegs noch Gipfelabstecher einbauen können und wollen. Grün bewaldete Berge werden sich mit fruchtbaren Ebenen ab, in denen Tomaten und sehr viele Obstbäume angebaut werden. So langsam werden wie richtig heiß auf den Weg und wir wollen endlich in diese Natur eintauchen. Allerdings ist es auch schon recht warm, mal sehen, wie anstrengend es werden wird.

    Nach 3 1/4 Stunden Fahrzeit erreichen wir Fethiye. Vom großen Busbahnhof laufen wir weiter Richtung Zentrum, von wo wir später den Minibus nach Ovacik nehmen. Doch davor möchte ich noch eine historische Stätte besuchen. Oberhalb von Fethiye wurde ca. 350 v. Chr. das monumentale Felsengrab des Amyntas in die steile Felswand geschlagen. Überlegt euch mal, das Ding ist 2.400 Jahre alt. Eine Inschrift auf der linken Seite lautet übersetzt: „Amyntas, Sohn des Hermapias“. Er gehörte vermutlich zur Oberschicht der lykischen Gesellschaft. Außerdem hat man von hier oben eine schöne Aussicht auf Fethiye und seine Bucht mit dem Jachthafen.

    So viel Geschichte macht hungrig! Auf dem Rückweg kommen wie an dem süßen Café Köse Kahve vorbei. Hier genießen wir Ayran, Sandwiches und türkischen Kaffee. Wer es nicht kennt, aufpassen! Türkischer Kaffee wird nicht gefiltert, das Pulver setzt sich ab. Wenn man zu gierig trinkt, bekommt man eine Ladung Kaffeesatz in den Mund! Nun sind wir bereit für den Minibus. Immer aufwärts fahren wir nach Ölüdeniz. Als wir aussteigen, beginnt es leicht zu regnen. Aber jeder versichert uns, dass es ab morgen stabiler werden soll!

  • Ein Rundgang durch Antalyas hübsche Altstadt

    Ein Rundgang durch Antalyas hübsche Altstadt

    Um 4:30 ging es heute Morgen für uns zum Flughafen… pünktlich zum Frühstück hoben wir Richtung Antalya ab. Der Pilot meinte es extra gut mit uns und flog beim Landeanflug einmal das Gebirge entlang des Lykischen Wegs für uns ab, die Vorfreude steigt. Wir haben Glück, die Rucksäcke kommen an Band an, wir bekommen Bargeld am Automaten (obwohl die 8% Gebühr teuer sind) und auch unsere eSIM läuft. Wir sind startklar Richtung Stadtzentrum. Die nächste positive Überraschung: für die relativ neue Tram kann man einfach mit der Kreditkarte einsteigen und fertig.

    Als wir die Altstadt betreten sind wir gleich total begeistert, die kleinen Gässchen verbreiten Charme. Schnell ins Hotel eingecheckt und dann noch Besorgungen machen. Noch von zuhause hatte ich Gas für den Kocher reserviert. Wir marschieren erst mal in das gut sortierte Outdoorgeschäft. Nebenan ist auch ein Supermarkt, perfekt für letzte Besorgungen wie Müsli und Asia Nudeln.

    Bei unseren Besorgungsgang durch die Stadt fallen uns die unzähligen Katzen auf. Zu meinem Leid ist Hang absoluter Katzenfan. „Schau mal da, so ne hübsche Katze.“ „Oh die Arme da!“ Nach einer kurzen Rast im Hotel machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt. Dabei klappern wir einige historische Sehenswürdigkeiten ab. Den Eingang zur Altstadt bildet das mächtige Hadrianstor. Dieses wurde im Jahr 130 n. Chr. zu Ehren des Besuchs des römischen Kaisers errichtet.

    Ein weiteres Wahrzeichen ist der Uhrturm, der 1901 zum 25. Thronjubiläums des Sultans errichtet wurde. Durch die wuseligen Gässchen mit allerlei kleinen Shops marschieren wir hinab zum Hafen. Hier starten zahlreiche Ausflugsboote zu ihren individuellen Touren. Für uns geht es nicht aufs Boot, sondern über Treppen nach oben. Unverhofft kommen wir an einem kleinen Park vorbei, von dem wir eine herrliche Aussicht hinunter auf den Hafen haben.

    Unser eigentliches Ziel ist aber der Kaaralioglu Park, von dem wir mit der Unmenge anderer Menschen den perfekten Blick über das Meer auf die Berge gegenüber genießen. In 2-3 Wochen werden wir über diese wieder in Antalya ankommen. Den gelungenen Tag lassen wir in einer Restaurant-Empfehlung unseres Hotelchefs ausklingen. Nicht nur die Essen sind lecker, sondern zahlreiche Speisen wie Salat, Brot, Dips und der obligatorische schwarze Tee runden das Erlebnis ab.

  • Likya Yolu, wir kommen!

    Likya Yolu, wir kommen!

    Wir sind schon langsam gespannt, denn unser nächstes Abenteuer wartet. Nächste Woche geht es für 5 Wochen in die Türkei. 🇹🇷 Am Sonntag sitzen wir, wenn alles gut läuft, in unserem Hotel, bevor wir dann am darauffolgenden Morgen zu unserem ersten gemeinsamen Thruhike aufbrechen. 🥰 Hauptgrund für diese Reise ist der schon ewig auf meiner Liste stehende Lykische Weg. Da wir uns keinen Stress machen wollen, haben wir keine weiteren konkreten Pläne gemacht. Sollte noch genug Zeit bleiben, haben wir noch eine mehrtägige Wanderung durch Kappadokien vor. Den Heimflug haben wir dann von Istanbul gebucht. Und falls wir noch einen weiteren „Lückenfüller“ brauchen, wollen wir noch ein paar Tage auf dem Karischen Weg wandern.

    Der Lykische Weg

    Der Lykische Weg ist der erste und bekannteste Fernwanderweg der Türkei. Er führt auf etwas mehr als 500 km entlang der Küste von Fethiye nach Antalya. Die Route führt durch das antike Lykien und bietet nicht nur traumhafte Ausblicke, sondern man kommt immer wieder an historischen Ruinen vorbei. Mit der Mischung aus Natur und Sehenswürdigkeiten gilt der Weg als einer der schönsten Fernwanderwege der Welt. Über die zahlreichen Sehenswürdigkeiten entlang des Wegs, wie z.B. die Ruinen historischer Städte, das Schmetterlingstal oder die ewigen Flammen werde ich dann in den täglichen Berichten erzählen.

    Cappadocia Trail

    In Kappadokien wollen wir für fünf Tage einmal durch die bekanntesten Sehenswürdigkeiten wandern. Hier haben wir die Route selbst geplant und uns an bekannten touristisch vermarkteten Routen orientiert. Hier durchwandern wir dann die vielbesuchten Täler wie z.B. Liebestal, Rosental und das Taubental.

    Der karische Weg

    Den Karischen Weg werden wir nicht komplett gehen können, aber ein paar Tage würden uns dennoch reizen. Er zieht sich über 800 km entlang der Küste in der antiken Region Karien. Er zählt generell als etwas weniger frequentiert als sein Bruder, der Lykische Weg.

    Das Finale: Istanbul

    Zum Abschluss planen wir noch mehrere Tage in Istanbul. Für mich ist es das erste Mal in dieser großen Stadt und ich freue mich schon jetzt, die zahlreichen spannenden Ecken zu entdecken.

    Aber wir freuen uns nicht nur auf das Wandern und die Natur, sondern auch auf das türkische Essen, die herzlichen Menschen und die Gastfreundschaft.

    Warst du schon mal in diesen Regionen unterwegs? Oder kennst du jemanden vor Ort? Dann kommentiere gerne diesen Beitrag oder teile privat deine Erlebnisse mit mir. Ich freue mich, dich bald auf diese Reise mitnehmen zu dürfen.

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